Studie Zukunftsinstitut: Corona-Krise läutet neue Epoche der Mobilität ein

Grundlegende Trends haben sich mit der Pandemie verstärkt. Die Generation der Mobility Seeker begreift Bewegung spielerisch und wählt flexibel Transportmittel. Straßen auf Diät: Raum wird neu verteilt.

Epochenwechsel: Die Corona-Krise hat laut Zukunftsinstitut bestehende Trends beschleunigt. | Foto: Zukunftsinstitut
Epochenwechsel: Die Corona-Krise hat laut Zukunftsinstitut bestehende Trends beschleunigt. | Foto: Zukunftsinstitut
Johannes Reichel

Das Zukunftsinstitut, internationaler Think-Tank für Trend- und Zukunftsforschung, hat erstmals seinen Mobility Report 2021 vorgestellt und sieht laut Autor Stefan Carsten, Stadtgeograf und Zukunftsforscher, durch die Corona-Pandemie eine neue Epoche der Mobilität eingeläutet. Grundlegende Trends hätten sich massiv beschleunigt und Mobilität muss neu erlernt werden, meint der Wissenschaftler. Leitende Fragestellungen der Studie waren:

  • Wie wirkt sich das steigende Angebot an Verkehrsmitteln auf das Mobilitätsverhalten aus?
  • Wie sieht die Transformation der urbanen Straßeninfrastruktur aus?
  • Wird der Einsatz von Robotern die Logistik revolutionieren?
  • Wie entwickelt sich die autonome Mobilität?

Dabei führt der Autor die Bezeichnung Mobility Seeker ein, für Leute, die sich nicht auf ein Verkehrsmittel festlegen. Für sie werde Bewegung im Raum zum spielerischen Erlebnis. Vor allem in Großstädten sieht Carsten zunehmend Menschen, die das breite Angebot an Verkehrsmitteln gerne wahrnehmen. Je nach Bedarf wechseln Mobility Seeker zwischen Carsharing, E-Roller, Fahrrad oder öffentlichem Verkehrsmittel. Lebenszeit im Stau verschwenden, werde nicht mehr akzeptiert. Eine neue Zeitrechnung sieht Carsten anbrechen, die Mobilitätswende werde die Stadt- und Raumentwicklung massiv beeinflussen.

"Besitz von Fortbewegungsmitteln wird durch Sharing ersetzt. Park-and-Ride- sowie Bike-and-Ride-Orte werden zu multifunktionalen und lebendigen Mobilitätsräumen. Die unterschiedlichen Verkehrsanbieter – ob öffentlich oder privat – dürfen sich dabei nicht als Konkurrenz betrachten, sondern All-inclusive-Mobility bieten, per App und im physischen Raum", meint Carsten.

Road Diet: Straßenraum auf Diät - und in Neuverteilung

Die Corona-Pandemie habe einen Trend beschleunigt, der bereits zuvor von einigen Städten angestoßen wurde. Der öffentliche Raum wird neu verteilt. Der Platz für Autos wird zunehmend zurückgedrängt, Fußgänger und Radfahrer erhalten mehr Raum. Während einige Städte wie Berlin ihre Verkehrsstrategie anpassen, planen Mailand, Paris und London eine grundsätzliche Neuorientierung. Parkplätze werden zu Radwegen und Begegnungszonen. Experten für Städtebau sind gefragt, neue Konzepte zu entwickeln für eine zukunftsfähige Gestaltung des öffentlichen Raums. Städte seien hier in der Verantwortung: Urbane Lebensqualität entstehe nur durch resiliente, gesunde und nachhaltige Raumarchitektur. Delivery Bots und Autonomous Cities Platz auf den Verkehrswegen muss auch zunehmend für Delivery Bots geschaffen werden, plädiert der Wissenschaftler weiter.

Autonome Prozesse im Lieferverkehr ändern die Mobilität

Steigende Umsätze im E-Commerce werden nach seinem Dafürhalten für eine stärkere Nutzung von Lieferrobotern sorgen, die Produkte effizient und hygienisch liefern. Autonome Prozesse werden nicht nur die Mobilität grundlegend verändern. Bereits jetzt werden mehr als eine Milliarde Passagiere pro Jahr mit fahrerlosen öffentlichen Verkehrsmitteln durch Europas Städte befördert. Das autonom fahrende Auto sei noch Zukunftsmusik, Städte und Regionen müssten sich entscheiden, welche autonome Zukunft sie wählen: Haben Fahrräder und Passanten den Vorrang oder technische Systeme, fragt der Autor?

Für Stefan Carsten ist klar: Das autonome Fahren wird kommen, die Entwicklung ist bereits weit vorangeschritten. Und es wird viele Vorteile haben: der Verkehr wird sicherer und Autos entwickeln sich zum aktiven Aufenthalts- und Arbeitsort. Interieur und Entertainment Ausstattung werden entscheidende Kriterien für die Wahl eines Fahrzeugs. Weitere Fokusthemen des Mobility Reports 2021 sind: Healthy Mobility – Gesundheit als Treiber urbaner Mobilität sowie Corona Mobility Shift – der Siegeszug des Fahrrads, der individuelle Schutzraum des Autos und die Krise der Sharing Dienste sowie des öffentlichen Verkehrs als unmittelbare Folgen der Coronapandemie.

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