Stellantis und Foxconn wollen digitale Cockpits entwickeln

Autokonzern und Elektronikspezialist wollen in Joint Venture "bahnbrechende" digitale Cockpits und vernetzte Dienste entwickeln - auch für Dritte. Ergänzung zu Google beim autonomen Fahren.

Mobil im Mobil: Mehr Connectivity an Bord will das neue Joint-Venture zwischen Stellantis und Foxconn ermöglichen, im Stile des zur CES präsentierten Airflow-Vision-Konzepts. | Foto: Stellantis
Mobil im Mobil: Mehr Connectivity an Bord will das neue Joint-Venture zwischen Stellantis und Foxconn ermöglichen, im Stile des zur CES präsentierten Airflow-Vision-Konzepts. | Foto: Stellantis
Johannes Reichel

Der Automobilkonzern Stellantis und der taiwanesische Elektronikspezialist und Apple-iPhone-Produzent Foxconn haben eine vorerst unverbindliche Absichtserklärung zur Gründung des Unternehmens "Mobile Drive" bekannt gegeben. Das in den Niederlanden angesiedelte 50/50-Joint-Venture ziele darauf ab, Entwicklungszeiten zu beschleunigen, um innovative Benutzererfahrungen im Fahrzeug zu ermöglichen. Man wolle die Kundenerwartungen in Sachen Unterhaltungselektronik, HMI-Schnittstellen und Dienstleistungen übertreffen, so die ambitionierte Ansage.

Mobile Drive stellt aus Stellantis-Sicht die logische Ergänzung zur Zusammenarbeit mit Google beim autonomen Fahren dar und soll die globale Expertise von Stellantis in Entwicklung und Design von Fahrzeugen mit der weltweiten Entwicklung von Foxconn in den sich schnell verändernden Soft- und Hardware-Bereichen von Smartphones und Unterhaltungselektronik vereinen, heißt es weiter. Mit dieser Kombination sieht man das Unternehmen an der Spitze der weltweiten Bemühungen, neue Dimensionen für Informations- und Unterhaltungsmöglichkeiten im Fahrzeuginnenraum zu schaffen. Im Gespräch sind auch Features wie Personalisierung des Cockpits über biometrische Erkennung.

„Heutzutage gibt es etwas, das genauso wichtig ist wie schönes Design oder innovative Technologie – und zwar, wie die Funktionen im Fahrzeuginneren das Leben unserer Kunden verbessern. Software ist ein strategisches Thema für unsere Branche. Dies markiert die nächste große Evolution unserer Branche, so wie es die Elektrifizierung getan hat", erklärte Carlos Tavares, Chief Executive Officer von Stellantis.

Man wolle jetzt schnell sein und die Expertise der Tech-Unternehmen nutzen, erklärte Stellantis-Software-Chef Yves Bonnefont. Das Gemeinsschaftsunternehmen soll als Automobilzulieferer tätig werden und im Wettbewerb um die Lieferung von Softwarelösungen und zugehöriger Hardware an Stellantis und andere interessierte Fahrzeughersteller treten, wie es weiter heißt. Man werde sich auf die Entwicklung von Infotainment-, Telematik- und Cloud-Service-Plattformen konzentrieren, mit Software-Innovationen wie KI-basierten Anwendungen, 5G-Kommunikation, verbesserten Over-the-Air-Diensten, E-Commerce-Möglichkeiten und Smart Cockpit-Integrationen. Foxconn und Stellantis arbeiteten bereits bei der Entwicklung des Airflow-Vision-Designkonzepts zusammen, das auf der CES, der einflussreichsten Technologie-Fachmesse der Welt, vorgestellt wurde.

Leichterer Zugang zum chinesischen Markt

Intention der Kooperation ist aus Stellantis-Sicht aber auch, dass man über die starke Marktstellung von Foxconn in China endlich Fuß fassen könnte. Foxconn erweitert sein Portfolio über das Handygeschäft hinaus und hatte jüngst Kooperationen mit Byton und Fisker im Automobilbereich geschlossen. Zudem könnte über die Verflechtung von Foxconn und Apple am Ende doch noch eine Auto-Allianz im Apple-Imperium entstehen, wo man ja schon lange über ein "Apple-Car" spekulierte.

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