Schaeffler blickt zurückhaltend ins Jahr 2020

Schaeffler bekommt die flaue Konjunktur zu spüren und blickt zurückhaltend ins neue Jahr, in dem auch die Nachhaltigkeitsstrategie neu ausgerichtet wird.

Auf der Bilanzpressekonferenz blickte der Schaeffler-Vorstand vorsichtig ins Jahr 2020. | Foto: Robin Lang
Auf der Bilanzpressekonferenz blickte der Schaeffler-Vorstand vorsichtig ins Jahr 2020. | Foto: Robin Lang
Redaktion (allg.)

Auch bei der Schaeffler-Bilanzpressekonferenz war Thema Corona-Virus omnipräsent. Auf allen Tischen standen für den Fall der Fälle Desinfektionsgels parat, was zeigt: Schaeffler war vorbereitet und konnte Entwarnung geben: Die Lieferketten seien stabil geblieben. Der Umsatz stieg ganz leicht von 14,2 Milliarden Euro auf 14,4 Milliarden 2019. Gleichwohl hat auch Schaeffler bereits 2019 die abschwächende Konjunktur zu spüren bekommen. Deshalb musste man die Jahresprognose merklich nach unten korrigieren, zumal der auf die Aktionäre entfallende Überschuss um mehr als die Hälfte auf 428 Millionen Euro eingebrochen ist. Beim Ebit konnte man statt gut 1,3 Milliarden Euro nur noch 790 Millionen Euro ausweisen. Über den Erwartungen lag dafür der Free Cash flow, der 473 Millionen Euro betrug. Rückgängen in den Automotive-Sparten standen stabile Geschäfte in den Industrie-Sparten gegenüber.

Für 2020 plant man entsprechend vorsichtig: So erwartet der Vorstand beim Umsatz einen währungsbereinigten Rückgang von bis zu zwei Prozent und die Umsätze dürften im besten Fall noch das Vorjahresniveau erreichen. Bereits 2019 stagnierte der Umsatz währungsbereinigt bei 14,4 Milliarden Euro. Trotzdem plant der Zulieferer auch 2020 wieder mit schwarzen Zahlen, aber auch hier rechnet man mit Rückgängen gegenüber dem Vorjahr, in dem die Marge ebenfalls schon auf 8,1 Prozent sank. 2020 sollen von den Erlösen noch 6,5 bis 7,5 Prozent als bereinigter Gewinn vor Zinsen und Steuern übrig bleiben.

Wichtig für die Zukunft waren hier auch die Themen Brennstoffzelle, E-Mobilität und die Ausgründung des Start-ups Biohybrid. Alle Sparten laufen, wenngleich mit unterschiedlicher Intensität. So bleibt die Brennstoffzelle Thema, zumal man erst jüngst der globalen Wasserstoffinitiative beitrat – doch von großen Serien ist man hier noch weit entfernt. Anders bei der Elektromobilität, wo man zügig vorankommt:  Die Stimmung bessert sich es wird aufgeatmet, da Schaeffler Auftragseingänge in Höhe von 15 Milliarden Euro im Vorlauf hat, darunter auch einen Großauftrag eines bekannten OEM für E-Maschinen. Bei den Verbrennern profitiert man von den innovativen Hybrid- Getrieben, für den Aftermarket stellt man ein „Reperaturset“ für 48- Volt Systeme in Aussicht.  

Darüber hinaus wollten wir wissen, wie sich das Start-up Biohybrid entwickelt und ob darüber hinaus geplant ist, in Zukunft weitere Start-ups auszugründen. Auch hier antwortete Rosenfeld vorsichtig. Das Start-up würde aktuell trotz großem Interesse der Kunden depriorisiert. Und selbst wenn das Potenzial vorhanden sei, habe Schaeffler kein Interesse, eines Tages ein eigenes Auto zu bauen, da Schaeffler Zulieferer ist und das auch bleiben möchte. Interessant sei die Zusammenarbeit mit Abt e-Line. Schaeffler bleibt hier weiterhin Technologie- und Finanzpartner. Seine Antwort fasste Rosenfeld dahingehend zusammen, das Innovationen generell sehr wichtig seien, konkret sind aber keine weiteren Start-ups geplant sind.

Neues Nachhaltigkeitsmanagement

Geändert wurde in dem Zug auch das Nachhaltigkeitsmanagement. Dazu hat Schaeffler die Anforderungen aller relevanten Interessensgruppen weltweit im Rahmen einer Stakeholder-Befragung erfasst und analysiert. Außerdem habe man den eigenen Anspruch an ein zukunftsfähiges Nachhaltigkeitsmanagement überdacht und – soweit erforderlich – selbstkritisch, ergebnisoffen und zukunftsorientiert weiterentwickelt. Dazu gehört unter anderem die Etablierung eines Sustainability Committees, dem die Mitglieder des Executive Boards und Mitarbeiter der ersten Führungsebene angehören. 

Eine der wichtigsten Entscheidungen des Sustainability Committees betraf die Neuausrichtung der Ziele des Unternehmens. Und da möchte CEO Klaus Rosenfeld noch nachlegen:

„Wir können und wollen deutlich mehr tun. Das heißt auch, dass wir noch nicht da sind, wo wir hinwollen.“

Beispielsweise wird Schaeffler bis 2024 zahlreiche Maßnahmen zur jährlichen Steigerung der Energieeffizienz im Umfang von 100 Gigawattstunden implementieren und den Bezug von Strom zu 100 Prozent auf Erneuerbare Energien umstellen. Außerdem soll die Zahl der Unfälle mit Ausfallzeiten bis 2024 um durchschnittlich 10 Prozent pro Jahr sinken.

Sinnvoller Ansatz: Die Nachhaltigkeitsziele werden in variabler Vergütung integriert

Außerdem werden Nachhaltigkeitsziele in die variable Vergütung der oberen Führungsebenen integriert. Corinna Schittenhelm, die die Themen Personal und Nachhaltigkeit im Vorstand der Schaeffler AG verantwortet, freut sich, dass das bereits Wirkung zeigt:

 „So haben wir uns beim Klimarating CDP deutlich von einem D auf ein B- für 2019 verbessert. Für 2021 haben wir uns zum Ziel gesetzt, ein Rating von A- zu erreichen“.

Um diese Ziele zu erreichen, entwickelt Schaeffler gemeinsam mit seinen Partnern neue Ansätze, wie klimaschonende Energieerzeugung, intelligente Reparaturlösungen sowie neue Mobilitätskonzepte. Dabei behält Schaeffler alle zukunftsfähigen Technologien im Blick, wie etwa alternative Antriebe oder Erneuerbare Energien. CEO Rosenfeld erklärt dazu: 

„Ab 2021 starten wir weltweit mit der Serienproduktion von Elektromotoren. Außerdem werden wir verstärkt das Potenzial der Brennstoffzelle nutzen und – etwa durch langlebige Windkraftanlagen – aktiv die Energiewende mit vorantreiben.“

In diesem Zusammenhang geht Schaeffler auch neue Wege bei der Finanzierung. Die Schaeffler Gruppe hat ein Green Finance Framework etabliert, in dessen Rahmen zukünftig grüne Finanzierungen abgeschlossen werden können.

Was bedeutet das?

In einem netten Nebensatz hat Rosenfeld die Ziele Schaefflers auf den Punkt gebracht: „Schaeffler will grüner werden, aber nicht nur wegen der Farbe des Logos.“ Entsprechend vorsichtig plant man für 2020, wo man einen massiven Hochlauf der E-Mobilität in einem generell schwierigen Umfeld erwartet. Die Aufbruchsstimmung vergangener Jahre haben die durchhängende Wirtschaft samt Corona-Virus etwas getrübt.

Autoren: Robin Lang/Gregor Soller

 

 

 

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