Smarterer Smart

Vor allem mit der neuen UX-Bedienoberfläche machte der Smart einen großen Sprung. Reichweite und Preise stimmen auch nach dem Facelift eher nicht.

Der geliftete Smart legte vor allem beim UX-System massiv nach. | Foto: G. Soller
Der geliftete Smart legte vor allem beim UX-System massiv nach. | Foto: G. Soller
Gregor Soller

2019 verkaufte Smart weltweit knapp 120.000 Autos, davon rund 18.000 Stromer. Das wäre für ein Start-up gut, für eine Daimler-Tochter, die seit fast einem Vierteljahrhundert Autos verkauft, reicht das eher nicht. Dabei fing alles so wild und hoffnungsvoll an: Swatch-Gründer Nicolas Hajek wollte mit einem kleinen bunten E-Zweisitzer Ende der Neunziger Jahre die urbane Mobilität revolutionieren. Mit einem kleinen 2,5-Meter Zweisitzer, den man notfalls auch quer parken darf! Daimler war dabei und startete 1997 die Marke Smart. Hajek stieg 1998 aus, denn Smart war nicht elektrisch und so bunt wie geplant. Trotzdem fuhr Daimler vor allem in urbanen Ballungsräumen smart in eine Nische. Wohin niemand folgte, denn für die heute nötigen Megastückzahlen und nötigen Gewinne war die Idee zu speziell.

Darum zog Daimler 2019 den Stecker und gab Smart zur Hälfte an Anteilseigner Geely. Mit dem Auftrag, in China die Zukunft der Marke zu konstruieren. Doch bis es soweit ist, darf das aktuelle Modell nochmal ran, gut geliftet und UX-seitig viel smarter und nur noch als Stromer. So „strömt“ der Zwerg als Zwei- und Viersitzer dank 160 Newtonmeter Drehmoment viel souveräner durch die City. Fahrkomfort und Qualität blieben hoch und Smart hat immer noch Charme, auch wenn die Zweifarbigkeit der Tridon-Zelle nur noch Option ist und innen auf Kundenwunsch schwarz herrscht. Beim Facelift standen die Kundenwünsche an erster Stelle, erinnert sich der technische Projektleiter Veit Sander, der den modellgepflegten Zwerg tatsächlich als „sein Baby“ bezeichnet. Deshalb kämpfte er auch wie ein Löwe für eine vollkommen neue Mittelkonsole mit endlich praktischen Ablagen für Smartphone und Co. Und: Sein Lieblings-Smart, das Cabrio, blieb im Programm! Womit wir gleich bei der ultimativen Version wären, denn als Forfour fährt ihm preislich und vor allem in der Reichweite das E-Trio um den VW Up um die Ohren.

Denn Smart ist laut Veit Sander eigentlich auch ein Zweisitzer. Zumindest in der Wahrnehmung der meisten Kunden! Und in der Form das einzige elektrisches Großseriencabrio, mit dem man (fast) überall parken kann. Dabei reichen Leistung (60 kW Spitzenleistung), Kraft (160 Newtonmeter)  und somit Antritt immer, um Spaß zu haben, zumal Wendigkeit und Verarbeitungsqualität stimmen. Hier legte Sander auch beim Facelift an vielen Details Wert auf Premium. Premium sind dann auch die üppigen Preise. Das Cabrio startet mit 25.200 Euro brutto gut 3.000 Euro über dem festen Dach. Wer nicht mit der nackten Basis fahren will, landet schnell über 30.000 Euro, da Smart fast jedes Detail extra berechnet.

Hier ist der Kleine Premium, was nicht für die eher knappen 133 Kilometer Maximal-WLTP-Reichweite gilt – reell eher 120 minus x. Der Verbrauch beträgt nach WLTP 14 bis 16,8 kWh, realistisch sind eher 17 kWh plus x, auf Kurzstrecken gar mehr als 20 kWh! Hier hätte ein zumindest dichterer Akku mit mehr als den 17,6 kWh Kapazität sehr geholfen. Doch hier in die Chemie und Pouchzellen einzusteigen, wäre (zu) teuer geworden. Immerhin kann man den Akku optional (990 Euro brutto) mit 22 kW in 40 Minuten von zehn auf 80% laden, Standard sind nur 4,6 kW. Dann dauert es an der Wallbox 3,5 Stunden, an der Haushaltssteckdose sechs Stunden – das ist der Vorteil der kleinen Batterie.

Groß legte Smart dafür bei der Connectivity nach, wo man über die EQ Control App und die „ready-to-Services“ diverse Funktionen findet. Wobei Smart hier von Eigenentwicklungen zum Spiegeln der Smartphone-Inhalte übergeht – in der Klasse üblich und sinnvoll! Wichtig ist hier vor allem die Klimatisierung und das Finden von Ladesäulen. Interessant für Flotten ist das integrierte Sharing-Konzept via Smartphoneschlüssel, für das es auch eine Versicherungslösung gibt. Tolle Idee!  Optional kann man viel auch über die Apple-Watch steuern. Das hätte wiederum Hajek gefallen!

Was bedeutet das?

Vor allem in Sachen Konnektivität hat Smart nochmal einen großen und für Flotten interessanten Sprung gemacht. Schade, dass Akku und Reichweite so sparsam wie eh und je blieben zu Preisen, wo man andernorts mittlerweile mit mehr Platz deutlich weiter kommt. 

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