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Skoda Octavia: Mit Hybrid und Erdgas die schöne Stimme der Vernunft

Das vollelektrische Feld überlässt man zwar dem kommenden SUV Vision iV auf MEB-Plattform, setzt aber beim neuen Octavia mit drei Hybriden und einem CNG klare alternative Marken. Und mit der Anti-SUV-Form als Fließheck und Kombi, bei Skoda ungebremst beliebt.

Mit Pulverdampf: Wenn eine neue Generation Octavia ansteht, scheut Skoda weder Kosten noch Mühen und okkupiert schon mal die tschechische Nationalgalerie. | Foto: J. Reichel
Mit Pulverdampf: Wenn eine neue Generation Octavia ansteht, scheut Skoda weder Kosten noch Mühen und okkupiert schon mal die tschechische Nationalgalerie. | Foto: J. Reichel
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Johannes Reichel

In Prag respektive im Skoda-Werk Mlada Boleslav scheint die Auto-Welt noch in Ordnung: Nein, die klassischen Limousinen und Kombis des Octavia, jetzt in der tschechischen Hauptstadt in seiner vierten Generation seit 1996 vorgestellt, verzeichneten keinen Verkaufseinbruch, die Vertriebszahlen lägen weiter auf hohem Niveau, die Produktion ist im Prinzip auf Anschlag. "Wir könnten mehr verkaufen, wenn wir mehr produzieren könnten", freut sich Skoda-Chef Bernhard Maier bei der Präsentation, passenderweise in der Nationalgalerie, die ein wunderbares Beispiel für den "tschechischen Funktionalismus" darstellt. Maier sieht Skoda "on track" bei Umsetzung des Strategieplans 2025, mit dem der Wandel vom Autohersteller zur "Simply clever Company für Mobilitätslösungen" gelingen soll - und den Octavia dabei als "Lokomotive". 6,5 Millionen Einheiten wurden in den 60 Jahren Bauzeit der Reihe gefertigt. Die Markenstatistiker haben ausgerechnet, dass der Octavia ein Vierzigstel des tschechischen Bruttosozialprodukts erwirtschaftet, wobei der Hersteller selbst zehn Prozent dazu beiträgt.

Der Octavia ist die tragende Säule der Marke

Kaum ein Autobauer ist für ein Land von derart überragender Bedeutung wie Skoda für Tschechien und der Octavia für Skoda. Klar ist also, der nächste Schuss muss sitzen, muss das Modell stark weiterentwickeln, darf aber auch nicht übers Ziel hinausgehen - und muss sich auch noch in das komplexe Volkswagen-Konzerngefüge eingliedern. Nach der ersten Sitzprobe ist jedenfalls klar: Skoda mag sich noch so sehr sträuben, das Wort Premium in den Mund zu nehmen, aber das Niveau genügt absolut höheren Ansprüchen. Schon klar, die bescheiden-selbstbewussten Tschechen sprechen da lieber von "Smart understatement", fast schon britisch.

Achtung, Anspruch! LED-Hauptscheinwerfer Serie

Optisch wie technologisch unterstreichen die serienmäßigen LED-Hauptscheinwerfer den Anspruch der Marke, ein paar Gramm CO2 holt man damit nebenbei auch heraus, wer mehr will, bekommt sogar die LED-Matrix-Leuchten, die das Licht vollautomatisch an die Situation anpassen. Aber auch die bis ans Ende der Stanzfähigkeiten ausgereizten Blechbiegearbeiten an der Karosserie, die den Octavia bei nur zwei Zentimeter Längenwachstum deutlich satter und wertiger dastehen lassen, untermauern die Ambitionen. Das Interieur ist zweifellos sehr stilsicher und mit unaufgeregtem Design gemacht, dennoch praktisch, äußerst geräumig (600 und 640 l Kofferraum!). Und es gibt die neuesten MIB-3-Infotainment-Systeme nebst konnektivitätsstiftender eSim und App-basierten Mobilitätsdiensten aus dem Konzern, im Bestfall kombiniert mit dem optionalen Volldigitalinstrument und erstmals einem Head-up-Display. Serienmäßig ist dagegen die gestochen scharfe 4,2-Zoll-Multifunktionsanzeige mit 16-Farbdarstellung. Die Materialien sind zudem haptisch hochwertig ausgeführt, vom "Brot-und-Butter-Auto" einstiger Prägung ist der neue Octavia jedenfalls lichtjahreweit entfernt.

Up to date: Sparsame Evo-Diesel

Alles schön und gut, doch das ganze Optik-Bling-Bling, das bei Autos heutzutage mehr denn je dazugehört, wäre Makulatur, würde das Versprechen nicht unter dem Blech auch eingelöst. Und da fährt der Hersteller in einem konventionellen Rahmen von 110 bis 204 PS auf, was Rang und Namen hat: Neben den Diesel der vertrauenswürdigen Evo-Generation (80 Prozent weniger Stickoxide, 4,0-5,4 l/100 km Verbrauch im WLTP) und den jüngsten TSI-Benzinern sowie der optionalen Koppelung an ein elektronisch schaltbares 7-Gang-DSG ("Steer-by-Wire") gibt es gleich drei Hybrid-Varianten, zwei milde Hybride namens eTec und einen Plug-in-Hybrid mit dem Kürzel iV, um auf die rein elektrische Fahrfunktion hinzuweisen.

Weitreichend: Das CNG-Modell schafft über 500 Kilometer

Die nachhaltigste und umweltfreundlichste Lösung ist aber der weitergeführte G-Tech-Antrieb mit CNG-Motor, der mit dem brandneuen 1,5-Liter-TGI-Erdgasaggregat aus dem Konzernbaukasten auch noch jede Menge Fahrspaß verspricht: 130 PS, 200 Nm Drehmoment, unter 10 Sekunden auf 100 km/h. Für uns ist die Variante überhaupt ein Highlight: Mit 17,7 kg CNG an Bord soll der G-Tec satte 523 Kilometer weit kommen, plus weitere 280 Kilometer im Benzinbetrieb (9 Liter Reserve). Das entspricht einem CNG-Verbrauch von nur 3,4 bis 3,6 kg/100 km. Bei vorzugsweiser Verwendung von Biomethan, das an immer mehr Tankstellen erhältlich ist, ist man damit fast CO2-neutral unterwegs, in einem konventionellen Fahrzeug. Einziger Wermutstropfen: Der höhlenartige Kofferraum mit seiner Ausbuchtung schrumpft durch die CNG-Flaschen unter dem Heck auf 455 und 495 Liter Volumen, der Ladeboden ist dann aber schlüssig mit der Heckkante.

Hybrid: 55 Kilometer sind elektrisch drin

Da kann der Plug-in-Hybride nicht mithalten: Ein Zehntel der Strecke, 55 km nach WLTP, kann er lokal CO2-neutral, sprich elektrisch zurücklegen, bevor hier noch der alte 1,4-Liter-TSI mit 156 PS gekoppelt an das alte 6-Gang-DSG den Antriebsjob übernehmen muss. Zusammen mit dem 75-kW-E-Motor liegt also eine Systemleistung von 204 PS an, die den Octavia iV binnen acht Sekunden auf 100 km/h spurten lässt, wenn es denn mal wirklich "pressiert". Die 13-kWh-LiIo-Batterie reduziert allerdings das Kofferaumvolumen auf 450 und 490 Liter, immer noch brauchbare Werte auf dem Niveau der zum informellen externen Referenzpunkt erkorenen Marke Volvo, bei einem V60.

Die Mildhybride, für den 1,0-Liter-TSI und 1,5-Liter-TSI erhältlich, setzen auf einen 48-Volt-Riemen-Starter-Generator, kombiniert mit einer 48-Volt-Lithium-Ionen-Batterie, die die Bremsenergie aufnimmt und speichert. Das System unterstützt den Benzinmotor auch mit einem "Boost" beim Beschleunigen und sorgt per Segelbetrieb bei abgeschaltetem Motor für leises und widerstandsarmes Fortkommen - und damit weitere Spritersparnis.

Fahrerassistenz: Auf dem Weg zum teilautonomen Fahren

Doch auch beim Thema Fahrerassistenz legt der Hersteller stark nach: Mit einer aktiven Verstärkung des Lenkmoments unterstützt etwa der neue Ausweichassistent den Fahrer bei einer drohenden Kollision mit einem Fußgänger, Radfahrer oder anderen Fahrzeug. An Kreuzungen kann der Abbiegeassistent Gegenverkehr erkennen, den Fahrer warnen oder das Fahrzeug automatisch stoppen. Der Ausstiegswarner alarmiert den Fahrer vor dem Öffnen seiner Tür, wenn sich von hinten ein anderes Fahrzeug oder ein Radfahrer nähert. Neu und hilfreich ist auch die Lokale Gefahrenwarnung, die automatisch vor Verkehrsstörungen in unmittelbarer Umgebung des Fahrzeugs, etwa einem Stauende, warnt.

Das Area-View-System bietet beim Parken oder Rangieren einen Überblick über das direkte Umfeld. Der Side Assist zeigt bis zu einer Entfernung von 70 Metern an, wenn sich von hinten Fahrzeuge nähern oder im toten Winkel befinden. In der Stadt steht der Front Assist mit vorausschauendem Fußgänger- und Radfahrerschutz optisch, akustisch und durch eine leichte Betätigung der Bremse "Gewehr bei Fuß und leitet im Notfall auch automatisch eine Bremsung ein.

Der um die Kurve sieht: Vorausschauender Abstandsassistent

Der Vorausschauende Adaptive Abstandsassistent wiederum ist eine Erweiterung des bekannten ACC. Dieser passt bis 210 km/h die Geschwindigkeit automatisch an vorausfahrende Fahrzeuge an, bremst in Verbindung mit DSG bis zum Stillstand ab und fährt innerhalb von bis zu drei Sekunden selbsttätig wieder an. Die vorausschauende Variante nutzt jetzt zudem die Aufnahmen der Kamera an der Frontscheibe sowie Daten des Navigationssystems, um Kurven und Geschwindigkeitsbegrenzungen zu erkennen und automatisch die Geschwindigkeit anzupassen.

Er gehört neben einer verbesserten Versionen der Verkehrszeichenerkennung und des Spurhalteassistenten, der jetzt auch Baustellen erkennt, dem Stauassistenten und dem Emergency Assist zum sogenannten Travel Assist. Dabei prüft das System auch mit einer Handerkennung, ob der Fahrer regelmäßig – mindestens alle 15 Sekunden – das Lenkrad berührt oder möglicherweise durch einen medizinischen Notfall keine Kontrolle mehr über das Fahrzeug hat. Tritt ein solcher Notfall ein, kann der Emergency Assist das Fahrzeug in der gleichen Fahrspur bis zum Stillstand abbremsen, wie der Hersteller weiter ausführt.

In Anbetracht all dieser Features, die Skoda dem Octavia angedeihen ließ, muss man konstatieren: Sie mögen nicht von Premium sprechen, den Anspruch erfüllen sie aber schon in Mlada Boleslav. Wenn die Preise für das Fahrzeug weiter so im Rahmen bleiben, dann wäre das wirklich "Simply clever".

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