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Meinungsbeitrag

Rivian und VW: Eine gelungene Ehe?

Volkswagen kooperiert bei der Entwicklung der nächsten Generation von Auto-Software mit dem US-Elektrofahrzeugbauer Rivian und will bis zu fünf Milliarden Dollar in das Projekt investieren. Ein Schnäppchen, aber….

Rivian kennt man in Deutschland von Amazon: Die Vans sind von Rivian. | Foto: Amazon
Rivian kennt man in Deutschland von Amazon: Die Vans sind von Rivian. | Foto: Amazon
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Gregor Soller

Nachdem man sich in China bei Xpeng Hilfe holte, klopft VW in den USA jetzt bei Rivian an: Die Wolfsburger wollen mit Rivian ein Gemeinschaftsunternehmen gründen, das beiden zu gleichen Teilen gehört. Mit der Partnerschaft soll laut VW-Pressemitteilung die Softwareentwicklung der Volkswagen Group und von Rivian beschleunigt werden. Grundlage für die Software künftiger Elektroauto-Modelle soll die Technologie von Rivian sein, die in den Fahrzeugen beider Unternehmen zum Einsatz kommen soll – noch vor dem Jahr 2030.

VW plant, bis zu drei Milliarden Euro in Rivian zu investieren. Das bereits 2009 gegründete Unternehmen ist an der Techbörse Nasdaq aktuell rund elf Milliarden Dollar wert, schreibt aber mit seinen Elektro-Pickups und Geländewagen Milliardenverluste. Hier konnten auch die Vans für Anteilseigenr Amazon nichts ändern. Die Rivian-Aktie schoss nachbörslich um 42 Prozent nach oben - das entspricht rund vier Milliarden Dollar.

In einem ersten Schritt zeichnet VW eine Wandelanleihe über eine Milliarde Dollar, die frühestens im Dezember in Rivian-Aktien umgetauscht werden soll. 2025 und 2026 will Volkswagen je eine weitere Milliarde Dollar in Rivian-Aktien investieren. Für das Joint Venture selbst gibt Volkswagen bis zu zwei Milliarden Dollar aus. Ein Teil davon soll bei dessen Gründung fällig werden, die für Ende 2024 geplant ist, dazu kommen Kosten für die Lizenzierung der Rivian-Software.

Eigentlich hat der Volkswagen-Konzern seine Software-Entwicklung in der Tochter Cariad zusammengefasst, die aber immer wieder mit Problemen zu kämpfen hat. Weil wichtige Bestandteile der Software für den Q6 e-tron oder den Porsche Macan nicht rechtzeitig fertig entwickelt war, musste man gar die Markteinführung dieser Modelle verschieben.

Laut dem „Handelsblatt" liegen einige Modellanläufe bei Audi seit zwei Jahren hinter dem Zeitplan. VW-CEO Blume hofft:

„Durch unsere Zusammenarbeit werden wir die besten Lösungen schneller und zu geringeren Kosten in unsere Fahrzeuge bringen."

Interessanter Hintergrund: Die Partnerschaft soll sich nahtlos in die im VW-Konzern bestehende Software-Strategie einfügen.

Was bedeutet das?

Die Ausgangslage ist für beide Unternehmen denkbar schlecht: Denn Rivian steht wie viele Start-Ups mit dem Rücken zur Wand, schreibt rote Zahlen und braucht frisches Geld, um die Entwicklung des kleineren R2- zu finanzieren, der für 2026 geplant ist. Amazon, mit dem Rivian eng zusammenarbeitet und die Last-Mile-Vans baut, will kein frisches Geld mehr nachschießen, weshalb Rivian schon die Produktion gedrosselt hat. Die Software scheint aber zu funktionieren, was sie bei VW wiederum nicht tut. Umso bitterer, denn Cariad war ohnehin schon ein „interner Software-Neustart“ im Wolfsburger Konzern, aber das Programmieren scheint man am Mittellandkanal einfach nicht gebacken zu bekommen. Womit für beide Unternehmen zwar ein Win-Win entsteht aber aus einer denkbar schlechten Ausgangslage: Ein Start-Up, dem das Geld ausgeht und ein Großkonzern, der keine Software kann…

 

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