Stiftung 2°: Unternehmen fordern Klimawende und klaren Rahmen

Firmen aus Energie-, Versicherungs- und Logistikbranche mahnen für die vertieften Verhandlungen in Berlin ein entschlossenes Handeln für Klimaneutralität und Einhaltung des Pariser Abkommens an.

Raus aus der Kohle, rein in die Erneuerbaren: Eine Initiative von deutschen Großunternehmen fordert von der Politik entschlossenes Handeln und einen klaren Rahmen. | Foto: Zukunft Erdgas/Kai Bublitz
Raus aus der Kohle, rein in die Erneuerbaren: Eine Initiative von deutschen Großunternehmen fordert von der Politik entschlossenes Handeln und einen klaren Rahmen. | Foto: Zukunft Erdgas/Kai Bublitz
Johannes Reichel

Zum Beginn der vertieften Sondierungsverhandlungen hat eine breite Allianz deutscher Unternehmen aus allen Schlüsselsektoren der Wirtschaft eine ambitionierte sektorübergreifende Klimapolitik gefordert, die den Zielen des Pariser Klimaschutzabkommens gerecht wird. In ihrem Appell fordern 69 Unternehmen – darunter viele Großunternehmen – die verhandelnden Parteien auf, Deutschland auf einen klaren, verlässlichen und planbaren Pfad zur Klimaneutralität zu bringen. Sie fordern von der neuen Bundesregierung, innerhalb der ersten 100 Tage eine Umsetzungsoffensive für Klimaneutralität aufzusetzen. Damit setzten deutsche Unternehmen ein deutliches Signal für ambitionierten Klimaschutz in der neuen Legislaturperiode, plädieren die Initiatoren.

„Der Klimaschutz war bei der Bundestagswahl das wahlentscheidende Thema und muss von den Parteien bei der Bildung einer neuen Bundesregierung ganz oben auf die Agenda gesetzt werden“, erklärt Prof. Dr. Michael Otto, Präsident der Stiftung 2°, Unternehmer und Aufsichtsratsvorsitzender der Otto Group.

Die Dekade des Handelns für den Klimaschutz habe begonnen. Die neue Bundesregierung müsse jetzt den Rahmen setzen, damit wir als Unternehmer Klimaneutralität zum Markenzeichen der deutschen Wirtschaft machen können, appellierte Otto weiter.

 

Ganzheitlicher Ansatz gefragt

Unter den beteiligten Firmen sind namhafte Vertreter aus allen relevanten Branchen und Schlüsselindustrien, darunter Grundstoff- und Chemieindustrie, Maschinen- und Fahrzeugbau, Finanzbranche sowie große Unternehmen aus den Bereichen Gebäude, Mobilität und Handel. Zusammen beschäftigen sie in Deutschland mehr als eine Million und weltweit über fünf Millionen Menschen und stehen für einen globalen Umsatz von etwa einer Billion Euro. In Anlehnung an den ganzheitlichen Ansatz des Green Deals der EU-Kommission fordern die Unternehmen in dem Appell, dass die Umsetzungsoffensive ein Paket konkreter Maßnahmen enthalten sollte, damit das Ziel Klimaneutralität bis 2045 verlässlich erreicht werden kann.

Ausbau wichtiger Technologien und Infrastrukturen

Für die Transformation zur Klimaneutralität müsse so der Ausbau wichtiger Technologien und Infrastrukturen beschleunigt vorangetrieben werden. Dies gelte insbesondere für den Ausbau Erneuerbarer Energien und der dafür erforderlichen Stromnetze, klimafreundliche Industrieanlagen und Verkehrsinfrastrukturen sowie die energetische Gebäudesanierung. „‘Klimaneutralität machen‘ sollte zum Motto der neuen Legislaturperiode werden. Die neue Bundesregierung müsse klimapolitisch mutig und entschlossen handeln und kann dabei auf die Unterstützung dieser breiten Unternehmensallianz bauen, fordert Sabine Nallinger, Vorständin der Stiftung 2° und frühere Münchner Kommunalpolitikerin.

„Jetzt kommt es darauf an, eine Umsetzungsoffensive für Klimaneutralität ins Zentrum einer Regierungsbildung zu rücken. Wenige Wochen vor der Weltklimakonferenz in Glasgow und vor den wichtigen Entscheidungen für das „Fit for 55“-Paket der EU senden die Unternehmen damit auch ein wichtiges Signal an die europäische und internationale Gemeinschaft“, appelliert Nallinger weiter.

Bekanntermaßen müsse Klimapolitik ein Schwerpunkt der nächsten Bundesregierung sein, votierte etwa auch Frank Mastiaux, Chief Executive Officer, EnBW Energie Baden-Württemberg AG.

"Die Notwendigkeiten und auch die Probleme sind alle bekannt, das heißt klare Priorität muss jetzt ganz praktisch eine verbindliche und konsequente Umsetzungsagenda haben", forderte der Manager, der in Baden-Württemberg aktuell die Energie- und Mobilitätswende mit seinem Unternehmen vorantreibt.

Die kommenden vier Jahre seien entscheidend, um verlässliche Rahmenbedingungen für die Erreichung der Klimaziele zu schaffen, mahnte auch Sven Wellbrock, Chief Operating Officer Europe & Chief Safety Officer des Eisenbahn- und Logistikunternehmens VTG AG. 

"Gerade im Verkehrssektor besteht massives, unausgeschöpftes Klimaschutzpotential, das nur durch eine konsequente Stärkung des Schienengüterverkehrs gehoben werden kann.“  

Auch Markus Schneider, Mitgründer und einer der Geschäftsführer des Wasserstoffmotorspezialisten Keyou, gehört zu den Unterzeichnern.

„Die neue Bundesregierung sollte den Klimaschutz und die Senkung von CO2-Emissionen zum primären Ziel der Legislaturperiode erklären", fordert Schneider.

Allerdings mache aus seiner Sicht der reine Fokus auf die Elektromobilität macht keinen Sinn, denn alle Technologien und Innovationen, die diesem Ziel dienen, sollten Berücksichtigung finden, meint Schneider. Man stehe als Unternehmen bereit, mit der Entwicklung emissionsfreier Wasserstoffmotoren dazu beizutragen, den Schwerlastverkehr CO2-frei zu gestalten – kosteneffizient und ressourcenschonend, warb er zugleich für seine Technologie.

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