Studie: „New Mobility“-Angebote zu wenig bekannt

Eine aktuelle Studie der Dualen Hochschule Baden-Württemberg (DHBW) zum Thema „New Mobility“ ergab, dass viele alternative Mobilitätsangebote auch deshalb nicht genutzt werden, weil man sie gar nicht kennt.

Viele alternative Mobilitätsangebote sind den Nutzern gar nicht beknnt oder zu umständlich zu buchen. | Grafik: Goslar Institut
Viele alternative Mobilitätsangebote sind den Nutzern gar nicht beknnt oder zu umständlich zu buchen. | Grafik: Goslar Institut
Gregor Soller

Ein Vorteil der Digitalisierung ist, dass das ganz leicht ganz viele Anbieter mit neuen Produkten und Ideen auf den Markt kommen können – die Krux an der Geschichte: Wie will man sich zwischen all den Anbietern Gehör verschaffen? Denn noch nie zuvor standen den Menschen so viele Möglichkeiten zur Verfügung, um von A nach B zu gelangen, wie heute. Doch ein Großteil dieser Mobilitätsangebote wird bislang nicht genutzt, weil diese Fortbewegungsalternativen zu den gewohnten Verkehrsträgern den meisten möglichen Interessenten unbekannt sind. Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Studie der Dualen Hochschule Baden-Württemberg (DHBW) zum Thema „New Mobility“.

Darin untersuchten die Studierenden in einer Befragung von über 2100 Personen sowohl die Akzeptanz als auch die Nutzerfreundlichkeit von neuen Mobilitätsformen jenseits des privaten Individualverkehrs. Am Ende stand das überraschende Resultat, dass mehr als 40 Prozent der Befragungsteilnehmer die Beförderungsalternativen gar nicht bekannt waren, zu denen sie befragt wurden.

Diskrepanz zwischen Bekanntheit und Verfügbarkeit

Noch größer war der Anteil der Befragten, die zwar schon einmal von Marken und Mobilitätsangeboten wie Stadtmobil, Uber, Flixbus, Call-a-Bike oder Bla-Bla-Car gehört haben, diese jedoch nicht selbst nutzten. Und nur etwa ein Drittel der Personen sieht zukünftig eine realistische Möglichkeit, diese modernen Mobilitätsangebote im eigenen Alltag zu nutzen. Ansonsten verhindert eine begrenzte Verfügbarkeit die Nutzung dieser Verkehrsmittel. So gab ein Drittel der Befragten an, überhaupt keine Möglichkeit zu haben, sich der neuen Mobilitätsangebote zu bedienen. Das wirft zwangsläufig die Frage auf, wie die neuen Mobilitätskonzepte möglichen Nutzern nahegebracht werden, um ihre Akzeptanz zu stärken. Dazu verweist Prof. Dr. Marc Kuhn, Leiter der Studie und Studiengangsleiter BWL-Industrie an der DHBW Stuttgart, auf ein weiteres Ergebnis der Untersuchung:



„Wir konnten nachweisen, dass die meisten Mobilitätsformen grundsätzlich von den Probanden besser beurteilt wurden, wenn sie diese bereits genutzt hatten“, erklärt der Wissenschaftler. Das bedeutet demnach, „dass die Dienstleister ihr Kundenpotenzial in Zukunft nur dann voll ausschöpfen können, wenn sie die Skeptiker zum Testen bewegen können.“

Dies bedeutet aber auch, dass die möglichen neuen Nutzer von „New Mobility“-Angeboten von deren Vorteilen überzeugt werden müssen. Sprich: Die Mobilitätsalternativen zum privaten Pkw oder traditionellen ÖPNV sollten sich keine Schwächen in Bezug auf Nutzerfreundlichkeit, Fahrzeugsicherheit und Service leisten. Doch schon bei der Nutzbarkeit sehen zahlreiche Kunden Luft nach oben: Insbesondere Buchungsvorgänge werden nicht selten als verbesserungswürdig beurteilt.

Sicherheit: Weniger Vertrauen bei Scootern & Co

Interessant auch: Vertrauen in die Fahrzeugsicherheit zeigten die Probanden der DHBW-Studie insbesondere dann, wenn sie geschlossene Fahrzeuge selbst steuern konnten. Dann fühlen sie sich nach eigenen Angaben sicher. In Fernbussen sitzen deren Passagiere zwar nicht selbst am Steuer, aber in einem geschützten Raum und werden von professionellen Fahrern chauffiert. Auch zu solchen Fortbewegungsmitteln haben die Befragungsteilnehmer Zutrauen, wie die Studie zeigt.

Weniger gut schneiden dagegen im Vergleich Leihfahrräder sowie E-Roller und E-Scooter zum Mieten ab. Bei diesen Angeboten fehle den Nutzenden offenbar der schützende Raum um sie herum. Bei den Anbietern von E-Bikes und E-Scootern sowie den Bike-Sharing-Offerten testeten die Verfasser der Studie ebenfalls Kriterien wie unter anderem Alltagstauglichkeit, Betriebsfestigkeit und Lebensdauer. Und da gab es große Unterschiede: So fielen bei den E-Scootern beispielsweise große Differenzen von 2,21 Metern beim Bremsweg auf: Ein längerer Bremsweg bedeutet Sicherheitsrisiken.
 

Ebenso große Unterschiede gab es beim technischen Gesamtzustand der Fahrräder zum Sharen. Der erwies sich als unterschiedlich - einige von ihnen wurden als nicht verkehrssicher eingestuft. Als positiv hielten die Verfasser der Studie bei diesen Mobilitätsalternativen fest, dass sich mit ihnen die sogenannte „erste“ und „letzte“ Meile schneller zurücklegen lasse als zu Fuß oder mit dem ÖPNV.

Umwelt: Leihräder und Busse kommen am besten weg, Uber schlecht

Auch den Aspekt der Nachhaltigkeit berücksichtigten die Verfasser der Studie, da beim Thema neue Mobilität vielfach auch die Umweltfreundlichkeit der einzelnen Verkehrsträger von Bedeutung für die Nutzer ist. In dieser Hinsicht wurden die Leihfahrräder am besten und durchweg positiv bewertet. Als vorteilhaft für die Umwelt stuften die von der DHBW Befragten auch Reisen im FlixBus (66 Prozent) ein, die E-Roller von Stella (65 Prozent) und das Car-Sharing-Angebot von Share-Now (62 Prozent).

Dagegen maßen nur 20 Prozent der Befragten dem Fahrdienstleister Uber einen positiven Wert für die Umwelt bei. Anbieter wie Share-Now, Stadtmobil und Bla-Bla-Car, bei welchen ebenfalls der Pkw als Mobilitätsträger dient, wurden diesbezüglich deutlich weniger kritisch beurteilt, wie die DHBW berichtet. Grundsätzlich attestierten die an der Studie Beteiligten vielen Nutzern der neuen Mobilitätsangebote ein hohes individuelles Umweltbewusstsein.

Was bedeutet das?

Das Angebot und das Umweltbewusstsein ist vorhanden, doch meist sind es Details und Kleinigkeiten, welche die „neue Mobilität“ langsamer in die Gänge kommen lassen, als erhofft. Vor allem das digitale Erlebnis samt Abrechnung und Buchung müssen nahtlos funktionieren. Dann hätten auch Flotten mehr Interesse und könnten die Nutzungszahlen stark nach oben treiben.

 

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