Space-X-Ingenieure entwickeln autonomes Zugsystem

Ehemalige Raumfahrt-Spezialisten planen, ein autonomes batterieelektrisches Zugsystem auf die Schiene zu bringen. Die Investoren glauben an sie, erste Tests laufen schon in der Nähe von Los Angeles.

Der Prototyp von Parallel Systems ist bereits im Test. (Bilder: Parallel Systems)
Der Prototyp von Parallel Systems ist bereits im Test. (Bilder: Parallel Systems)
Johannes Reichel
von Nadine Bradl

Parallel Systems, ein Unternehmen, das von ehemaligen SpaceX-Raumfahrtingenieuren gegründet wurde, hat 49,55 Millionen US-Dollar für den Bau autonomer batterieelektrischer Schienengüterzüge bei Investoren eingesammelt. Die Mittel werden laut dem Unternehmen verwendet, um eine Flotte aufzubauen und fortgeschrittene Tests durchzuführen. 

„Wir haben Parallel gegründet, um Eisenbahnen zu ermöglichen, neue Märkte zu erschließen, die Infrastrukturauslastung zu erhöhen und den Service zu verbessern, um die Dekarbonisierung des Frachtverkehrs zu beschleunigen“, sagte Matt Soule, Mitbegründer und CEO, Parallel Systems.

Man erhoffe sich damit einen Teil der 700 Milliarden US-Dollar umfassenden amerikanischen Lkw-Industrie auf die Schiene verlagern zu können. Zudem sollen die autonomen batterieelektrischen Schienenfahrzeuge durch saubereren, schnelleren, sichereren und kostengünstigeren Transport gegenüber herkömmlichen Züge oder Lastwagen, bestechen, meint Soule weiter.

Beladen und transportiert werden Standard-Seecontainer als Einzel- oder Doppelstapelladung. Die einzeln angetriebenen Triebwagen können dabei aneinandergereiht werden und „Platoons“ bilden oder sie teilen sich unterwegs zu mehreren Zielen auf. Das geschlossene Eisenbahnnetz sei aufgrund der begrenzten Strecke und der zentralisierte Verkehrssteuerung ideal für die sichere und frühzeitige Kommerzialisierung autonomer Technologie. Zudem seien die autonomen Schienenfahrzeuge flexibler einsetzbar als herkömmliche Züge. Denn im Gegensatz zu herkömmlichen Güterzügen müssten die Platoons von Parallel keine großen Mengen an Fracht ansammeln, um wirtschaftlich fahren zu können. Dies ermögliche einen schnelleren Service und eine größere Auswahl an Routen. Außerdem verkürze sich die Wartezeiten beim Beladen kilometerlanger Züge deutlich.

So funktioniert´s

Die Platoon-Technologie dürckt die selbst fahrenden Schienenfahrzeuge gegeneinander, um die aerodynamische Last zu verteilen. Laut Parallel verbrauchen die Fahrzeuge somit nur 25 Prozent der Energie im Vergleich zu einem Sattelzug und können bis zu 800 Kilometer weit fahren. Mit an Bord ist auch ein Sicherheitssystem, dass Gefahren auf der Strecke schnell erkennen soll. Die Triebwagen verfügen dafür über ein kamerabasiertes System und redundantem Bremsen. Laut Parallel kann der Zug damit bis zu zehnmal schneller anhalten als ein herkömmlicher Zug.

Die Gegebenheiten

Die Vereinigten Staaten haben mit über 140.000 Meilen das ausgedehnteste Eisenbahnsystem der Welt. Parallel schätzt jedoch, dass weniger als drei Prozent dieses Netzes zu jedem Zeitpunkt von aktiven Zügen belegt sind. Um Frachtlieferungen wirtschaftlich zu gestalten, konzentrieren sich die heutigen Eisenbahnen normalerweise auf den Transport von Containern über Entfernungen von mehr als 500 Meilen. Parallel möchte mit seinem System mehr Güter auf die Schiene bringen, indem der Transport auch auf kürzeren Strecken rentabel wird. Damit soll der Druck auf die Straßeninfrastruktur und die Speditionsbranche verringert werden, die mit  sie mit einer zu hohen Nachfrage und einem Fahrermangel von 80.000 US-Amerikanern konfrontiert sei.

Das will Parallel ermöglichen:

  • Mikro-Terminals: Mit geringem Investitionsaufwand sollen die Zero-Emission-Terminals näher an Spediteure und Kunden gebaut werden. Zudem sollen diese nur noch fünf Prozent der jetzigen Fläche benötigen.
  • Direkt am Seehafen: Container sollen direkt vom Hafenkran auf die Schiene geladen werden. Dadurch sollen unter anderem Staus in Seehäfen reduziert und Lagerhaltung innerhalb des Hafenkomplexes eliminiert werden. 
  • Direkt zum Lager: Angrenzenden Fabriken und Lager sollen direkt angebunden werden und Container direkt zum Empfänger gebracht werden. Ein Wechsel des Verkehrsträgers soll damit unnötig gemacht und die höhere Tonnage der Schiene voll ausgenutzt werden.

 

Parallel wurde im Januar 2020 gegründet und wird von drei ehemaligen SpaceX-Ingenieuren geleitet:

  • Matt Soule, Mitbegründer und CEO von Parallel Systems; zuvor Leiter der Avionik bei SpaceX. Dort war er für das Design und Tests der Elektronik zuständig. 
  • John Howard, Mitbegründer und Vizepräsident Hardware, Parallel Systems; vorher Leiter Batterien bei SpaceX, wo er Lithium-Ionen in die bemannte Raumfahrt einführte.
  • Ben Stabler, Mitbegründer und Vizepräsident Software, Parallel Systems; vorher Leiter Avioniks Software und leitender Ingenieur für motorisierte Aktuatorelektronik bei SpaceX.

Parallel hat zudem nach eigenen Angaben ein Team von ungefähr 25 Ingenieuren, die von Google, Tesla, Uber, SpaceX und weiteren bekannten Firmen kommen. Das Unternehmen hat seinen Hauptsitz in Culver City, Kalifornien, und eine Niederlassung in Palo Alto, Kalifornien. Parallel testet derzeit seine autonomen batterieelektrischen Schienenfahrzeuge auf einer geschlossenen Strecke in der Gegend von Los Angeles.

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