Softwareprobleme beim VW ID.3: "Wir kriegen einfach die Leute nicht"

Nach Berichten über Sondierungen einer Software-Allianz von VW und Daimler knirscht es zwischen den Herstellern. Insider klagen über fehlende Programmierer. ID.3 "weit entfernt von Marktreife".

Nicht nur die Hardware muss passen: Beim ID.3 kommt es vor allem auch auf die Software an. Und da hapert es im Moment noch gewaltig. | Foto: VW
Nicht nur die Hardware muss passen: Beim ID.3 kommt es vor allem auch auf die Software an. Und da hapert es im Moment noch gewaltig. | Foto: VW
Johannes Reichel

Nach den Berichten über die Sondierungen einer Software-Allianz auf oberster Konzernebene zwischen Volkswagen und Daimler hat sich die Tonlage weiter verschärft. Entgegen allen Absprachen waren die Gerüchte nach außen gedrungen, zuerst hatte das Manager Magazin berichtet. Das sorgte vor allem bei Daimler für Irritationen, weil man zugleich in Sachen Entwicklung des eng verwandten Themas automatisiertes Fahren mit der BMW Group in Gesprächen ist. Nun sieht man sich in einer schwierigen Dreieckskonstellation. Daimler entwickelt am Standort Sindelfingen selbst an einem automobilen Betriebssystem und hat das Feld zur Chefsache erklärt.

Zudem kochte bei Volkswagen das kritische Thema Software noch weiter hoch, denn die Auslieferungen des Hoffnungsträgers ID.3 sollten bereits im Sommer beginnen. 100.000 Modelle von dem Typ will man auf die Straße bringen noch in diesem Jahr, essentiell für die Einhaltung der Flottengrenzwerte. Dazu könnte übrigens wohl auch der Porsche Taycan beitragen, dessen Zulassung man statt in den USA dafür in größerer Zahl in der EU intern erwägt, wie die Süddeutsche Zeitung berichtet.

Absolutes Desaster: Es fehlen die Programmierer

Jetzt klingt das aus Sicht von Insidern mehr als unrealistisch. Die SZ zitiert einen Konzernmann mit dem harschen Urteil: "Das Auto ist weit entfernt von Marktreife". Intern ist weiter die Rede von einem "absoluten Desaster", weil man schlechterdings einfach die entsprechenden Programmierer nicht bekomme. Zudem verlässt IT-Leiter Martin Hofmann Ende März das Haus. Man kann schon jetzt davon ausgehen, und das hat auch ein VW-Sprecher bereits anklingen lassen, dass zwar Fahrzeuge ausgeliefert werden, aber mit abgespeckten Fahrzeugfunktionen, die später "upgedatet" werden sollen. Auch beim Golf VIII hatte es ja massive Software-Probleme gegeben. Einige Exemplare des ID.3 werde man in Handarbeit fertigen und programmieren, damit man etwas vorzeigen könne.

Was bedeutet das?

Jetzt, da die Katze aus dem Sack ist, dass der Daimler-Konzern so frech zweigleisig fährt, sollte man aus der Not des Dreiecksverhältnisses eine Tugend machen: Warum nicht in einer Art Deutschland-Software-AG alle Kompetenzen der drei Hersteller auf dem Gebiet zusammenwerfen. Unwahrscheinlich, dass der VW-Partner in Sachen Automotive Cloud Microsoft da etwas dagegen hätte, wenn es gegen die Erzrivalen aus dem Silicon Valley, allen voran Apple geht. In Zeiten der massiven Krise ist das umso mehr ein Gebot der Stunde. Sonst dürften die Chancen gegen Tesla, Google und Apple zu bestehen, ohnehin sehr gering sein. Und, wie würde man in München sagen: "Es pressiert"!

Printer Friendly, PDF & Email