Sono Motors: "Wir sind weiter als Ministerien und Politik"

Beim Netzwerktreffen des BEM in den Hallen von Sono Motors bestärken sich die Mitglieder des E-Mobilitätsverbands gegenseitig und beklagen noch viele bürokratische Hürden.

Full House im Sono House: Während der IAA veranstaltete der Bundesverband eMobilität sein Netzwerktreffen. Zahlreiche Mitglieder kamen. | Foto: J. Reichel
Full House im Sono House: Während der IAA veranstaltete der Bundesverband eMobilität sein Netzwerktreffen. Zahlreiche Mitglieder kamen. | Foto: J. Reichel
Johannes Reichel

Beim Netzwerktreffen des Bundesverbands eMobilität (BEM) in den Hallen des Münchner Solarauto-Start-ups Sono Motors hat der Verbandschef Kurt Sigl ein Umdenken in der Verkehrspolitik, aber auch im Mobilitätsverhalten gefordert. "Wir haben keine Zeit mehr zu verlieren. Aber Panik oder Hysterie hilft uns auch nicht weiter", erklärte Sigl gegenüber den etwa 100 versammelten Mitgliedern des alternativen Mobilitätsverbandes. Man müsse technologisch selbstverständlich offen sein, aber dann auch aussortieren, was sich als nicht zielführend im Hinblick auf die Erreichung der Klimaziele erweise. Sigl verwies auf die 50 Fachbeiräte, die der Verbandsspitze hier beratend zur Seite stünden und die 400 Mitglieder aus allen Bereichen der neuen Mobilität. BEM-Vorstand Markus Emmert verwies auf die 19 Arbeitsgruppen, die sich mit den verschiedensten Aspekten der E-Mobilität und der anknüpfenden Energiewende im Detail befassten. 

Auf die zahlreichen bürokratischen Hindernisse bei der Umsetzung der Verkehrswende wies auch Sono-Motors-Gründer Jona Christians hin, etwa beim Thema Stromverkauf auf Basis von V2G-Technologie. "Das ist wirklich schmerzhaft und ein Monster, mit welchen bremsenden Regeln wir hier wie auch bei der Solartechnologie kämpfen", kritisierte der Gründer. Man sei weiter als die Politik, befindet er. Zudem mahnte der Sono-Chef, E-Mobililtät sei noch immer zu teuer. Er glaube, erschwingliche und voll familientauglich E-Fahrzeuge wie der Sion würden sich wie ein "Lauffeuer" verbreiten, wenn er denn 2023 auf den Markt komme. Den Preis von 25.000 will der Hersteller zwar unbedingt halten, sieht das Start-up aber in der Bafa-Förderung benachteiligt. Man müsse den Listenpreis erhöhen oder trage den Nachteil. "Viele Menschen wollen den Wandel", glaubt Christians.

Sono hatte jüngst die Öffnung seiner eigenentwickelten Carsharing-App schon im kommenden Frühjahr bekanntgegeben. Damit glaubt man, den Nutzungsgrad stark steigern und die Kosten für den Eigentümer senken zu können. Im Schnitt könnten sich zwölf Personen ein Auto teilen, glauben die Sono-Verantwortlichen. Auch die Sparte Solartechnologie, die auf ebenfalls selbst entwickelte flexible Polymere-Paneele setzt, entwickelt sich zu einem weiteren Standbein mit Drittkunden wie MAN, die die Technologie in Lizenz übernehmen für Fahrzeuganwendungen.

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