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sigo glaubt an E-Cargobike-Sharing und will in Eigenverwaltung sanieren

Schwierige Branchenbedingungen: Insolventer Cargobike-Sharing-Pionier hofft auf eine Sanierung in Eigenverwaltung und setzt den Geschäftsbetrieb einstweilen fort. Ursache auch in hohen Bauzinsen und rückläufigen Neubauten.

Gute Idee, tolle Technologie: sigo aus Darmstadt ist ein Pionier in Sachen E-Cargobike-Sharing und peilt insbesondere auf Wohnungsbaugesellschafen. Nun will man sich in Eigenverwaltung sanieren. | Foto: sigo
Gute Idee, tolle Technologie: sigo aus Darmstadt ist ein Pionier in Sachen E-Cargobike-Sharing und peilt insbesondere auf Wohnungsbaugesellschafen. Nun will man sich in Eigenverwaltung sanieren. | Foto: sigo
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Johannes Reichel

Der deutschlandweite tätige E-Lastenrad-Anbieter sigo hat angekündigt, sich im Rahmen eines Sanierungsverfahrens in Eigenverwaltung für die Zukunft aufstellen zu wollen. Das Unternehmen hat einen entsprechenden Antrag gestellt und das Amtsgericht Darmstadt genehmigte am 12. Juni 2023 die vorläufige Eigenverwaltung. Das 2017 gegründete Unternehmen beschäftigt knapp 40 Mitarbeiter. Deren Gehälter seien über das Insolvenzgeld für drei Monate gesichert. Der Geschäftsbetrieb des Start-ups läuft vollumfänglich weiter. Die sigo GmbH mit Sitz in Darmstadt ist mit ihren induktiven Ladestationen einer der ersten Anbieter eines vollautomatischen E-Lastenrad-Systems in Deutschland. Das Unternehmen arbeitet hierbei in einem B2B2C-Geschäftsmodell. Das Unternehmen kooperiert mit der Wohnungswirtschaft und Kommunen, um den Umstieg zur E-Mobilität voranzutreiben.

Für den Sharing-Betrieb hat das Unternehmen eigene, auf die Vermietung angepasste Lastenräder entwickelt. Die hochwertigen Räder werden an einer stationären Ladestation induktiv aufgeladen, sodass sie schnell verfügbar sind. Die Ausleihe ist dank einer App nicht an Öffnungszeiten gebunden. Die Partner profitieren von der Full-Service-Dienstleistung, denn sigo stellt nicht nur die E-Lastenräder und die App zur Verfügung, sondern übernimmt auch die Installation der Ladestationen, den Kundensupport, die Wartung und Instandhaltung. Durch das Sharing-Modell werden die Quartiere attraktiver und die Lastenräder leisten einen Beitrag zur Verkehrsberuhigung der Städte und zum Klimaschutz.

Schwieriges Umfeld: Hohe Bauzinsen, weniger Neubauten

Ursachen der aktuellen finanziellen Lage des Start-ups seien die schwierigen Branchenbedingungen, u.a. bedingt durch die gestiegenen Bauzinsen und den deutlichen Rückgang bei Neubauten in den vergangenen zwölf Monaten, was zu einer geringeren Nachfrage geführt hat. Zudem hat sich die Finanzierungsituation für Start-ups durch die erheblichen Zinserhöhungen am Kapitalmarkt zuletzt deutlich verschlechtert. Eine weitere Finanzierungsrunde mit den Gesellschaftern war nicht erfolgreich. Daher stellte die Geschäftsführung den Antrag auf Eigenverwaltung. Damit sollen die Sanierungschancen bestmöglich genutzt werden, heißt es. Das Unternehmen habe bereits gute Gespräche mit den Geschäftspartnern geführt, die sigo in der Eigenverwaltung unterstützen. Der Geschäftsbetrieb der Gesellschaft läuft ohne Einschränkungen weiter. Es gibt hierzu bereits eine Vereinbarung mit einem bestehenden Gesellschafter, der die Finanzierung des Verfahrens sichert und darüber hinaus bereits Interesse an einer Übernahme bekundet hat.

„Unser Unternehmen ist seit dem Marktstart im Jahr 2020 operativ erfolgreich und hat langfristig gute Aussichten, da wir mit starken und verlässlichen Partnern zusammenarbeiten. Das wirtschaftliche Umfeld hat sich aber zuletzt erheblich verändert. Wir haben uns daher entschieden, unser Unternehmen im Rahmen der Eigenverwaltung zu sanieren. Wir sind zuversichtlich, dass unser Unternehmen am Markt erhalten bleibt", erklärte Tobias Lochen, Geschäftsführer von sigo.

Die Eigenverwaltung ist ein gerichtliches Sanierungsverfahren zum Erhalt von Unternehmen. Das Unternehmen führt unter Aufsicht einer Sachwalterin und unterstützt durch erfahrene Sanierungsexperten die Gesellschaft selbst durch das Verfahren. In den kommenden Wochen werde man in Zusammenarbeit mit allen Verantwortlichen ein Sanierungskonzept erarbeiten. Die Geschäftsführung verfolgt das Ziel einer Einigung mit den Gläubigern im Rahmen eines Insolvenzplans. Um alle Möglichkeiten einer Sanierung bestmöglich auszuschöpfen, wird das Unternehmen parallel einen M&A-Prozess starten, heißt es weiter.

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