Shell Eco-Marathon: Reichweiten nochmals gesteigert

Am letzten Tag des Eco-Marathons konnten etliche Teams in der Prototypenklasse noch mal eine ordentliche Schippe drauflegen. Wir waren im Paddock unterwegs.

Lasst uns über Effizienz sprechen - wie man über 2700 Kilometer Reichweite aus einem Liter Sprit holt. | Foto: G. Soller
Lasst uns über Effizienz sprechen - wie man über 2700 Kilometer Reichweite aus einem Liter Sprit holt. | Foto: G. Soller
Gregor Soller

Mittlerweile kommen die Prototypen mit einem Liter Sprit 2735 Kilometer weit, bei den Brennstoffzellen schraubte Tiger H2 aus Stralsund die Reichweite auf 1066,5 Kilometer pro Kubikmeter hoch und die Stromer kommen mit einer Kilowattstunde maximal 883,3 Kilometer weit! Das sind Werte, die zur Diskussion anregen, wie groß, schnell und stark unsere Autos noch werden dürfen, denn jedes Kilo kostet Effizienz und Reichweite wie wir selbst am eigenen Leib erfahren mussten. Entsprechend fragt auch Robin Nedella, Teamchef von Hydro2Motion aus München, in wieweit der Ansatz der Autoindustrie noch stimmt. Das Team der Munich School of applied sciences kam mit seiner Brennstoffzelle übrigens gut 600 Kilometer weit und geht beim letzten Lauf auf volles Risiko. Die Effizienzdiskussion führten wir auch mit dem Team aus Rostock, dass teils heftig ausgebremst wurde und sich so bei der Rennleitung einen weiteren Start ergattern konnte. Fahrerin Nadine Schäfer möchten den vorgeheizten Benziner dann maximal vier Mal starten und hofft, dass die maximal aufgepumpten Reifen durchhalten. Genau das taten sie beim Prototypen aus Karlsruhe nicht: Ein klitzkleines Loch im Schlauch ihres besten (praktisch neuwertigen) Pneus verhinderte einen weiteren Lauf. Entsprechend geknickt sind die Badenser, die sich deshalb mit einem einzigen Wertungslauf zufriedengeben mussten. Auch in Köln gab es diesmal lange Gesichter: das Auto war fertig, die Brennstoffzelle war es eher nicht: In letzter Minute konnte eine geliehene Einheit eingebaut werden und die ersten Probeläufe brachten gute Ergebnisse. Trotzdem war es für einen Start am Ende zu spät, time over. Doch immerhin möchte man die gewonnenen Erkenntnisse ins nächste Jahr mitnehmen. Das möchte man sicher auch in Stralsund, wo man sich bei den Brennstoffzellenfahrzeugen mit dem „Thaiger2“ den Spitzenplatz „ertigert“ hat und mit einem Kubikmeter Wasserstoff fast 1070 Kilometer weit kommt.

Bereits abgebaut hatte das Team aus Offenburg: Der „Schluckspecht“ war bereits verpackt, als die Meldung zum finalen Rennen kam, bei dem sich die Besten weltweit matchen. Der „Schluckspecht“ rückte wegen eines Ausfalls von Rang vier auf Rang drei vor, weshalb das Team alles wieder auspacken und auf „Race“ setzen musste, wie Johannes Fink, der die Lenkung ausgelegt hat, erklärt. Gepackt wurde dagegen an der TU München, die sonst immer ganz vorn mitfährt und jährlich neue Autos aufbaut. Diesmal kamen viele Komponenten sehr spät, so dass die Bayern keine Möglichkeit für Tests hatten – und laut Chaim Lukas Maier trotzdem hochzufrieden waren, da immerhin alles funktionierte. Vor allem der hochkomplexe neue Motorcontroller und das neuentwickelte Connector Board.

Zufrieden war auch das Team Greendrive vom Schulzentrum am Sund, wo man mit dem Prototypenstromer auf Platz fünf vorfuhr, was eine Reichweite von 673 Kilometer pro Kilowattstunde bedeutet. Die Technische Hochschule Mittelhessen schafft mit ihrem Verbrenner 1073 Kilometer pro Liter, in Rostock möchte man noch die 600 Kilometer knacken. So oder so Werte, die von Standard-Autos nie erreicht werden können – und zur Diskussion anregen, wie viel Auto man eigentlich benötigt, um 80 Kilogramm Mensch zu transportieren.

Was bedeutet das?

Purzelnde Rekorde auf dem Shell Eco-Marathon beweisen: In Sachen Effizienz wäre in der realen Welt noch so viel mehr drin. Weshalb er durchaus auch als Anregung und Mahnung verstanden werden darf, individuelle Mobilität nicht nur antriebstechnisch neu zu denken!

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