Renault: Ökostrom, Tiefengeothermie und Biomasse reduzieren den CO2-Footprint

Durch strategische Vereinbarungen mit den Unternehmen Voltalia, Engie und Dalkia beschleunigt der Französische Autokonzern die Dekarbonisierung. Ab 2030 soll in den europäischen Werken Klimaneutral produziert werden.

Renault möchte bis 2030 in den europäischen Werken CO2-neutral sein.| Foto: Renault
Renault möchte bis 2030 in den europäischen Werken CO2-neutral sein.| Foto: Renault
Thomas Kanzler

Im Rahmen ihrer Renaulution-Strategie will die Renault Group den Dekarbonisierungsplan für ihre Industriestandorte durch drei strategische Partnerschaften beschleunigen. So schließt der Konzern mit Voltalia für seine französischen Werke den bislang größten Ökostromliefervertrag in Frankreich ab. Hinzu kommt eine Vereinbarung mit Engie über das erste Tiefengeothermieprojekt an einem europäischen Industriestandort, das an der Produktionsstätte Douai umgesetzt wird. In Kooperation mit Dalkia wird die Renault Group im Werk Maubeuge einen Biomassekessel installieren.

Vorzeigewerk ElectriCity in Nordfrankreich

Die Renault Group engagiert sich seit mehr als zehn Jahren für die Energiewende und hat ihre Verpflichtung bekräftigt, bis 2025 an ihren ElectriCity Standorten in Nordfrankreich, bis 2030 in ihren europäischen Werken und bis 2050 weltweit Kohlenstoffneutralität zu erreichen. Der Konzern will dies durch den verstärkten Einsatz von Photovoltaik, Geothermie und Biomasse erreichen.

„Heute machen wir einen strategischen Schritt in Richtung Kohlenstoffneutralität in unseren Werken. Dank der mit Voltalia geschlossenen Partnerschaft wird der Produktionsverbund ElectriCity erstmals mit kohlenstofffreiem und wettbewerbsfähigem Strom versorgt“, erklärte Luca de Meo, CEO der Renault Group, und ergänzte: „Darüber hinaus arbeiten wir bereits an der nächsten Stufe unseres Plans und streben eine kohlenstofffreie Wärmeversorgung für unsere Fabriken an. In Douai sind wir stolz darauf, gemeinsam mit Engie eines der ehrgeizigsten Dekarbonisierungsprojekte an einem europäischen Industriestandort zu starten: die Nutzung von Tiefengeothermie. Dazu kommt ein gemeinsames Projekt mit Dalkia für einen Biomassekessel im Werk Maubeuge. Wir übernehmen Verantwortung und setzen auf Innovation, um den CO2-Fußabdruck unserer Werke zu reduzieren."

Größter Ökostromliefervertrag Frankreichs

Die Renault Group und der auf erneuerbare Energien spezialisierte Energieerzeuger Voltalia unterzeichnen den größten langfristigen Vertrag über die Lieferung von Strom aus erneuerbaren Energien in Frankreich mit einem Umfang von 350 Megawatt. Dies entspricht der Produktion von rund 500 Gigawattstunden pro Jahr ab 2027. Mit einer Laufzeit von 15 Jahren handelt es sich um eine in Frankreich bislang einzigartige Verpflichtung für die nachhaltige Stromversorgung. Mit dieser Vereinbarung kann die Renault Group in Frankreich bis 2027 bis zu 50 Prozent ihres Stromverbrauchs in der Produktion decken.

Voltalia wird ab 2025 in Frankreich Photovoltaikanlagen mit einer Leistung von 100 Megawatt installieren. Die von Voltalia für Renault bereitgestellte Kapazität wird in den folgenden Jahren stetig ansteigen und im Jahr 2027 insgesamt 350 Megawatt erreichen. Diese Vereinbarung deckt den Energiebedarf der Elektromotorenfertigung am Standort Cléon sowie den gesamten nachhaltigen Strombedarf des ElectriCity Clusters ab, des größten und wettbewerbsfähigsten Produktionsverbundes für Elektrofahrzeuge in Europa. Bis 2025 sollen hier jährlich 500.000 Fahrzeuge produziert werden.

„Voltalia ist stolz darauf, ein privilegierter Partner in dieser neuen Phase des Klimaplans der Renault Group zu sein und aktiv zur Dekarbonisierung der Werke im ElectriCity Cluster beizutragen“, sagte Sébastien Clerc, CEO von Voltalia, „Kohlenstofffreien und wettbewerbsfähigen Strom aus erneuerbaren Quellen bereitzustellen, ist die tägliche Aufgabe von Voltalia. Die Partnerschaft unterstreicht, dass wir ein wichtiger Akteur für Ökostromlösungen in Frankreich sind.“

Nutzung von Tiefengeothermie am Standort Douai

Die Renault Group und der Energieversorgungskonzern Engie werden im Werk Douai ein Projekt zur Nutzung von Tiefengeothermie entwickeln, das in Europa bislang einzigartig ist. Das Großprojekt zielt darauf ab, das Werk mit kohlenstofffreier Wärme zu versorgen und 70 Prozent des Gasbedarfs durch lokale und erneuerbare Quellen zu ersetzen. Die Partnerschaft hat eine Laufzeit von 15 Jahren. Mit diesem Engagement wird die Renault Group ihre führende Position bei der Dekarbonisierung ihrer Industriestandorte ausbauen.

Ende 2023 wird Engie über die Tochtergesellschaft Engie Solutions im Werk Douai mit Bohrungen beginnen, um in 4.000 Metern Tiefe Thermalwasser mit einer Temperatur von 130 bis 140 Grad Celsius zu erschließen, das ab 2025 für den Industrie- und Heizbedarf des Werks eingesetzt wird. Das abgekühlte Wasser wird nach der Nutzung in die Lagerstätte zurückgeleitet. Nach Inbetriebnahme werden die Geothermie-Anlagen kontinuierlich eine Leistung von fast 40 Megawatt liefern. Im Sommer, wenn der Wärmebedarf geringer ist, soll die geothermische Energie zur kohlenstofffreien Stromerzeugung genutzt werden.

„Wir freuen uns über die Partnerschaft, die Renault bei der Dekarbonisierung seiner Aktivitäten unterstützt.“ Erläuterte hierzu Cécile Prévieu, Executive Vice President für Energielösungen bei Engie, „die technologische Expertise, die diese geothermische Lösung für einen großen Industriestandort benötigt, zeigt unser Know-how und unsere Innovationsfähigkeit, um unsere Kunden bei der Energiewende zu unterstützen.“

Kohlenstofffreie Wärme im Werk Maubeuge

Um die kohlenstoffneutrale Wärmeversorgung am Standort Maubeuge geht es auch bei der ebenfalls auf 15 Jahre Laufzeit angelegten Partnerschaft der Renault Group mit Dalkia. Die auf erneuerbare Energien spezialisierte Tochtergesellschaft der EDF-Gruppe wird an dem Industriestandort einen Biomassekessel und Abwärmerückgewinnungssysteme installieren. Der Kessel mit einer Leistung von 15 Megawatt soll es dem Werk bis 2025 ermöglichen, 65 Prozent seines Gasbedarfs aus lokalen und erneuerbaren Quellen zu decken.

„Ich möchte der Renault Group für ihr Vertrauen in unsere Arbeit danken.“ Sagte Sylvie Jéhanno, CEO von Dalkia, „die Dekarbonisierung der Industrie steht im Mittelpunkt unserer Aktivitäten und unsere Teams setzen sich sehr dafür ein, dass dieses Biomasse-Heizwerksprojekt im Werk Maubeuge zu einem Meilenstein für die Energiewende in der Region wird.“

Was bedeutet das?

Gute Nachrichten. Renault reduziert den CO2-Ausstoß erheblich. Die zweite gute Nachricht ist, dass die Franzosen, die traditionell etwas entspannter bei der Kernenergie sind, hier wirklich auf erneuerbare Energie setzen.

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