Siemens Mobility übernimmt Sqills und will bei MaaS wachsen

Übernahme des führenden Anbieter von Software-as-a-Service (SaaS)-Lösungen für Bestandsmanagement, Reservierung und Fahrkartenkauf soll Strategie stützen, die Verfügbarkeit, Kapazität und Auslastung öffentlicher Verkehrsmittel zu erhöhen.

Software als Schlüssel: Die Siemens-Mobilitätssparte trägte dem im Zuge der Klimaschutzanstrengungen forcierten ÖPNV-Dienstleistungen Rechnung und stärkt sich auf dem MaaS-Markt. | Foto: Siemens Mobility
Software als Schlüssel: Die Siemens-Mobilitätssparte trägte dem im Zuge der Klimaschutzanstrengungen forcierten ÖPNV-Dienstleistungen Rechnung und stärkt sich auf dem MaaS-Markt. | Foto: Siemens Mobility
Johannes Reichel

Die Siemens-Sparte Mobility hat die Übernahme von Sqills bekanntgegeben, einem niederländischen Unternehmen, das sich als führender Anbieter von cloudbasierter Software für Bestandsmanagement, Reservierung und Fahrkartenkauf für Verkehrsbetriebe weltweit sieht. Zu den Entwicklungen des Anbieters gehört etwa „S3 Passenger“, eine skalierbare Plattform, mit der Bahn- und Busunternehmen ihre bestehenden Reservierungssysteme durch ein zeitgemäßes Buchungssystem ersetzen können, das für eine bessere Auslastung und Verfügbarkeit der Personenbeförderung sorgt.

Die Technologie soll das Softwareportfolio von Siemens Mobility um eine wichtige digitale Lösung ergänzen. Gemeinsam könne man Produkte und Services bereitstellen, mit denen sich Auslastung und Komfort der öffentlichen Verkehrsmittel insgesamt verbessern lassen, so die Hoffnung der Partner. Der vereinbarte Kaufpreis beträgt 550 Millionen Euro zuzüglich einer erfolgsabhängigen "Earn-out-Komponente", wie man weiter mitteilte.

„Um die Fahrgastzahlen auf der Schiene signifikant zu steigern und die Klimaziele bis 2030 zu erreichen, müssen Bahnbetreiber ihren Fahrgästen bessere Tools bereitstellen, mit denen sie alle angebotenen Bahndienstleistungen einfach ermitteln und nahtlos nutzen können", erklärte Michael Peter, CEO von Siemens Mobility.

Durch die Übernahme von Sqills und seiner einfach zu implementierenden SaaS-Plattform für Bestandsmanagement, Reservierung und Fahrkartenkauf könne man genau das bieten. Darüber hinaus entstehe aus der Verbindung der Sqills-Buchungsplattform mit den Lösungen der Siemens-Softwaretochter Hacon ein umfassendes Angebot, mit dem Bahnbetreiber ihre zentralen Reiseprozesse optimieren können, von der Reiseplanung bis zum Ertragsmanagement, meint Peter weiter.

„Die Eingliederung in das wachsende Geschäfts- und Softwareportfolio von Siemens Mobility für das intermodale und vernetzte Reisen ist eine enorme Chance. Dadurch wird es Sqills möglich, über Europa hinaus in den asiatisch-pazifischen Raum und nach Amerika zu expandieren", glaubt Bart van Munster, Vorstandsmitglied und Mitbegründer von Sqills.

Zugleich könne man weiter investieren, mit einem starken und international renommierten Partner und das Geschäft mit der Mobilitätssoftware sowie die Optimierung des Bahn- und Busverkehrs vorantreiben, global mit einer starken lokalen Präsenz, wie van Munster befindet.

Vernetzte Mobilitätslösungen mit starkem Wachstum

Die Übernahme sehen die Münchener als jüngstes Beispiel für das Engagement, mit dem man den Ausbau seines Softwareportfolios für digitale, intermodale und vernetzte Mobilitätslösungen vorantreiben will. Neben Hacon, eos.uptrade, Bytemark und Padam Mobility gehört künftig auch „S3 Passenger“ zum Softwareportfolio, das eine breite Palette von Dienstleistungen für den öffentlichen Verkehrssektor abdecken soll. Darüber hinaus könne man den Betreibern mit der Hacon-Software für die Reisevorbereitung nun ein noch besseres SaaS-Angebot für das Management ihrer Kern-Prozesse bereitstellen, glaubt die Siemens-Tochter.

"Angesichts der zunehmenden Liberalisierung des Schienenverkehrsmarktes ist das ein entscheidender Vorteil, da die Kunden verstärkt wettbewerbsfähige Mobilitätslösungen nachfragen, mit denen sie den Wünschen der Fahrgäste noch besser entsprechen können", so die Prognose.

Das Unternehmen Sqills wurde 2002 im niederländischen Enschede gegründet, beschäftigt derzeit rund 160 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und prognostiziert mit dem dynamisch wachsenden, skalierbaren SaaS-Geschäftsmodell einen Umsatz von rund 40 Millionen Euro im Jahr 2022. Mit 33 Betreibern aus neun Ländern entwickle man sich zum bevorzugten Anbieter führender Bahnbetreiber wie SNCF, Irish Rail, Rail Delivery Group, SJ, Via Rail und Eurostar, so die Selbsteinschätzung. Das Unternehmen werde als rechtlich eigenständige, 100-prozentige Tochtergesellschaft geführt und soll in dieser Struktur seine Position bei innovativen, smarten und umfassenden Mobilitätslösungen weiter ausbauen können, erklärten die Anbieter weiter.

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