Renault-Studie: Der Morphoz fährt über kurz oder lang

Kompaktwagen und Reiselimousine in einem, das will ein weiteres spannendes und elektrisch angetriebenes Renault-Konzept sein. Dank guter Aerodynamik und effizientem Antrieb soll das E-Auto mit nur 40 kWh Akkukapazität bis zu 400 Kilometer weit kommen, mit Zusatzakku 700 Kilometer.

Wandelbar: Im "City"-Modus misst der Morphoz 4,40 Meter, was so gerade noch stadtverträglich wäre. Im Reisebetrieb wächst er auf 4,80 Meter. | Foto: Renault
Wandelbar: Im "City"-Modus misst der Morphoz 4,40 Meter, was so gerade noch stadtverträglich wäre. Im Reisebetrieb wächst er auf 4,80 Meter. | Foto: Renault
Johannes Reichel

Renault hat eine neue, modulare und personalisierbare Elektrofahrzeugstudie vorgestellt. Das wandelbare Concept Car mit dem Namen Morphoz erinnert an die elektrisch-autonome Nissan Crossover-Studie IMQ von Genf 2019 soll einen Ausblick auf die nächste Generation Elektrofahrzeuge der Marke geben, die man für die nächsten Jahren ankündigte.

Der Clou an dem Konzept: Auf Knopfdruck legt das Fahrzeug in der Länge um 40 Zentimeter zu. So verwandelt sich das dem Vernehmen nach wendige Stadtfahrzeug in eine großzügige Reiselimousine, die dank zusätzlicher Batteriekapazität und mehr Kofferraumvolumen auch lange Fernreisen schaffen soll. Je nach Einsatzbereich gewinnen Passagiere und Gepäck dadurch an zusätzlichem Platz, skizziert der Hersteller. Im „City”-Modus misst das Fahrzeug allerdings auch schon recht üppige 4,4 Meter – etwas mehr als ein Renault Mégane – und soll so für alltägliche Fahrten im urbanen Bereich und zum Pendeln geeignet sein. Trotz klein gehaltener 40-kWh-Batterie will die Kompaktstudie bis zu 400 Kilometer Reichweite realisieren, was hohe Effizienz erfordern würde. Man wolle keinen "überdimensionierten Energiespeicher" transportieren, der ohne direkten Nutzen Gewicht und Kosten unnötig in die Höhe treibe, begründet der Hersteller die Strategie.

Zwischen Megane und Talisman: Metamorphose in kurzer Zeit

Dank neuer Plattform und dem kompaktem Antriebsstrang soll das Raumangebot dennoch dem einer höheren Fahrzeugklasse entsprechen. Im sogenannten „Travel”-Modus streckt sich das Fahrzeug dann 4,8 Meter Länge, etwa das Format des oberen Mittelklassemodells Renault Talisman, dessen Nachfolger der Morphoz werden könnte. Der Radstand legt dann von 2,73 auf 2,93 Meter zu. Dabei fährt das Heck hinter der C-Säule aus, und der Vorderwagen rollt um 20 Zentimeter nach vorn. Während die Hinterräder unverändert ihre Position halten, machen die Vorderräder die Vorwärtsbewegung mit, präzisiert der Anbieter. Um die aerodynamische Effizienz zu steigern,werde zugleich der Vorderwagen verlängert. Im Resultat wächst der Fußraum im Fond, im Kofferraum haben zwei Koffer mehr Platz. Außerdem schafft man Raum unter dem Fahrzeugboden für zusätzliche Akkus mit 50 kWh Kapazität, so dass die gesamte Batteriekapazität auf 90 kWh steigt. Damit könne die Studie 700 Kilometer auf der Autobahn zurücklegen, verspricht der Hersteller.

Mehr Power und Kapazität für die Reise: 160 kW und 50 kWh-Zusatzakku

Parallel zur Akku-Kapazität erhöht man im „Travel”-Modus auch die Leistung des Elektromotors, der dann statt 100 kW nun 160 kW aufbietet. Für die Metamorphose vom „City”- zum „Travel”-Modus muss der Morphoz eine spezielle Station ansteuern. Dort würden vollautomatisch und in wenigen Sekunen durch eine Klappe im flachen Unterboden die zusätzlichen Batterien installiert. Am Ende der Reise werden die 50-kWh-Akkus hier wieder entnommen, das Fahrzeug verwandelt sich zurück in einen Kompaktwagen. Bei Nichtgebraucht der Zusatzbatterien, könnten sich nach Vorstellung der Renault-Entwickler unter anderem der Energieversorgung einer Self-Service-Fahrradstation, der Verkehrsinfrastruktur sowie benachbarten Gebäuden zum lokalen Energiemanagement zur Verfügung stehen. Im Alltag soll das Aufladen des wandelbaren Fahrzeugs per Induktion an speziellen Stationen oder während der Fahrt auf hierfür eingerichteten Straßenabschnitten erfolgen.

 

 

Ideen-Träger: Ausblick auf künftigen Elektrofahrzeuge

 

„Der Renault MORPHOZ kündigt die nächste Generation unserer Elektrofahrzeuge an”, versichert Gilles Normand, Senior Vice President Electric Vehicles & Mobility Services, Groupe Renault. Die modulare Plattform CMF-EV soll jedenfalls die elektrische Performance stark steigern. Der weite Radstand in Verbindung mit den weit außen positionierten Rädern ermögliche neue Optionen beim Fahrzeugdesign und der Raumgestaltung, meint Normand weiter. In den sechs Lebensphasen beschreibenden Renault Designphilosophie verkörpert der Renault Morphoz nun den dritten Abschnitt. Das vielseitige Fahrzeugkonzept sei exakt auf die Bedürfnisse junger Familien ausgerichtet, glauben die Franzosen.

Was bedeutet das?

Renault bleibt seinen extrem wilden Denkansätzen in Genf treu! Und kündigt optisch trotzdem schon mal nächste Schritte an.

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