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T&E-Analyse: Grüner Stahl würde Autos nur 57 Euro verteuern

Grüner Stahl könne die Klimaauswirkungen der Autoproduktion für nur 57 Euro pro Auto verringern, legt eine neue Studie dar. Zudem könne die Automobilindustrie zum Leitmarkt für grünen Stahl in Europa werden, wenn die EU klare Vorgaben festlegt. Und könne mehr als genug grünen Stahl produzieren. Leichtbau reduziert zudem künftig den Bedarf.

Geht doch: Bei Mercedes-Benz etwa will man jährlich über 200.000 Tonnen CO₂-reduzierten Stahl von den europäischen Lieferanten Salzgitter, thyssenkrupp Steel, voestalpine, Arvedi sowie SSAB und H2 Green Steel in seinen Presswerken einsetzen. | Foto: Mercedes-Benz
Geht doch: Bei Mercedes-Benz etwa will man jährlich über 200.000 Tonnen CO₂-reduzierten Stahl von den europäischen Lieferanten Salzgitter, thyssenkrupp Steel, voestalpine, Arvedi sowie SSAB und H2 Green Steel in seinen Presswerken einsetzen. | Foto: Mercedes-Benz
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Johannes Reichel

Nach einer neuen Analyse der Umweltdachorganisation Transport & Environment (T&E) ließe sich mit der Verwendung von grünem Stahl die CO2-Emissionen der europäischen Automobilproduktion bis 2030 um 6,9 Mio. Tonnen reduzieren. Diese Einsparungen entsprechen den jährlichen CO2-Emissionen von 3,5 Millionen Verbrenner-Pkw, so die Organisation. Die Klimaauswirkungen der Automobilproduktion rücken zunehmend ins Rampenlicht, da die Auspuff-Emissionen auf Null gesenkt werden und der Autosektor bis 2050 eine CO2-neutrale Produktion anstrebt. Wird in der Produktion auf 40 Prozent grünen Stahl umgestellt, dann entstehen pro E-Auto im Jahr 2030 nur 57 Euro an Mehrkosten, so die T&E-Analyse auf der Grundlage einer neuen Studie des Beratungsunternehmens Ricardo.

Eine Umstellung auf 100 Prozent grünen Stahl im Jahr 2040 würde wegen der CO2-Bepreisung und sinkenden Produktionskosten von grünem Stahl nur 8 Euro mehr gegenüber herkömmlichem Stahl kosten. Die Produktion von grünem Stahl erfordert jedoch Investitionen in Milliardenhöhe und werde stark davon abhängen, ob es einen zuverlässigen Abnahmemarkt für die Hersteller gibt, so die Analysten. Der Automobilsektor könne der grünen Stahlbranche die notwendige Nachfrage verschaffen, da er derzeit 17 Prozent des Stahls in der EU verbraucht.

“Es kostet Europa pro Auto weniger als einen Reifenwechsel, eine grüne Stahlindustrie aufzubauen. Das heißt, die zusätzlichen Kosten am Anfang werden vernachlässigbar sein, und mit der Zeit wird grüner Stahl sogar billiger sein als konventioneller Stahl. Aber zuerst muss die Politik mit klaren verbindlichen Rahmenbedingungen einen grünen Leitmarkt schaffen, um die Umstellung auf kohlenstoffarmen Stahl in der Automobilindustrie anzustoßen", erklärt Lars Andersen, Referent für Grünen Stahl in der Automobilindustrie bei T&E Deutschland.

Auf nationaler Ebene hat Bundesminister Habeck mit dem Konzept für “Grüne Leitmärkte” einen ersten wichtigen Schritt gemacht. Jetzt gelte es, dass sich Deutschland in der EU stark macht, dass mittelfristig ein europäischer Leitmarkt mit ambitionierten und auch international abgestimmten Standards entsteht. Die Organisation fordert dafür verbindliche Verpflichtungen für europäische Automobilhersteller, ab 2030 eine steigende Menge an grünem Stahl für Neuwagen zu verwenden. Europa werde in der Lage sein, ab 2030 bis zu 172 Millionen Tonnen grünen Stahl pro Jahr zu produzieren, so die Analyse, die sich auf die von Ricardo erfassten Produktionsankündigungen stützt. Dies sei mehr als genug, um die gesamte Stahlnachfrage des Automobilsektors zu decken, der 2022 rund 36 Millionen Tonnen verbrauchte.

Leichtbau reduziert Stahlbedarf

Die Studie zeigt auch, dass eine Verlagerung zum Leichtbau den Einsatz von Stahl im Automobilsektor im nächsten Jahrzehnt verringern wird. Dieser Anteil sollte dann ab 2035 auf 75 Prozent und ab 2040 auf 100 Prozent steigen. Den Automobilherstellern sollte ein durchschnittliches Ziel vorgegeben werden, das für alle ihre Neuwagen erreicht werden kann, so dass sie die anfänglichen Kosten durch Premiummodelle auffangen können. Dieses Ziel kann über die EU-Altautoverordnung (ELV) eingeführt werden, die derzeit von der EU Kommission überarbeitet wird. Lars Andersen sagt: “Der Automobilsektor ist der zweitgrößte Stahlverbraucher – sowohl in Deutschland als auch in der EU. Damit ist die Branche gut positioniert, um ein Leitmarkt für grünen Stahl in Europa zu sein. Der relativ hohe Wert von Autos, insbesondere von Premiummarken, bedeutet, dass sie die kurzfristige und marginale Preiserhöhungen für grünen Stahl verkraften können.”

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