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Südamerika: Alkohol statt Strom

In Südamerika kommt die Elektromobilität kaum in Gang, da sich hier seit Jahren günstigere Flex-Fuel-Autos etabliert haben.

Das VW-Highlight in Sao-Paulo: Der Verbrenner-Pickup "Tarok". | Foto: Volkswagen
Das VW-Highlight in Sao-Paulo: Der Verbrenner-Pickup "Tarok". | Foto: Volkswagen
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Gregor Soller

Die Automesse in Sao Paulo macht es deutlich: In Brasilien gibt man dem Affen respektive Auto lieber Zucker, respektive Methanol als Strom. Die Plattform Automobilproduktion hat dazu Zahlen zusammengetragen: So seien von den knapp 2,2 Millionen Neuzulassungen 2017 gerade einmal 3300 elektrifiziert, wobei die meisten Modelle hier einfach Hybride waren, die sich ebenfalls wieder per Flex Fuel betreiben ließen, während reine Stromer nur 250 mal verkauft wurden. Weder bei Kunden noch bei Händlern sei das Thema bisher groß gespielt worden.

So sieht das laut „Automobilproduktion“ auch der Präsident des brasilianischen Automobilverbandes Antonio Megale, der die CO2-Bilanz schon durch die Biokraftstoffe und Flex-Fuel massiv verbessert sieht und den Hybrid mit Flex-Fuelantrieb als „ideal" bezeichnet. Entsprechend schwach ist auch die Lade-Infrastruktur ausgebaut: Laut „Automobilproduktion“ existierten in der Region Sao Paulo gerade mal 30 Ladestationen, die meisten davon an Einkaufszentren – in einer 21-Millionen-Metropole! Noch krasser in Argentinien: Dort wurde in Buenos Aires im März 2017 überhaupt die erste Ladestation errichtet. Dazu kommen die hohen Preise der Stromer, denn das Lohnniveau in Brasilien ist viel niedriger als in Europa oder Nordamerika.

Methanol, Ethanol? Da kommt man schnell auf Roland Gumpert und seine Brennstoffzelle – und genau diese Technik könnte auch in Südamerika interessanter sein als im Rest der Welt. Entsprechend tüftele man bereits an einer Brennstoffzelle, die auf Bio-Ethanolbasis funktioniert.

Ein weiteres südamerikanisches Thema sind Zölle respektive Protektionismus, um die heimische Wirtschaft zu schützen, respektive die Hersteller zu zwingen, lokal zu fertigen. Das gilt für Brasilien wie für Argentinien: Immerhin hat dort der Präsident Mauricio Macri einen Deal mit dem chinesischen Autobauer BYD getroffen, um Elektroautos in Argentinien zu fertigen. Um das Thema etwas zu beschleunigen, überlegt man in Brasilien immerhin, die Importzölle auf Stromer zu senken: So stellte GM auf der Sao Paulo Motorshow war den Chevrolet Bolt EV aus, außerdem plant Nissan, den Leaf nach Südamerika zu bringen. VW-Highlight auf der Messe war entsprechend kein Stromer, sondern der Pickup „Tarok“, der ziemlich exakt so in Serie gehen dürfte.

Was bedeutet das?

Südamerika ist ein Riesenmarkt mit Mini-Perspektiven, was die Elektromobilität angeht. Einerseits wegen der Einkommen, andererseits wegen den etablierten Bio-Fuel-Alternativen.

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