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Studie: Nachhaltige Mobilitätswirtschaft ist wichtiger Faktor für Standort Deutschland

Neue Studie von Allianz pro Schine, Bundesverband Carsharing, VDV und Zukunft Fahrrad zum Wirtschaftsfaktor nachhaltiger Mobilität, die mit 1,7 Millionen Beschäftigten und rund 118 Milliarden Euro Wertschöpfung in Deutschland ein in der Debatte vernachlässigter Player ist. Invest in Infrastruktur jenseits des Autos bringt nachhaltigen Verkehr.

Bitte wenden: Die Investition in Infrastruktur jenseits des Autos würde nachhaltigen Verkehr bringen, wirbt ein Bündnis von Verbänden. | Foto: Zukunft Fahrrad
Bitte wenden: Die Investition in Infrastruktur jenseits des Autos würde nachhaltigen Verkehr bringen, wirbt ein Bündnis von Verbänden. | Foto: Zukunft Fahrrad
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Johannes Reichel

Der Wirtschaftsstandort Deutschland profitiert stark von den Unternehmen der nachhaltigen Mobilitätswirtschaft – sowohl mit Blick auf die Wertschöpfung als auch hinsichtlich der Beschäftigungs- und Einkommenseffekte. Das ist das Fazit einer aktuellen Studie im Auftrag des Bündnisses nachhaltige Mobilitätswirtschaft von Allianz pro Schiene, Bundesverband Carsharing (bcs), Verband Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV) und Zukunft Fahrrad. Erstmals wurde darin der volkswirtschaftliche Nutzen der nachhaltigen Mobilitätswirtschaft bestimmt. Mobilität mit dem Rad, mit Bus und Bahn oder Carsharing bewegt nicht nur die Menschen, sondern ist auch ein Jobmotor und sichert eine hohe Wertschöpfung. Das CONOSCOPE-Institut hat Schienenverkehr, Busverkehr, die Fahrradwirtschaft, Carsharing sowie die Taxibranche in ihrer Gesamtheit als Wirtschaftsfaktor für Deutschland untersucht. Jeder Euro, der durch Unternehmen der nachhaltigen Mobilitätswirtschaft in Deutschland erwirtschaftet wird, erzeugt eine zusätzliche Wertschöpfung in Höhe von 2,40 Euro. Insgesamt gehen 117,6 Milliarden Euro der in Deutschland erbrachten Wertschöpfung auf die Geschäftstätigkeiten der nachhaltigen Mobilitätswirtschaft zurück.

Hohe Beschäftigungszahlen in der Branche

1,7 Millionen Voll- und Teilzeitbeschäftige profitieren von den direkten und indirekten Beschäftigungseffekten. Dadurch werden Einkommen in Höhe von insgesamt 66,8 Milliarden Euro generiert. Hinter den Angeboten von Bus und Bahn stehen Verkehrsunternehmen und Fahrzeugbauer. Fahrradhersteller und Händler bringen hochmoderne Produkte unter die Menschen. Lokale und überregionale Carsharing-Anbieter schaffen durch ihren Service eine echte Alternative zum Privat-Pkw. Sie alle schaffen viele regionale, nicht verlagerbare Arbeitsplätze vor Ort.

„Investitionen in nachhaltige Mobilität lohnen sich mehrfach: Mobilitätsangebote werden attraktiver und flexibler, Klima und Ressourcen werden geschont und die Gesundheit verbessert. Gleichzeitig ergeben sich positive Effekte auf Wertschöpfung, Beschäftigung und Einkommen. Gefragt ist jetzt ein politischer Gestaltungswille, der nachhaltige Mobilität sowohl mit den Zielen Sicherheit, Gesundheit, Klima und Lebensqualität sowie mit Blick auf die wirtschaftlichen Chancen gezielt fördert. So können Bahn, ÖPNV, Fahrrad und Carsharing gemeinsam ihre Stärken ausspielen“, appelliert Wasilis von Rauch, Sprecher des Bündnisses und Geschäftsführer des Branchenverbands Zukunft Fahrrad.

 

Politische Maßnahmen für Mobilität und Wirtschaft

Eine begleitende Umfrage zur Studie zeigt: Es ist einiges passiert. Die Menschen nehmen wahr, dass sich die Angebote für nachhaltige Mobilität in den vergangenen Jahren durchaus verbessert haben. Insgesamt sagen 40 Prozent der Befragten, dass sich die Angebote deutlich (6 Prozent) oder etwas (34 Prozent) verbessert haben. Allerdings zeigen sich starke Unterschiede, je nach Größe der Kommune. Den größten Handlungsbedarf in ihrer Region sehen die Befragten bei der Verbesserung von Bus- und Bahnverbindungen (80 Prozent), einer besseren Radinfrastruktur (44 Prozent) sowie der vereinfachten Nutzung unterschiedlicher Verkehrsmittel innerhalb eines Weges (42 Prozent). Das Bündnis nachhaltige Mobilitätswirtschaft betont die großen Chancen, die für die Bundesregierung, Länder und Kommunen in der Förderung nachhaltiger Mobilität sowohl für die Verkehrs- als auch für die Wirtschaftspolitik liegen.

„Wenn 80 Prozent der Menschen in Deutschland den Ausbau von Bus- und Bahnverbindungen als notwendig ansehen, ist das ein klarer Auftrag an Bund und Länder, die Regionalisierungsmittel zu erhöhen. Mit zusätzlichen Bussen und Bahnen überzeugen wir noch mehr Menschen, ihr Auto stehen zu lassen. Zu einem besseren ÖPNV-Angebot gehören auch attraktivere Bahnhöfe. Nur noch jeder fünfte Bahnhof in der Republik gehört dem Bund. Insbesondere im ländlichen Raum sind die Bundesländer gemeinsam mit den Kommunen gefordert, ihre Bahnhöfe aufzuwerten, damit die Menschen gerne ankommen und mit Bus, Fahrrad oder Carsharing komfortabel ihr Ziel erreichen können", erklärt Dirk Flege, Geschäftsführer Allianz pro Schiene.

Alexander Möller, Geschäftsführer VDV fordert, für mehr und erfolgreiche nachhaltige Mobilitätsangebote benötige man handfeste politische Entscheidungen statt Willensbekundungen. Der Ausbau- und Modernisierungspakt aus dem aktuellen Koalitionsvertrag der Ampel sei die Chance, das Angebot des ÖPNV zu erhalten, auszubauen und zu digitalisieren. Dabei müssten Ballungsräume, ländliche Räume und Angebote wie On Demand-Angebote besonders in den Fokus genommen und zusätzlich die Mittel für das Gemeindeverkehrsfinanzierungsgesetz für den Neu- und Ausbau sowie für die Modernisierung der Infrastrukturen im ÖPNV erhöht werden.

„Die Nachfrage nach Carsharing steigt in Deutschland kontinuierlich an. Jede fünfte Bürger:in wünscht sich mittlerweile eine Ausweitung des Angebots. Die Carsharing-Branche reagiert darauf durch Wachstum in der Fläche und Verdichtung des Angebots in den Städten. Von Bund, Ländern und Kommunen erwarten wir, dass Bereitstellungsorte für Carsharing im öffentlichen Raum schneller geschaffen und dann auch mit Ladeinfrastruktur versehen werden", forderte Gunnar Nehrke, Geschäftsführer Bundesverband Carsharing.

Aus Sicht von Wasilis von Rauch, Geschäftsführer Zukunft Fahrrad sorgt sichere Infrastruktur für gleichwertige Bedingungen. Wenn alle Verkehrsteilnehmenden auch zu Fuß, mit dem Rad oder im ÖPNV sicher und verlässlich unterwegs sein könnten, gebe es echte Wahlfreiheit und fairen Wettbewerb.

"Wer in Infrastruktur jenseits des Autos investiert, wird nachhaltigen Verkehr ernten. Gleichzeitig sollten die Wirtschaftszweige der nachhaltigen Mobilität gestärkt und gezielt gefördert werden, um die volkswirtschaftlichen Potentiale der Mobilitätswirtschaft zu nutzen und die Transformation hin zu einer nachhaltigen Wirtschaft zu erreichen", wirbt von Rauch.

Das Bündnis hat 10 Punkte für Mobilität und Wirtschaft aufgestellt und konkrete politische Maßnahmen skizziert. So werden die Angebote für nachhaltige Mobilität verbessert und die Chancen der Mobilitätswirtschaft für Wertschöpfung, Beschäftigung und Einkommen genutzt.

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