Werbung
Werbung

Sixt sauer: Schlechte Restwerte bei E-Autos vermiesen Bilanz - "Saat industriepolitischer Inkonsequenz"

(dpa/jr) Sixt kappt Prognose nach Verlust im ersten Quartal: Sinkende Restwerte der Mietwagenflotte bescherten im ersten Quartal einen Verlust. Im zweiten soll es besser laufen, doch die Ziele für das Jahr sind dahin. Der Vermieter gibt auch der Politik und ihrem Schlingerkurs in Sachen E-Mobilität die Schuld.

Läuft nicht, bei den E-Autos: Sixt zieht die Reißleine und reduziert die Zahl der E-Autos drastisch, weil die Restwerte abrauchen. | Foto: dpa/Peter Kneffel
Läuft nicht, bei den E-Autos: Sixt zieht die Reißleine und reduziert die Zahl der E-Autos drastisch, weil die Restwerte abrauchen. | Foto: dpa/Peter Kneffel
Werbung
Werbung
Johannes Reichel

Sixt ist im ersten Quartal in die Verlustzone gerutscht und muss seine Prognose kappen. Unter dem Strich schrieb der Autovermieter aus Pullach bei München ein Minus von 23,1 Millionen Euro, wie er am Freitag mitteilte. Das war rund 45 Millionen Euro schlechter als im Vorjahreszeitraum. Schuld sind dem Unternehmen zufolge insbesondere höhere Fahrzeugkosten. Ursache dafür sind gefallene Restwerte - vor allem bei Elektroautos. Diese führen dazu, dass Sixt seine Mietwagen nach der Nutzung schlechter verkaufen kann. Die Entwicklung habe sich jüngst sogar noch weiter verstärkt. Zudem belasteten schlechte Konjunkturaussichten, hohe Zinsen und sinkende Marktpreise in einigen Regionen das Unternehmen. Im Interview mit dem Handelsblatt machte Firmenchef Alexander Sixt auch die Politik dafür verantwortlich.

„Wenn man ein Aus für den Verbrenner will, muss man auch konsequent sein und Elektromobilität so fördern, wie man es in anderen Weltregionen auch macht“, erklärte Co-Vorstandschef Alexander Sixt. „Wenn man dies nicht tut und dann feststellt, dass es nicht funktioniert und das Verbrennerverbot wieder infrage stellt, dann ist das für alle schwierig“, lautet der Vorwurf des Sohnes von Gründer Erich Sixt: „Egal, was man jetzt tut – man erntet die Saat einer industriepolitischen Inkonsequenz.“

Auch die Kunden buchen die Stromer offenbar nicht so häufig, wie der Vermieter gehofft hatte. Die Auslastung der Elektroautos stelle „nicht zufrieden“, erklärte  Sixt. Das bedeute nicht, dass man sich von der E-Mobilität verabschiede, aber "dass wir Elektroautos reduzieren müssen". Eigentlich wollten die Münchner bis 2030 zwischen 70 und 90 Prozent seiner Flotte in Europa auf Elektroautos umstellen. Nun stellt Alexander Sixt diesen Plan wieder in Frage. 

„Zwischen Sommer 2022 und März 2024 sind die Restwerte für batterieelektrische Fahrzeuge in Deutschland im Schnitt um rund 40 Prozent gefallen. An solch einen Wertverlust kann ich mich nicht erinnern“, klagt Co-Chef Alexander Sixt im Handelsblatt Interview.

Dennoch will Sixt bereits im laufenden zweiten Quartal zurück in die schwarzen Zahlen kommen. Der Vorsteuergewinn soll auf 60 bis 90 Millionen Euro steigen. Einerseits ist das erste Quartal beim Vermieter typischerweise schwach, andererseits arbeite man «bereits seit Anfang des Jahres unternehmensweit konsequent daran, in allen Bereichen, die wir beeinflussen können, Kosten zu optimieren und unsere Effizienz weiter zu steigern», wie der scheidende Finanzchef Kai Andrejewski sagte. 

In der zweiten Jahreshälfte erwartet Andrejewskis designierter Nachfolger, Franz Weinberger, «verstärkten Rückenwind», wie er sagte. «Positiv stimmt uns hierbei auch der erfreuliche Branchenausblick zur Reisenachfrage für die Sommermonate, auf die der Großteil unseres Ertrags entfällt.»

Für das Gesamtjahr erwartet Sixt nach seiner neuen Prognose nun noch einen Vorsteuergewinn von 350 bis 450 Millionen Euro. Bisher hatte das Unternehmen 400 bis 520 Millionen Euro in Aussicht gestellt. Die Prognose für den Umsatz wurde nicht geändert - er soll weiter deutlich gegenüber den 3,62 Milliarden Euro des letzten Jahres wachsen. Im ersten Quartal war der Umsatz um gut 12 Prozent auf 780 Millionen gestiegen, besonders stark in Nordamerika und Deutschland. 

Werbung
Werbung