Meinungsbeitrag

Synfuel-Debatte: Zu spät für Technologie-Offenheit

Statt jetzt noch über den richtigen Antrieb für Pkw zu diskutieren, sollten die Hersteller sich auf die effizienteste Methode fokussieren: Batterieelektrisch. "Technologieoffen" hätte die Industrie mal früher sein sollen.

Besser mit Strom: VM-Redakteur Johannes Reichel plädiert für Fokussierung auf die effizienteste Antriebsart beim Pkw - und die heißt BEV. | Foto: Hyundai/Angelika Emmerling
Besser mit Strom: VM-Redakteur Johannes Reichel plädiert für Fokussierung auf die effizienteste Antriebsart beim Pkw - und die heißt BEV. | Foto: Hyundai/Angelika Emmerling
Johannes Reichel

Volkswagen hat ja Recht: Es ist und bleibt wohl die effizienteste Methode, für Vortrieb in einem Pkw zu sorgen, indem man den regenerativen Strom direkt in einem Akku speichert. Als Zwischenschritte sind da vielleicht noch Erdgas als Biomethan aus Reststoffen, weniger als energieaufwändigeres e-Gas plausibel. Plausibler jedenfalls als der unselige PHEV-Trend, der "das Schlechteste aus zwei Welten" (Rolls-Royce) vereint: Einen durstigen Turbobenziner (vorzugsweise in einem schweren SUV) und einen halbgaren E-Antrieb (nebst kleinem Akku).

Wasserstoff als der "Champagner unter den Kraftstoffen" ist derzeit jedenfalls zu wertvoll, um ihn in leichten Fahrzeugen zu verschwenden. Ob die Forschung etwa wie vom Rostocker Likat-Institut da einen "game changer" hervorbringt, bleibt abzuwarten. An die Effizienz der direkten Nutzung und Speicherung von Strom wird es wohl dennoch nicht heranreichen. Und energiefressend zu produzierende Synfuels für die Bestandsflotten?! Lasst es bleiben, kann man da nur zurufen, das ist Augenwischerei!

Man kann auch das Geraune von der Technologieoffenheit da nicht mehr hören. Die hatte man die letzten Jahrzehnte, und speziell die deutsche Autoindustrie hat ziemlich "technologie-verschlossen" auf das falsche Pferd der Verbrennungskraftmaschine gesetzt, weil es zugleich eine gigantische Wertschöpfungsmaschine war. Umweltfreundlichkeit und Effizienz hatte da nicht unbedingt Priorität.

Dass ausgerechnet der Volkswagen-Konzern, der die Manipulation mit dem Diesel auf die Spitze trieb, aber auch nur die Spitze eines Eisbergs markiert, nun vom Saulus zum Paulus mutiert, mag man monieren. Sie erklärt sich aber auch aus einem schmerzhaften Läuterungsprozess, den der Konzern durchlaufen musste und noch durchläuft. Es gilt der alte Satz: Besser spät als nie. Und vor allem dann konsequent. Denn rein nüchtern betrachtet, hat man den Diskussionsprozess um die richtige Technologie bereits durchlaufen und darin ist sich die überwiegende Mehrheit der Fachleute auch einig: Elektrisch sowieso, batterieelektrisch für Pkw, brennstoffzellenelektrisch für Lkw, Züge, Schiffe oder (viel weniger!) Flugzeuge. Auf absehbare Zeit wird die Akkutechnologie Reichweiten auf Augenhöhe mit Verbrennern ermöglichen, auch die Rohstofffragen sind letztlich lösbar, ebenso das Recycling. Worauf warten wir noch? Es bleibt keine Zeit mehr fürs Zerreden.

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