Rosenbauer RT: Das kann der Elektro-Löschwagen in der Praxis

Seit September 2020 hat die Berliner Feuerwehr den elektrischen Rosenbauer RT im Einsatz – und kann jetzt erste Praxisergebnisse vermelden.

Die Berliner Feuerwehr hat mit dem RT mittlerweile knapp 1.600 Einsätze gefahren. | Foto: Rosenbauer
Die Berliner Feuerwehr hat mit dem RT mittlerweile knapp 1.600 Einsätze gefahren. | Foto: Rosenbauer
Gregor Soller

Viele Feuerwehrexperten warten gespannt auf den Praxisbericht zum allradgelenkten Rosenbauer RT, der auf der Interschutz 2022 in Hannover präsentiert werden soll. Offiziell handelt es sich beim Rosenbauer RT um ein „Lösch- und Hilfeleistungsfahrzeug mit Elektroantrieb", also im Feuerwehr-Sprech ein eLHF. Es kam in der deutschen Hauptstadt bei Einsätzen der Feuerwehrwachen Mitte, Suarez und Schöneberg in die Praxis, wo es seit Herbst 2020 knapp 1.600-mal ausgerückt ist und dabei rund 14.000 Kilometer zurückgelegt hat- heißt: Pro Einsatz lagen gerade einmal 8,75 Kilometer Strecke an.

Laut Berliner Feuerwehr konnten dabei mehr als 95 Prozent der Einsätze rein elektrisch durchgeführt werden. Die Zielvorgabe betrug mindestens 80 Prozent und konnte deutlich übertroffen werden. Eigentlich hätte das Ergebnis noch besser ausfallen können, wäre es nicht zu einem zweiwöchigen Ausfall der Ladesäule an der Wache Suarez gekommen. Dazu kamen Ladeprobleme nach einem Software-Update des eLHF. Diese Zwischenfälle waren der Grund, die Testzeit von einem Jahr auf dreizehn Monate zu verlängern. Noch wichtiger: es kam kein einziges Mal zu einem Ausfall, weshalb die Berliner Feuerwehr in Zukunft mehr eLHF einsetzen möchte.  

Ungewöhnliche Sitzanordnung für bessere Vorabkommunikation

Auch die Feuerwehrmänner selbst waren positiv angetan: Von den befragten Nutzern waren 75 Prozent überzeugt von der für diese Art von Fahrzeug ungewöhnlichen Sitzanordnung, bei der nur der Maschinist und der Staffelführer in Fahrtrichtung schauen. Wasser- und Schlauchtrupp sind sich während der Fahrt zugewandt, was die Kommunikation erleichtere, so die Feuerwehrmänner. Das spart im Ernstfall wertvolle Zeit.

Nachdem das Testfahrzeug am Rosenbauer Firmenhauptsitz im österreichischen Leonding in seine Einzelteile zerlegt und detailliert untersucht wird, wird es vom 20. bis 25 Juni 2022 auf der Interschutz in Hannover stehen in Halle 13 an Stand C10.

Mittlerweile stieg auch das Interesse der Exportmärkte aus Übersee, sodass Rosenbauer einen elektrischen RTX für Los Angeles aufgebaut hat, der dort ebenfalls in den Praxistest geht. Zwei Elektromotoren mit einer Leistung von 2 x 180 kW (peak) bzw. 2 x 130 kW (continuous) treiben alle vier Räder an). Mit Strom versorgt werden sie aus zwei Hochvoltbatterien mit einer elektrischen Speicherkapazität von 132 kWh, welche auch die Energie für den Pumpenbetrieb und andere Verbraucher an der Einsatzstelle bereitstellen.

Darüber hinaus verfügt der RTX standardmäßig über einen Range Extender (Dieselmotor mit Stromgenerator) mit einer Leistung von 225 kW, der platzsparend im Aufbau sitzt. Damit wird der RTX zum integrierten Kraftwerk, welches die Hochvoltbatterien automatisch wieder auflädt, wenn mehr Energie verbraucht wird, als darin gespeichert ist.

Was bedeutet das?

Weniger die Strecke als der Einsatz kosten im Feuerwehr-Löschfahrzeug Energie. Weshalb Rosenbauer einen Diesel als Range-Extender für lange Einsätze dazu packt. Interessanterweise kam der in Berlin kaum zum Einsatz, so dass auch schwere Löschfahrzeuge perspektivisch rein elektrisch ihre Einsätze abwickeln können.

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