Seat forciert CNG als sofort verfügbare Alternative

Die VW-Tochter beackert ungeachtet der Elektrifizierungsoffensive des Konzerns weiter die Nische CNG und sieht darin eine clevere Ergänzung und Verbrenner-Alternative. Die soll mit dem 130-PS-Motor im Leon jetzt nicht nur sparsam sein, sondern auch Spaß machen.

Mehr Spaß am Sparen: Seat drückt weiter aufs Gas beim Thema CNG und bringt weitere Varianten mit Leon 1,5 TGI und Arona TGI. | Foto: Seat
Mehr Spaß am Sparen: Seat drückt weiter aufs Gas beim Thema CNG und bringt weitere Varianten mit Leon 1,5 TGI und Arona TGI. | Foto: Seat
Johannes Reichel

Der Automobilhersteller Seat setzt weiter auf das Thema CNG und sieht den Antrieb noch vor batterieelektrischen Fahrzeugen als sofort verfügbare umweltfreundliche Lösung. Mit der Einführung des TGI-Antriebs im Kompakt-SUV Arona sowie dem leistungs- und reichweitenstärkeren 1,5-Liter-TGI mit 130 PS im Golf-Konkurrenten Leon will der Hersteller zudem Umweltfreundlichkeit mit Fahrspaß kombinieren. "Wir sehen den CNG-Antrieb nicht als Ersatz, sondern als perfekte und sofort verfügbare Lösung und auch mittelfristig als Ergänzung zu batterieelektrischen Fahrzeugen", erklärte Johannes Fleck, Leiter des 2018 neu geschaffenen Bereichs Produkt, Planung und Strategie der Seat Deutschland GmbH bei einer Presseveranstaltung auf Sylt. Dieser Überzeugung will der Hersteller für die Start-Phase der neuen Modelle mit einer "Gleichpreisstrategie" Rechnung tragen, die den Mehrpreis von CNG-Modellen zum Benziner von bisher etwa 2.500 Euro durch Werksunterstützungen nivellieren soll, vorerst bis zum 30. Juni 2019. Seat hält im VW-Konzern die Technikführerschaft für den CNG-Antrieb sowie für die Entwicklung einer vollelektrischen Kleinwagenplattform.

Statt Benziner: CNG als Alternative zum Diesel

Noch bevor also im nächsten Jahr etwa der vollelektrisch angetriebene Kleinwagen eMii sowie ein elektrischer SUV auf MEB-Plattform oder Plug-In-Hybrid-Versionen der SUV auf den Markt kommen, komplettiert der Hersteller mit den Ergänzungen im Portfolio das Thema CNG als Zwischenschritt. Ziel sei es, so Fleck, in jeder Baureihe mindestens zehn Prozent CNG-Anteil im Modelsplit zu erreichen. Er wollte nicht soweit gehen, den CNG-Antrieb als den "neuen Diesel" zu bezeichnen, meinte Fleck. Aber aus seiner Sicht sei der CNG-Antrieb in jedem Fall eine deutlich umweltfreundlichere Alternative als der Benziner, bei gleichen Wartungskosten und Wartungshäufigkeit.

Der Trend weg vom Diesel und hin zum Otto-Motor bringe überhaupt keinen Fortschritt in Sachen CO2 wie auch bei den Spritkosten, mahnte der Seat-Stratege. Zudem würden die komplexe Abgasreinigungstechnik mit Otto-Partikelfilter auch den Benziner teurer machen, der CNG-Antrieb sei von Haus aus deutlich sauberer: Bei Rußpartikeln (Diesel: minus 50 %, Benziner minus 99 %), NOx (minus 95 %) sowie fossilem CO2, wo Seat CNG bis zu 25 Prozent günstiger sieht. Kombiniert man Biomethan aus Abfallreststoffen oder Power-to-Gas-Methan, könne der CNG-Antrieb bis zu 90 Prozent klimaneutral werden.

Biomethan mit großem Potenzial

Diesen Aspekt will auch die Vertreterin der Initiative "Gib Gas", Birgit Maria Wöber betont wissen, die bei der Veranstaltung auch die Anrechenbarkeit von Biomethan auf den Flottenverbrauch als Argument ins Spiel brachte. Mittlerweile stelle jede achte CNG-Tankstelle in Deutschland reines Biomethan bereit, der Anteil im Erdgasnetz sei auf 20 Prozent gewachsen. "Das wäre ein starkes Argument für den CNG-Antrieb, wenn die Hersteller damit ihre Flottenverbräuche optimieren können", meinte die Club-Chefin. Man werde in der nächsten Zeit versuchen, diesem Argument auch bei der Politik mehr Gehör zu verschaffen, versicherte Wöber. Die Vorteile hätten viele Länder in Europa erkannt und würden konsequent CNG-Tankstellen zubauen. Die Zahl sei von 2018 auf 2019 um 300 Zapfpunkte auf nunmehr 3.600 gestiegen, ebenso der Biomethananteil im Kraftstoff. "Ohne Biomethan geht hier nichts mehr", meinte sie.

Sie verwies auf das große Potenzial in der Verwertung etwa von Strohresten, die sie für Deutschland auf 13 Millionen Tonnen jährlich taxierte. Die Reste aus fünf Strohballen würden für eine Pkw-Fahrleistung von 11.000 bis 15.000 Kilometer genügen. Außerdem lasse sich über den Ausbau des LNG-Netzes für Lkw erstmals auch eine nichtleitungsgebundene Lösung für CNG realisieren, weil an den LNG-Zapfsäulen immer auch ein CNG-Tankpunkt vorgesehen werden könne. Als weiteren Vorteil des CNG-Kraftsstoffs wies sie auf die übers ganze Jahr konstanten Preise hin.

Einen Fahrbericht zu den neuen Seat-TGI-Modellen lesen Sie zeitnah auf VISION mobility.

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