Shell Eco-Marathon: Der Eigenversuch

Eine Runde im Elektro-Prototypen bei Gluthitze – ein heißes Erlebnis

Redakteur Soller wird in den Prototypen gezurrt. | Foto: Timo Pape
Redakteur Soller wird in den Prototypen gezurrt. | Foto: Timo Pape
Gregor Soller

Shell bietet Medienvertretern jährlich eine eigene kleine „Challenge“ an, um zu erfahren, was die Teilnehmer erleben. Dieses Jahr sind wir im Elektro-Prototypen gestartet. Es galt, gut 544 Kilometer Reichweite pro Kilowattstunde zu schlagen, die „Stig“, der gar nicht so unbekannte Fahrzeugbetreuer der Shell-Autos mal auf die Runde legte. Die meisten Journalisten kamen dagegen kaum über 200 Kilometer hinaus. Wohl dem, der eine schlanke Figur und Geduld hat! Beides Eigenschaften, die dem Autor fehlen.

Schon der Einstieg in die fliegende Kiste gestaltet sich schwierig: Immerhin kann ich mit mit meinen 1,9 Metern Körpergröße gerade so in den neuen Prototypen mit E-Antrieb hineinbetten – die Benzin-Prototypen 2017 waren dafür zu klein! Das Lenkrad ist eine kleine Lenkstange zwischen den Beinen, mit der man auch „Strom gibt“, per Wippschalter rechts. Die Füße ruhen auf den Bremspedalen, welche aber tunlichst nicht betätigt werden sollten!

Doch vor dem Einstieg heißt es: Overall anziehen, zu kleine Rennfahrerschlappen der Größe elf, Helm und Handschuhe anlegen. So verpackt wird man dann in den Dreipunktgurt geschnallt. Und kommt sich beim schließen der „Kabine“ fast vor wie auf seiner eigenen Beerdigung mit Blick aus dem Glassarg.

Dann schwenkt die Fahne auf „grün“ und es kann losgehen! Beschleunigen auf rund 20 Meilen (rund 30 km/h), dann rollen lassen, ab 12 Meilen wieder beschleunigen. Dabei schnarrt und wackelt die Zigarre wild vor sich hin, lässt sich dank präziser Lenkung aber gut auf der Ideallinie halten. Von oben grillt einen die Sonne, unten scharren die dünnen Räder auf dem Asphalt, doch Kurve um Kurve steigt der Spaßfaktor. Doch halt: Wir wollen ja nicht racen! Trotzdem zupfen wir immer wieder am Energie-Hebelchen, um die rollende Zigarre auf Trab zu halten.

Am Ende der Runde werden wir abgewunken: Bitte bremsen, Auswertung folgt. Zu schnell, zu schwer – da darf ich mich mit gut 84 Kilometern pro Kilowattstunde mal ganz hinten anstellen, aber: Würde man das auch nur auf einen „kleinen“ 30-kWh-Akku eines kompakten Stromers hochrechnen, ergäbe das eine gigantische Reichweite von über 2500 Kilometern! Die man aber eben nicht liegend in einem Glassarg fahren möchte, der definitiv weniger wiegt als man selbst!

Was bedeutet das?

Würden die Autos endlich wieder kleiner und leichter statt stärker und größer – man könnte batterieelektrisch viel weiter kommen! Sehr viel weiter! Und: Ich muss endlich ein paar Kilogramm abspecken!

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