Stellantis forciert Elektrifizierung und investiert 30 Milliarden Euro bis 2025

Bis 2030 will der Konzern mit Peugeot, Citroen, Opel/Vauxhall und FiatChrysler 70 Prozent der Modelle in Europa und 40 Prozent in den USA elektrisch liefern, sogar Pick-ups und Muscle Cars. Zudem will man bei Akkus in Sachen Performance und Preis das Maß setzen und der profitabelste Autobauer werden. Preisparität BEV/ICE bis 2026.

Vorreiter: Die Marke Opel spielt eine zentrale Rolle bei der Elektrifizierung und bei der Fuel-Cell-Technologie und will sogar bis 2028 vollelektrisch sein, inklusive Manta-e, wie CEO Michael Lohscheller ankündigte. | Foto: Screenshot
Vorreiter: Die Marke Opel spielt eine zentrale Rolle bei der Elektrifizierung und bei der Fuel-Cell-Technologie und will sogar bis 2028 vollelektrisch sein, inklusive Manta-e, wie CEO Michael Lohscheller ankündigte. | Foto: Screenshot
Johannes Reichel

Der Stellantis-Konzern hat bei einem Investorentag seine Strategie für die nächsten Jahre dargelegt und will in Sachen Elektrifizierung das Tempo nochmal deutlich erhöhen. Dafür sollen in den nächsten fünf Jahren bis 2021 30 Milliarden Euro investiert werden, in Elektrifizierung und Softwareentwicklung. Bis 2030 sollen nach dem Willen von Stellantis-CEO Carlos Tavares 70 Prozent der Verkäufe in Europa und 40 Prozent der US-Verkäufe als "emissionsarme" Fahrzeuge, der Konzern spricht hier von LEVs und meint damit "Low emission vehicles", an den Kunden gehen. Dabei sollen 80 Prozent reine BEVs sein, 20 Prozent Plug-in-Hybride. Dies sei allerdings eine Prognose, die von der Kundennachfrage abhinge. Man könne produktionsseitig auch 100 Prozent BEVs realisieren, betonte Tavares auf Nachfrage. Dies hänge auch von der Entscheidung der EU ab, wann die Verbrennertechnologie gesetzlich auslaufen soll.

Fünf Gigafactories an bestehenden Standorten

Zudem plant man insgesamt fünf sogenannte Gigafactories für Batterien, die dritte davon soll nach jüngster Einigung im italienischen Termoli entstehen, bisher ein traditionsreiches Motorenwerk, eine weitere in Kaiserslautern, grundsätzlich aber aus bestehenden Standorten heraus, wie der CEO unterstrich. Bis 2025 sollen Kapazitäten von über 130 Gigawattstunden (GWh) und bis 2030 mehr als 260 GWh gesichert werden. Dabei habe der Konzern Absichtserklärungen (MOUs) mit zwei Lithium-Geothermie-Sole-Prozess-Partnern in Nordamerika und Europa unterzeichnet, um eine nachhaltige Versorgung mit Lithium zu gewährleisten.

Bis 2024 ist der Einsatz von zwei Batteriechemien geplant, um verschiedene Kundenanforderungen zu unterstützen: eine Option mit hoher Energiedichte und eine kobaltfreie Nickel-Alternative. Bis 2026 soll die erste wettbewerbsfähige Festkörperbatterie-Technologie eingeführt werden, kündigt der Konzern an. Zentrale Komponente dabei ist die Partnerschaft mit der Total-Tochter SAFT.

Akkus: Performance und Preis sollen Maßstäbe setzen

Ziel ist es, die branchenweit führenden EV-Batterien in Sachen Performance, aber auch Preis zu fertigen. Man will die Kosten für Batterie-Packs von Elektrofahrzeugen sollen von 2020 bis 2024 um über 40 Prozent und bis 2030 um weitere 20 Prozent senken, so der ambitionierte Plan. Zudem will das Unternehmen den vollen Wert des Lebenszyklus von Batterien durch Reparatur, Wiederaufbereitung, Second-Life-Nutzung und Recycling "maximieren", wie es heißt.

Vier Plattformen, bis 800 Kilometer - und Super-Chassis für Pick-ups

Tavares vesprach auf einer flexiblen und modularen E-Plattform Reichweiten von 500 bis 800 Kilometer für die kommenden Fahrzeuge, die deutlich effizienter werden sollen. Die Rede ist von Minimalverbräuchen bis auf 12 kWh/100 km. Auch bei der Ladetechnik will man Maßstäbe setzen und verspricht schnelles Laden mit 32 km/min. Konzernweit will man dabei stark die Skaleneffekte zwischen den insgesamt 14 Marken nutzen. Konkret geplant sind vier BEV-zentrierte Plattformen, die ein hohes Maß an Flexibilität in Länge und Breite bieten, jede einzelne davon mit einer Skalierung von bis zu zwei Millionen Einheiten pro Jahr.

Zudem deutete man für den Pick-up-Bereich neben den BEV-Modellen eine Technologie auf Leiterrahmenbasis an, die unter dem Begriff REPB-Plattform läuft und die "ultimative Antwort" auf Reichweitenangst in dem bisher aus diesem Grund Verbrenner-fixierten Segment sein soll. Zu der sogenannten Range Electric Paradigm Breaker-Plattform sollen demnächst weitere Details bekanntgegeben werden.

Die vier Plattformen sind:

  • STLA Small, mit einer Reichweite von bis zu 500 Kilometern/300 Meilen
  • STLA Medium, mit einer Reichweite von bis zu 700 Kilometern/440 Meilen
  • STLA Large, mit einer Reichweite von bis zu 800 Kilometern/500 Meilen
  • STLA Frame, mit einer Reichweite von bis zu 800 Kilometern/500 Meilen

Der Antrieb umfasst eine Familie von drei elektrischen Antriebsmodulen (EDM), die Motor, Getriebe und Inverter kombinieren. Diese EDMs sollen kompakt sein, flexibel und sich leicht skalieren lassen. Die sogenannten EDMs können dabei für Front-, Heck- und Allradantrieb sowie für 4xe konfiguriert werden, wie der Konzern weiter skizziert.

Soft- und Hardware-Updates: Bis ins nächste Jahrzehnt "up to date"

Ein Programm von Hardware-Upgrades und Over-the-Air-Software-Updates soll die Lebensdauer der Plattformen bis "weit in das nächste Jahrzehnt" verlängern, wie man verspricht. Zudem wolle man die Software und Steuerungen betriebsintern entwickeln. Bei all dem will der Konzern zum rentabelsten Hersteller im Segment werden und in den kommenden Jahren eine höhere Rentabilität zu erreichen. Man hofft auf Synergiepotenziale aus der Gründung von Stellantis mit von jährlich mehr als fünf Milliarden Euro.

Opel geht elektrisch nach China - und legt den Manta-e wieder auf

Die deutsche Tochter Opel kündigte sogar an, bis 2028 eine vollständige EV-Marke werden zu wollen. Zudem streben die Rüsselsheimer mit der Marke auf den chinesischen Markt, mit einem rein elektrischen Line-up. Und der Manta erfährt als Manta-e zur Mitte des Jahrzehnts eine Neuauflage, wie Opel-CEO Michael Lohscheller avisierte. Auch Fiat soll zügiger elektrifiziert werden und ab 2024 sogar die Performance-Marke Abarth unter Strom setzen. Zuvor sind aber neben dem 500e auch die in Genf gezeigte Studie Centoventi angesagt. Fiat-Chef Olivier Francois erwartet die Preisparität zwischen BEV und Verbrenner ab 2025, der Konzern rechnet bis 2026 mit Parität in den Gesamtbetriebskosten. Grundsätzlich müssten die BEVs mit dem allmählich zu erwartenden Abbau der staatlichen Subventionen umso günstiger hergestellt werden, was Stellantis-CEO Tavares als Herausforderung, aber auch stetige Entwicklung sieht.

Vom Saulus zum Performance-Paulus: EV-Muscle-Car von Dodge

Sogar die Muscle-Car-Marke Dodge soll sich elektrifizieren und will ab 2024 einen vollelektrischen Sportwagen launchen und hat sich dem Motto "Tear up the streets, but not the planet" verschrieben. Auch die Pick-up-Marke RAM soll unter Strom gesetzt werden. Die Kunden seien offen für Elektrifizierung, solange es keine Abstriche bei Nutzlast, Performance und Zugfähigkeiten gebe, so ein Markensprecher. Man kündigte eine vollelektrische Version des legendären RAM 1500 Pick-ups für 2024 an, bis 2030 soll das komplette Portfolio elektrifiziert sein, so das Versprechen. In Sachen Konnektivität und Software verweist der Konzern auf die Kooperation mit dem taiwanesischen Spezialisten Foxconn, womit man auch Funktionalitäten wie "Updates over the Air" zeitnah realisieren will.

Transporter: Weltmarktführerschaft bei elektrischen Vans als Ziel

Bei den Nutzfahrzeugen will der Konzern seine Führungsposition bei Nutzfahrzeugen in Europa ausbauen und speziell seine Position in Nordamerika stärken und gleichzeitig Weltmarktführer bei elektrischen Nutzfahrzeugen werden. Der Rollout der Elektrifizierung von Nutzfahrzeugen soll unter Nutzung der Konzernsynergien in den nächsten drei Jahren auf alle Produkte und alle Regionen ausgeweitet werden, inklusive des Launch von mittelgroßen Transportern mit Wasserstoff-Brennstoffzellen-Technologie bis Ende 2021.

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