Werbung
Werbung

T&E-Analyse E-Fuels: Fünfacher CO2-Ausstoß zum Stromer

Nach der Definition des FDP-Politikers würden E-Fuels einen fünffach höheren CO2-Ausstoß gegenüber Elektrofahrzeugen mit sich bringen, rechnet die Organisation vor. Die EU dürfe dem Drängen aus Deutschland zur Anrechnung nicht nachgeben, fordert die NGO. E-Fuels emittieren zudem Stickoxide und Partikel wie konventionelle Verbrenner.

Nicht ganz sauber: Die E-Fuel-Verfechter halten den Antrieb für klimaneutral. Dabei ist der CO2-Ausstoß deutlich höher als beim E-Auto - und es bleiben die üblichen Luftschadstoffe wie Stickoxid und Partikel. | Foto: ADAC
Nicht ganz sauber: Die E-Fuel-Verfechter halten den Antrieb für klimaneutral. Dabei ist der CO2-Ausstoß deutlich höher als beim E-Auto - und es bleiben die üblichen Luftschadstoffe wie Stickoxid und Partikel. | Foto: ADAC
Werbung
Werbung
Johannes Reichel

Geht die EU den Forderungen von Bundesverkehrsminister Volker Wissing nach und verwässert die Kriterien für klimaneutrale synthetischen Kraftstoffe, dann würden mit E-Fuels betriebene Autos fast fünfmal so viel CO₂ ausstoßen wie Elektroautos. Das zeigen neue Berechnungen der europäischen Umweltdachorganisation Transport & Environment (T&E). Nach EU-Plänen dürfen alle neuen Autos, die ab 2035 in der EU verkauft werden, keine CO₂-Emissionen mehr ausstoßen. Daher können laut EU-Kommission nur zu 100 Prozent klimaneutrale E-Fuels für die Ausnahmeregelung in Frage kommen. Im Gegensatz dazu pochen der deutsche Verkehrsminister Volker Wissing und einige Industriegruppen darauf, dieses Kriterium abzuschwächen. Wissing plädiert für eine 70-prozentige CO₂-Neutralität.

Die Organisation untersuchte die "Well-to-Wheel"-CO₂-Emissionen von E-Fuels berechnet. Das sind die Gesamtemissionen, die bei der Herstellung, dem Vertrieb und der Nutzung des synthetischen Kraftstoffs entstehen. Die Analyse zeigt, dass im Jahr 2035 mit E-Fuels betriebene Autos 61 Gramm CO₂-Äquivalent pro Kilometer (CO₂e/km) ausstoßen würden, sollte sich die Forderung von Bundesverkehrsminister Wissing nach abgeschwächten Kriterien im Rahmen der EU-Richtlinie für Erneuerbare Energien durchsetzen. Im Gegensatz dazu würden Elektroautos nur 13g CO₂e/km ausstoßen, wenn sie ab 2035 mit Strom aus dem durchschnittlichen EU-Netz geladen werden würden. Um vollständig CO₂-neutral zu sein, müssten E-Fuels mit erneuerbaren Energien und aus der Atmosphäre entnommenem CO₂ hergestellt werden, um das bei der Verbrennung des Kraftstoffs in einem Motor freigesetzte Kohlendioxid auszugleichen.

“Unser Verkehrsminister Wissing sollte endlich akzeptieren, dass Klimaneutralität für die EU-Kommission unumgänglich ist und eine Aufweichung der Kriterien für E-Fuels diesem Grundsatz widerspricht. Zugleich ist es verwunderlich, dass die E-Fuels-Lobby jahrelang erzählt hat, wie sauber ihre Kraftstoffe sind, die angedachten Kriterien jetzt aber nicht eingehalten werden können", erklärte Friederike Piper, E-Mobilitätsexpertin bei T&E Deutschland.

    Luftschadstoffe: Die Stickoxide und Partikel bleiben

    Selbst wenn E-Fuels nach dem Plan der Kommission CO₂-neutral hergestellt werden würden, stoßen sie bei der Verbrennung in Verbrennungsmotoren weiterhin Luftschadstoffe aus, insbesondere giftiges Stickstoffoxid (NO₂) sowie krebserregende Partikel. T&E-Tests haben gezeigt, dass mit E-Fuels betriebene Autos genauso viel Stickoxide (NOx) ausstoßen wie mit fossilen Brennstoffen betriebene Autos (ca. 22 mg/km) und viel mehr Kohlenmonoxid und Ammoniak, was nichts zur Verbesserung der Luftqualität in unseren Städten beiträgt. Gleichzeitig ist die Herstellung von E-Fuels teuer. Fahrer:innen würden demnach weit mehr für Tankfüllungen mit synthetischem Benzin bezahlen, als für den Betrieb eines Elektroautos oder für fossiles Benzin. Die Herstellung von E-Fuels ist außerdem bei weitem weniger effizient als der Betrieb von Elektroautos. Auch wenn man nur einen kleinen Bruchteil aller Neuwagen mit E-Fuels betreiben würde, statt sie zu elektrifizieren, dann müsste Europa deutlich mehr erneuerbaren Strom erzeugen. Eine endgültige Entscheidung der EU-Regierungen über die Kriterien wird bis zum Jahresende erwartet. Aktuell hat die Kommission die Mitgliedstaaten um Rückmeldung zu ihrem Vorschlag gebeten, ab 2035 nur noch 100 Prozent klimaneutrale E-Fuels für Neuwagen zuzulassen.

    Die Analyse von T&E basiert auf den folgenden Annahmen:

    • Konventionelles Verbrennerauto: Im Jahr 2035 verkauftes Fahrzeug des C-Segments, das mit konventionellem Benzin betrieben wird und 94 gCO2eq/MJ emittiert. 
    • E-Fuels-Pkw: Dasselbe Fahrzeug, das mit E-Fuels betrieben wird, mit einer CO-Reduzierung von 70 Prozent im Vergleich zu herkömmlichem Benzin gemäß der RFNBO-Methode der EU-Richtlinie über erneuerbare Energien. Die Emissionsreduzierung bei den "Well-to-Wheel"-Emissionen von E-Fuels wird durch Kohlenstoffabscheidung erreicht.
    • E-Auto: C-Segment BEV, durchschnittliche Kohlenstoffintensität des europäischen Netzes.
    Werbung
    Werbung