"Renaulution" 4: Der Renault EZ-1 könnte den Twizy ablösen

Mobilize: Die neue Marke für innovative Shared-Mobility-Konzepte gibt mit dem EZ-1 PrototypE einen Modellausblick auf einen eventuellen Twizy-Nachfolger

Designer Patrick Lecharpy mit dem Mobilize EZ-1 Prototype, der den Twizy ablösen dürfte. | Foto: Renault
Designer Patrick Lecharpy mit dem Mobilize EZ-1 Prototype, der den Twizy ablösen dürfte. | Foto: Renault
Gregor Soller

Auch der Twizy gehört irgendwo zu den Renault-Ikonen, wenn auch zu den sehr jungen. Im Rahmen der „Renaulution” Strategie präsentiert die Renault Gruppe jetzt ihre neue Mobilitätsmarke Mobilize. Die neue Geschäftseinheit entwickelt und realisiert Mobilitätslösungen der Zukunft: innovative urbane Shared-Mobility-Lösungen für die Personen- und Güterbeförderung entsprechend dem Ziel des Konzerns, CO2-Neutralität zu erreichen und eine Kreislaufwirtschaft zu etablieren. Das Auto dazu wäre der EZ-1 Prototype, mit dem Mobilize sein erstes speziell für die Shared Mobility in der Stadt konzipiertes Fahrzeug vorstellt. Patrick Lecharpy, Mobilize Design Direktor, erklärt den EZ-1 so:

„Der Mobilize EZ-1 Prototype passt perfekt in die Stadt. Agil, dynamisch und inklusiv, ist er ein Sinnbild für die neue Marke Mobilize. Ein modernes Fahrzeug, das die Nutzer bei der Veränderung ihres Lebensstils hin zu einer verantwortungsvolleren Mobilität begleitet."

Das wendige Elektrofahrzeug für zwei Personen ist vernetzt: Es verfügt über einen schlüssellosen Zugang und interagiert mit den Nutzern über deren Smartphone. Eine Besonderheit bei der Nutzung des Mobilize EZ-1 Prototype: Die Nutzer zahlen nur für das, was sie nutzen. Abgerechnet werden allein die Fahrzeit oder die zurückgelegten Kilometer. Der Mobilize EZ-1 Prototype ist nur 2,3 Meter lang und beansprucht wenig Verkehrsfläche. Die Türen sind jetzt anders als beim Twizy immer komplett verglast. Der EZ-1 Prototype verfügt darüber hinaus über ein innovatives Batteriewechselsystem: Alternativ zum konventionellen Laden lässt sich so die Nutzungsdauer verlängern. Der Mobilize EZ-1 Prototype ist nach den Prinzipien der Kreislaufwirtschaft gebaut. Er besteht zu 50 Prozent aus recycelten Materialien und ist am Ende seines Lebenszyklus zu 95 Prozent recycelbar.

Damit stattet Renault auch seine neue Marke gleich mit einem Produkt aus. Sie bündelt die Aktivitäten der Renault Gruppe in den Bereichen Mobilität, Energie und datenbasierte Lösungen und wendet sich an Kunden, die nachhaltigere Shared-Mobility-Lösungen nutzen wollen. Dabei nutzt Mobilize unter anderem die Expertise von RCI Bank & Services. Die neuen Mobilitätsangebote berücksichtigen die sich verändernden Erwartungen von Endkunden, Unternehmen, Städten und regionalen Behörden. Clotilde Delbos, Chief Executive Officer der Marke Mobilize und stellvertretende Vorstandsvorsitzende der Renault Gruppe, erklärt dazu:

„Wir freuen uns auf die Veränderung der Automobilwelt, die sich vom Besitz zur Nutzung verlagert. Über das Automobil hinaus wird Mobilize eine breite Palette an innovativen Dienstleistungen in den Bereichen Mobilität, Energie und Daten anbieten. Wir wollen die Autonutzung durch vereinfachte, nachhaltigere und erschwingliche Personen- und Gütermobilität maximieren und gleichzeitig die Umweltbelastung reduzieren."

Flexible Dienstleistungen für die Personen- und Güterbeförderung

Mobilize bietet also flexible Mobilitätsdienstleistungen für Personen und Güter, die an die individuellen Erwartungen von Kunden, Unternehmen und Kommunen angepasst sind und das traditionelle Modell des Autobesitzes ergänzen. Auch Renault vertritt hier den Ansatz, dass durch Kreislauf- und Sharing-Ökonomien Güter effizienter genutzt werden– so soll Mobilize zu einer nachhaltigeren Zukunft beitragen.

Mobilize soll auch den Händlern neue Geschäftsmodelle bieten

Darüber hinaus soll Mobilize mit einem Potenzial von mehr als 6.000 Renault-Händlern in Europa in der Lage sein, Mobilitätslösungen für eine Nutzungsdauer von einer Minute bis zu mehreren Jahren in Städten und Gemeinden großflächig anzubieten. Mobilize wird auch sein bestehendes Portfolio an innovativen Mobilitäts- und Energie-Start-ups weiter nutzen, um gemeinsam die besten Lösungen für seine Kunden zu entwickeln. Damit kann Mobilize über die Herstellung von Fahrzeugen hinaus neue Wachstumsbereiche zu erschließen.

Gleichzeitig zielt Mobilize auf drei besondere Herausforderungen der Automobilindustrie: man will die der Lücke zwischen Fahrzeugnutzung und –kosten verringern, denn im Schnitt bleiben Automobile derzeit zu 90 Prozent der Zeit ungenutzt. Außerdem will man den Restwert verbessern – derzeit sinkt der Wert eines Neufahrzeugs in drei Jahren um über 50 Prozent! Außerdem kann Mobilize so die Treibhausgas-Emissionen reduzieren.

Mobilize stützt sich auf eine komplette Dienstleistungsinfrastruktur

Gestützt auf das Know-how der Entwicklungs- und Designteams plant die Marke laut Renault, eine Reihe zweckmäßig konzipierter Fahrzeuge auf den Markt bringen. Modular, robust, zu 100 Prozent elektrisch. Sie erfüllen die wichtigsten Anforderungen für Carsharing, Ride-Hailing, Last-Mile-Delivery und On-Demand-Transit. Der Partner RCI Bank &Services bietet Mobilize einen einfachen Zugang zu Finanzierungslösungen und Dienstleistungen, von Abonnement und Leasing bis hin zu Pay-as-you-go. Auf diese Weise lassen sich flexible Kosten für den Flottenbetrieb realisieren. Um eine optimale Nutzungsquote der Fahrzeuge zu erreichen, arbeitet Mobilize eng mit Partnern wie der Renault Software Factory zusammen und nutzt das offene System „Software Republique”. Die Spezialisten entwickeln moderne Algorithmen und Softwares, die eine bessere Vorhersage der Nutzernachfrage und eine effektivere Fahrzeugzuweisung ermöglichen. Mobilize zielt darauf ab, die Fahrzeugnutzung um mindestens 20 Prozent zu erhöhen.

Innovative Ladelösungen und Energiespeichersysteme

Sollten die Fahrzeuge nicht mehr einsatzfähig sein, werden sie von den Wartungs- und Recyclingservices in der Renault Re-Factory am Standort Flins übernommen. Sind die Batterien der nicht mehr für den Einsatz im Fahrzeug geeignet, werden sie von Mobilize recycelt und erhalten ein zweites Leben als stationäre Energiequelle. Mobilize investiert außerdem in die Entwicklung eines Energie-Ökosystems aus intelligenten Ladelösungen und fortschrittlichen Energiespeicherlösungen. Diese eignen sich besonders für Smart Islands Stadtteilprojekte oder Stadtentwicklungsprogramme mit dem Ziel, CO2-Neutralität zu erreichen. Erstere hat Renault schon zusammen mit The Mobility House angestoßen, um Inseln im Atlantik energieautark zu machen.

Um die Elektromobilität weiter zu fördern, entwickelt Mobilize über das eigentliche Shared-Mobility-Geschäftsfeld hinaus Lösungen, die die Verbreitung der Elektromobilität allgemein erleichtern sollen. Hierzu gehört ein Ladepass, mit dem Kunden öffentliche Ladepunkte unkompliziert finden und zum Laden europaweit eine einzige Zahlungslösung nutzen können.

Was bedeutet das?
Mobilize könnte mittelfristig die zukunftsfähigste Sparte im Renault-Konzern werden, denn auch bei den OEMs entwickelt sich die Zukunft tendenziell weg von der Hard- hin zur Software. Der EZ-1 wäre hier nur ein Produkt, um den virtuellen Möglichkeiten von Mobilize eine „Form“ zu geben.

Printer Friendly, PDF & Email