Rolls-Royce lässt den Plug-in-Hybrid aus

Der neue Ghost startet noch als V12-Benziner, wird aber später eine reine E-Version zur Seite gestellt bekommen. Laut Rolls-Royce ist der Plug-in-Hybrid "das Schlechteste aus beiden Welten".

Vom V12 ab 2025 auf Elektro: Erst kürzlich hat Rolls-Royce die 170 Millimeter verlängerte Ghost-Version "extended" vorgestellt. | Foto: Rolls Royce Motorcars
Vom V12 ab 2025 auf Elektro: Erst kürzlich hat Rolls-Royce die 170 Millimeter verlängerte Ghost-Version "extended" vorgestellt. | Foto: Rolls Royce Motorcars
Gregor Soller

Das Zeitalter der „Post-Opulenz“ wird dezent bei Rolls-Royce eingeläutet und man hat das Gefühl, dass der neue Ghost ein Opfer der rapiden Umbrüche wurde: er kommt, optisch sehr nah am Vorgänger nur als V12-Benziner. Zunächst, doch das soll sich spätestens 2025 ändern. Dann nämlich dürfte dem „Einstiegs-Roller“ eine E-Version zur Seite gestellt werden. Warum kein Plug-in, den BMW im Siebener doch auch fertig hat?

Klare Antwort aus dem britischen Rolls-Standort Goodwood: Das wäre das „schlechteste aus beiden Welten“, kompromissbeladen – und das schätzt man bei Rolls gar nicht. Zumal der neue Ghost kein aufgeblasener 7er-BMW ist, sondern auf der hochflexiblen Alu-Basis steht, die auch den Cullinan und den Phantom trägt. Außerdem plant auch BMW künftig mehr rein elektrische Modelle (7er, M5) und hat in ein paar Jahren sowieso den entsprechend benötigten Antrieb im Regal.

Außerdem machen Aston Martin mit der geplanten E-Tochter Lagonda, sowie VW mit Bentley und Daimler mit Maybach Druck, denn auch hier plant man künftig rein elektrisch. Ganz zu schweigen von Start-ups wie Tesla und Lucid Motors, wo coole Über-Performance in die Zukunft weist.

Und zwischen den Zeilen erklärt auch Jon Simms, der den Engeneering Lead des neuen Ghost inne hatte, dass das erste Ziel war, den Ghost noch leiser zu machen – was mit einer E-Maschine noch leichter wäre als mit einem V12. Zumal Simms ohnehin findet, dass Akustik immer noch „unterschätzt“ wäre, wie er bei der Ghost-Präsentation im britischen Car Magazine zu Protokoll gab.

Man blickt stolz in die Zukunft, zumal man zumindest vorpandemisch ein neues Rekordjahr hinlegte und 5152 Rolls-Royce verkaufte. Und laut Alex Innes, Head of Coach-Building, wird Individualität noch wichtiger. Es gehe den Kunden nicht um das schiere Geld, sondern um absolute Einzigartigkeit. Heißt übersetzt: 5000 Autos sind eine so kleine Stückzahl, das man dank 3D-Druck künftig vielleicht lauter Einzel-Rolls-Royce bauen könnte, die sich auch optisch stark unterscheiden. So wie es die Luxusmodelle der Karosseriebauer in der Vorkriegszeit taten, die nach Kundenwunsch inmdividuell auf die Rahmen gesetzt wurden.

Aber auch Innes hat die Zeichen der Zeit erkannt und gab den Kollegen von Car zu Protokoll:

„Wir wissen das Rolls Royce tranzendiert werden muss: Die Marke muss sich über die sich immer ändernden Zeiten erheben.“

Hohe Worte, denen er noch nachschiebt, dass ein Rolls Royce nie zwei Sachen können muss, sondern immer nur eine, doch dabei muss er das beste Auto der Welt sein:

„Er hat nur eine einzige Mission: Wissen Sie, er ist niemals modisch, sondern geht einen ganzen Schritt darüber hinaus.“

Was jedes gebaute Einzelstück wirklich nachhaltig machen würde. Man darf gespannt sein, wie Rolls Royce seine extrem indviduelle modefreie Zukunft plant. Der Ghost ist genau das noch nicht: Zwar ist er optisch schon ein relativ zeitloser Monolith, aber sowohl in Sachen Akustik als auch in Sachen Individualisierung hat die Marke tatsächlich noch ganz anderes Potenzial.

Was bedeutet das?

Der neue Ghost bleibt in Optik und Antrieb (zu) nah am Vorgänger, obwohl er auf einer komplett anderen Basis steht, die er sich nicht mehr direkt mit BMW teilt. Dass das so nicht die Zukunft sein kann, ist den Entwicklern bewusst, die wie Daimler mit der neuen S-Klasse vielleicht ein bisschen von den disruptiven Umbrüchen in der Branche überholt wurden. Deshalb darf man gespannt sein, wie die Briten sich ab 2025 elektrifiziert aufstellen.   

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