Statistik: 68 Prozent pendeln per Auto

Ernüchternde Bilanz des Statistischen Bundesamts: Pkw werden auch auf kürzeren Arbeitswegen regelmäßig eingesetzt und die Zahl der Autos pro Haushalt nimmt zu. Dabei beträgt die Hälfte der Arbeitswege unter zehn Kilometer. ÖV mit 13 Prozent abgeschlagen, Rad und Fuß mau.

Düstere Aussichten für eine Verkehrswende: Die Zahl der Autopendler liegt auf hohem Niveau, ebenso steigt die Zahl der zugelassenen Fahrzeuge weiter. Im Bild: Mittlerer Ring in München. | Foto: J. Reichel
Düstere Aussichten für eine Verkehrswende: Die Zahl der Autopendler liegt auf hohem Niveau, ebenso steigt die Zahl der zugelassenen Fahrzeuge weiter. Im Bild: Mittlerer Ring in München. | Foto: J. Reichel
Johannes Reichel

Das Statistische Bundesamt hat eine im Hinblick auf die Klimaziele ernüchternde Bilanz über das Pendlerverhalten in Deutschland gezogen. Für Millionen Berufspendlerinnen und -pendler sei das Auto als Beförderungsmittel erste Wahl, so das Fazit der Statistiker. Im Jahr 2020 gaben 68 Prozent von ihnen an, normalerweise mit dem Pkw zur Arbeit zu fahren. Das teilt das Statistische Bundesamt (Destatis) mit. Die Nutzerinnen und -nutzer öffentlicher Verkehrsmittel wie Bus oder Bahn machten mit gut 13 Prozent einen deutlich geringeren Anteil aus. Jede beziehungsweise jeder zehnte Erwerbstätige fuhr regelmäßig mit dem Fahrrad zur Arbeit. Dabei werde das Auto offenbar auch auf kürzeren Arbeitswegen regelmäßig eingesetzt. Fast die Hälfte aller Erwerbstätigen (48 %) hat nach eigenen Angaben weniger als 10 Kilometer zum Arbeitsplatz zurückzulegen. Für 29 Prozent ist der Weg zur Arbeit 10 bis unter 25 Kilometer lang, 14 Prozent legen 25 bis unter 50 Kilometer zurück.
 

Zahl der Autos steigt in zehn Jahren um 14 Prozent

Die ungebrochene Dominanz des Autos als Beförderungsmittel spiegelt sich auch in den aktuellen Zahlen zum Kraftfahrzeugbestand des Kraftfahrt-Bundesamtes wider, so die Statistiker. Zum Stichtag 1. Januar 2021 waren 48,2 Millionen Pkw in Deutschland zugelassen – das waren 14 Prozent mehr als zehn Jahre zuvor (1. Januar 2011: 42,3 Millionen). In den privaten Haushalten ging der Trend in den vergangenen zehn Jahren offenbar zum Zweit- oder Drittwagen. So war der Anteil der Haushalte, die mindestens ein Auto besitzen, im Jahr 2020 mit 77,4 % ähnlich hoch wie 2010 (77,6 %). Im selben Zeitraum nahm die Zahl der Pkw pro Haushalt jedoch zu: Kamen 2010 auf 100 Haushalte noch 102 Autos, so waren es zehn Jahre später schon 108.

Nichts mit Roller: 84 Prozent des MIV sind Autos

Im EU-Vergleich liegt Deutschland im Hinblick auf die führende Rolle des Autos in etwa im Durchschnitt: 84 Prozent des motorisierten Personenverkehrs entfielen 2018 hierzulande auf Pkw, 9 Prozent auf Züge, 6 Prozent auf Busse und 2 Prozent auf Tram und U-Bahnen. Daran habe sich in den vergangenen zehn Jahren wenig geändert: 2010 lag der Anteil des Autos am motorisierten Personenverkehr in Deutschland bei 85 Prozent. Im Durchschnitt aller EU-Mitgliedstaaten machten im Jahr 2018 Autos 81 Prozent des motorisierten Personenverkehrs aus. Besonders intensiv wurde das Auto zuletzt in Litauen (90 %) und Portugal (87 %) genutzt, am wenigsten in Tschechien (67 %) sowie in Ungarn (69 %) und Österreich (72 %).

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