Renault will die Trennung – Elektro-Sparte soll an die Börse

Nachdem Ford kürzlich die Aufspaltung in einen Elektrofahrzeug- und eine Verbrenner-Bereich verkündet hatte gibt es nun Anzeichen dafür, dass Renault die Elektro-Sparte vom Konzern abtrennen und an die Börse bringen möchte.

Hier laufen sie noch gemeinsam vom Band - Verbrenner Scenic und E-Auto Megane E-tech.| Foto: Th. Kanzler
Hier laufen sie noch gemeinsam vom Band - Verbrenner Scenic und E-Auto Megane E-tech.| Foto: Th. Kanzler
Thomas Kanzler

Die Überlegungen gehen nach Einschätzung der Unternehmensberater von Bloomberg weiter als die kürzlich vollzogene Trennung der Bereiche bei dem amerikanischen Fahrzeughersteller Ford. Während die Amerikaner die Sparten innerhalb des Konzerns unter einer gemeinsamen Leitung beschlossen will Renault zwei eigene Unternehmen schaffen. Details über das mögliche Vorhaben haben Top-Manager wie Renault CEO Luca de Meo und CFO Thierry Pieton während eines Treffens mit Analysten in der vergangenen Woche bekannt gegeben.

Traditionelle Autohersteller blicken neidvoll auf die Börsenwerte der E-Auto-Firmen

Eine Aufteilung in zwei Unternehmen, wobei die Elektro-Sparte an die Börse gebracht werden soll, könnte viel frisches Geld generieren. So könnten Mittel für die Entwicklung von neuen Elektroautos beschafft werden und der Umstieg in die Elektromobilität forciert werden.

Laut den Analysten von Bloomberg solle aus den Bereichen Elektroautos und der Carsharing-Sparte Mobilize ein "New Mobility"-Unternehmen entstehen. Ein Börsengang dieser Firma könnte schon 2023 erfolgen. Übrig bliebe der traditionelle Bereich. Hier würden die Verbrennerfahrzeuge und die Hybride Varianten gefertigt. Dieses Unternehmen könnte mit den Geschäften eines Partners zusammengeführt werden, möglicherweise in Form eines Joint Ventures.

Wie entwickelt sich ElectriCity?

Mitte März waren wir zu einem Besuch ins Renault Werk ElectriCity im Norden Frankreichs geladen. Dort wurden mehrere Werke zu einem Innovations-Cluster zusammengeführt. Neben den Verbrenner-Modellen Scenic und Espace läuft hier gerade die Fertigung des neuen Megane E-Tech an. Alle Fahrzeuge werden allerdings auf einem Band zusammengeführt und montiert. Diese Montage zu entflechten würde bei einer Trennung in zwei Unternehmen eine besondere Herausforderung. Eigentlich ist hier nur vorstellbar, dass der ganze Verbrenner-Bereich die ElectriCity bis 2023 verlassen muss.

Ladas Zukunft ist ungewiss

Bei Renault ist man von den Folgen des Ukraine Krieges besonders betroffen. Der französische Konzern hat nicht nur mit Ausfällen in den Lieferketten zu kämpfen, der Renault-Nissan Konzern ist 25 Prozent an dem russischen Unternehmen AwtoWAZ beteiligt. AwtoWAZ fertigt die Lada Modelle in einem Werk in Moskau. Im März hatte Renault bekannt gegeben, dass der Betrieb der Lada Fertigung eingestellt sei und Renault den Rückzug vom russischen Markt erwäge. Ob das das Aus für Lada bedeutet ist ungewiss.

Was bedeutet das?

Details über eine bevorstehende Aufspaltung will CEO de Meo bei einem Kapitalmarkttag im Herbst verkünden. Aber schon jetzt geht ein Beben durch den französischen Konzern. Die Hoffnung, ein Börsengang des Elektroauto-Geschäfts als selbständige Firma könnte viel Kapital einbringen und Renault fit für die Zukunft machen, ist fürs Renault-Management sehr verlockend. Ob die Beschäftigten vor allem in den Werken der „Old Mobility“ – Verbrennersparte ebenso denken darf bezweifelt werden.

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