Stellantis Hackathon: Umweltfreundlich Autofahren als „Game“

College-Teams nutzten beim ersten Stellantis-Hackathon in Detroit das cloudbasierte Stellantis Software Development Kit und Fahrzeugdaten, um „Gaming“-Anwendungen zu entwickeln und sicheres und kraftstoffsparendes Fahren zu fördern.

Collage-Teams entwickeln beim Stellantis-Hackathon Gaming-Anwendungen.| Foto: Stellantis
Collage-Teams entwickeln beim Stellantis-Hackathon Gaming-Anwendungen.| Foto: Stellantis
Thomas Kanzler

Der erste Stellantis-Hackathon hat einen Einblick in die Zukunft des globalen Automobilkonzerns als Mobility-Tech-Unternehmen gegeben. Die dreitägige Veranstaltung, die vom 22. bis 24. April in Detroit stattfand, brachte technikbegeisterte und kreative Studierende zusammen. Sie stellten sich der Herausforderung, gaming-ähnliche Anwendungen zu entwickeln, die ein sichereres und Kraftstoff effizienteres Fahren fördern sollen.

Teams entwickeln Apps, die vor einem Expertengremium bestehen müssen

Im Laufe der drei Tage verwendeten die Teams das Software Development Kit (SDK) von Stellantis, Daten aus Fahrzeugen und das Fachwissen der Stellantis-Software-Ingenieure, um jeweils eine App zu entwickeln und sie einem Gremium aus fachkundigen Experten vorzustellen.

Der Hackathon, der im Rahmen des Software Day 2021 im vergangenen Dezember von Stellantis angekündigt worden war, vergab ein Preisgeld in Höhe von 15.000 US-Dollar an das Gewinnerteam, 5.000 US-Dollar an den zweiten Platz und 2.000 US-Dollar an das drittplatzierte Team.

Stellantis möchte „die Macht der Daten“ nutzbar machen

Der Stellantis-Hackathon demonstrierte die Fähigkeiten und das Potenzial von Software, um das Fahrerlebnis zu verändern. Wie im Strategieplan „Dare Forward 2030“ dargelegt, ist Fahrzeugsoftware ein wesentlicher Bestandteil der Strategie von Stellantis, um hochmoderne Mobilitätslösungen entwickeln und anbieten zu können. Die Mehrheit der Stellantis-Fahrzeuge wird bis 2024 über umfassende Over-the-Air-Update-Funktionen (OTA) verfügen. Bis 2030 werden 34 Millionen vernetzte Fahrzeuge auf den Straßen unterwegs sein.

„Die Macht der Daten ermöglicht es Stellantis, die Transformation der Mobilität zu beschleunigen und die Fahrzeuge vollständig in das Leben der Menschen zu integrieren", sagt Yves Bonnefont, Chief Software Officer von Stellantis. „Wir freuen uns, dass wir jungen und begabten Studierenden die Möglichkeit bieten können, ihre Fähigkeiten in einem spannenden, praktischen Umfeld zu verbessern und ihre Ideen unseren Softwareexperten zu präsentieren. Herausforderungen wie diese zeigen nicht nur, wie Daten dabei helfen können, neue kundenorientierte Anwendungen zu entwickeln. Sie offenbaren auch die Kraft der Teamarbeit, was wiederum eine neue Ebene der Innovation schafft, die das Autofahren sicherer und umweltfreundlicher macht."

Umweltfreundliches Fahren als Game

Die Herausforderung beim ersten Stellantis-Hackathon bestand darin, Echtzeitdaten einer ausgewählten Flotte von Stellantis-Fahrzeugen zu nutzen und diese mit dem SDK und Cloud-basierten Anwendungen zu kombinieren. Das Ziel war, einen freundschaftlichen Wettbewerb zwischen den Fahrerinnen und Fahrern zu fördern und sicheres, umweltfreundliches Fahren zu belohnen. Die Anwendungen sollten verschiedene Daten untersuchen und quantifizieren, darunter Bremskraft, Beschleunigung, Motordrehzahl, Fahrzeuggeschwindigkeit, Kraftstoffverbrauch und Anlegen des Sicherheitsgurts.

Die Anwendung des Gewinnerteams versuchte, das Fahrerverhalten zu beeinflussen, indem sie Punkte für sicherere Fahrtechniken vergab und Punkte für riskante Verhaltensweisen abzog. Sie bot den Fahrerinnen und Fahrern die Möglichkeit, ihre „Punktzahlen“ mit denen anderer engagierter Fahrerinnen und Fahrer zu vergleichen und schlug vor, höhere Punktzahlen mit möglichen Rabatten auf die Wartung des Fahrzeugs oder auf Produkte und Dienstleistungen wie Versicherungen zu belohnen.

Stellantis hat Nachholbedarf

Stellantis wird bis 2025 nach eigenen Angaben mehr als 30 Milliarden Euro in Software und Elektrifizierung investieren. Die Schlüsselrolle der Software-Entwicklung trägt der Plan Rechnung, eine Daten- und Software-Akademie einzurichten. Dort sollen jährlich mehr als 1.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus- und fortzubilden werden, sowie die Einstellung von Software-Talenten mit einem globalen Ansatz und dem Ziel, bis 2024 ein Team von 4.500 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern aufzubauen, das an drei neuen Technologieplattformen arbeitet.

Zusammenarbeit mit Foxconn, Amazon und BMW

Die Cloud integrierte, serviceorientierte Plattform STLA Brain verbindet die elektronischen Steuergeräte des Fahrzeugs über einen Hochgeschwindigkeitsdatenbus mit dem Rechner des Fahrzeugs. Die Plattform soll es den Entwicklern ermöglichen, schnell neue Funktionen und Dienste zu entwickeln und zu aktualisieren. Eine mit Mobile Drive, dem Joint Venture von Stellantis und Foxconn, entwickelte Plattform namens STLA SmartCockpit stellt KI-gestützte Anwendungen wie Navigation, Sprachassistenz, E-Commerce und Zahlungsdienste bereit. Ab 2024 möchte Stellantis zudem Technologie- und Software-Know-how von Amazon integrieren. In einer Partnerschaft mit BMW entwickeln die Franzosen die Plattform STLA AutoDrive für autonomes Fahren der Stufen 2, 2+ und 3 inklusive over the air Updates.

Was bedeutet das?

In entscheidenden Technologie-Bereichen sucht Stellantis die Zusammenarbeit mit Software-Unternehmen. Eine eigene nennenswerte Software-Abteilung befindet sich erst im Aufbau. Stellantis möchte laut CEO Carlos Tavares „nicht das größte, sondern das großartigste nachhaltige Mobility-Tech-Unternehmen“ werden. Das wird eine Herkules-Aufgabe für Tavares.

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