Renault Mobilize: Wachsen mit Services - Einstieg in Lieferdienste

Die Sparte für neue Mobilitätsservices plant bis 2030 ein Fünftel des Umsatzes der Renault Group zu erwirtschaften - mit Vehicle-as-a-Service-Modellen. Auch in den Markt für Lieferfahrzeuge und Letzte Meile will man einsteigen.

Mobilmachung: Die Renault-Tochter Mobilize will in den Liefermarkt einsteigen und mit allen Diensten bis 2030 ein Fünftel des Konzernumsatzes beitragen. | Foto: Renault Mobilize
Mobilmachung: Die Renault-Tochter Mobilize will in den Liefermarkt einsteigen und mit allen Diensten bis 2030 ein Fünftel des Konzernumsatzes beitragen. | Foto: Renault Mobilize
Johannes Reichel

Die Renault Mobilitätsmarke Mobilize hat bei ihrer ersten eigenständigen Analysten- und Investorenkonferenz einen Ausblick auf ihre Strategie gegeben und will bis 2030 ein Fünftel zum Umsatz der Renault Group beitragen. Analog zur Group, die im Januar 2021 ihren Strategieplan Renaulution vorgestellt hatte, präsentierte die Marke ihre eigene Strategie.

„Mobilize verkauft Dienstleistungen und keine Fahrzeuge. Dadurch erzielen wir wiederkehrende Einnahmen und senken gleichzeitig die Nutzungskosten für unsere Kunden. Wir haben beschlossen, die Abschnitte der Mobilitätswertschöpfungskette abzudecken, die das höchste Wachstums- und Margenpotenzial aufweisen", erklärte Clotilde Delbos, CEO von Mobilize.

Deshalb biete man mit dem VaaS- (Vehicle-as-a-Service) Modell und der Nutzung eines integrierten Software-Ökosystems eine Reihe von Dienstleistungen an, die Finanzierungs- und Versicherungslösungen sowie Energie- und Wartungsdienste umfassen. Fahrzeuge werden zu Service-Plattformen, die es ermöglichen, den über ihren Lebenszyklus generierten Umsatz zu verdreifachen, skizzierte Delbos weiter.

Elektromobilität vorantreiben

Auch wenn man selbst keine Fahrzeuge verkaufe, wolle man doch die E-Mobilität vorantreiben. Die angebotenen Dienstleistungen erleichtern die Verbreitung der Elektromobilität und der Shared Mobility. Kunden profitierten außerdem von geringeren Kosten und müssten sich nicht um den Verfall des Restwertes ihres Fahrzeugs sorgen, da Mobilize der Eigentümer bleibe, wirbt man. Gleichzeitig verlängere sich der Produktlebenszyklus, wodurch sich auch der ökologische Fußabdruck verringert. Die Renault-Sparte wiederum will mit dem Modell wiederkehrende und höhere Einnahmen als durch den bloßen Verkauf generieren, so die Hoffnung. Anders als die Automobilindustrie sei man dadurch keinen traditionellen Zyklen unterworfen, argumentiert der Anbieter weiter. Das soll für 20 Prozent des Umsatzes genügen. Bis 2030 will die Marke die Zahl der an Kunden verkauften Finanzdienstleistungen um 70 Prozent auf acht Millionen Einheiten steigern.

Außerdem soll bis 2025 die von Mobilize Financial Services finanzierte Leasingflotte verdoppelt und bis 2030 auf eine Million Einheiten vergrößert werden. Die Flotte soll zu 70 Prozent aus Elektrofahrzeugen bestehen. Die Flottengröße für Mobilitätsanbieter will Mobilize bis 2030 auf 150.000 bis 200.000 Fahrzeuge steigern, sie soll zu 80 Prozent aus Elektrofahrzeugen bestehen. Gegenüber den 22.000 Ladestationen in 2021 geht Mobilize für 2030 von bis zu 165.000 neuen Ladestationen aus. Außerdem setzt der Anbieter sich das Ziel, eine zweistellige Marge für jede Dienstleistungskategorie zu erreichen und bis 2025 eine ausgeglichene Betriebsmarge für Aktivitäten außerhalb von Mobilize Financial Services zu erreichen.

Softwaredefinierte Fahrzeuge im Blick

Das Modell basiere auf einem "vollständig integrierten Software-Ökosystem", das es ermöglichen soll, vom Auto aus alle Arten von Dienstleistungen sowohl für gewerbliche als auch für Privatkunden anzubieten. Das System stützt sich dabei auf Komponenten, die bereits in den Tochtergesellschaften wie Zity by Mobilize im Einsatz sind. Durch die Gruppe hat man so Zugang zu mehr als 600 Entwicklern und plant, bis 2023 die erste Version eines softwaredefinierten Fahrzeugs auf den Markt zu bringen. Außerdem entwickelt die Sparte durchaus weiter eigene vollelektrische Fahrzeuge, die speziell auf die Nutzung durch Einzelpersonen, für die gemeinsame Nutzung und für die intensive Nutzung konzipiert sind. Obwohl die Dienste marken- und fahrzeugunabhängig sind, sollen die speziellen Modelle den Mobilitätsbetreibern eine maximale Senkung ihrer Gesamtnutzungskosten ermöglichen. Das Design der Fahrzeuge sei vor allem auf Langlebigkeit, einfache Wartung und Reparatur sowie eine geringe Umweltbelastung hin entwickelt.

Mobilize steigt in Zustellmarkt ein

Der Anbieter richtet sich mit seinem Angebot zum einen an Privatkunden und kleine bis mittlere Fuhrparks. Daneben bietet die Mobilitätsmarke mit Mobilize Driver Solutions eine Reihe von Dienstleistungen für die Fahrer und Betreiber von Taxiunternehmen und Shuttle-Services an, z.B. Abonnements für das vollelektrische Fahrzeug LIMO inklusive Versicherungen und Wartung. Darüber hinaus steigt Mobilize mit seinem Dienstleistungsangebot in den Markt der Zustellung auf der letzten Meile ein, kündigte man weiter an.

Batterien mit Doppelleben

Die neue Marke hatte darüber hinaus bereits im Juni 2021 eine Kooperatioin mit dem deutschen Start-up betteries AMPS GmbH bekanntgegeben. Ziel der Zusammenarbeit sei die Herstellung von mobilen, modularen und vielseitig einsetzbaren Energiespeichersystemen auf Basis ausgedienter E-Auto-Batterien. Hintergrund: Selbst wenn sie nicht mehr für den Einsatz in Elektrofahrzeugen geeignet sind, sind die Akkus immer noch wertvoll und können nach ihrem ersten „Leben“ und vor ihrem Recycling noch Energie für verschiedene Anwendungen liefern.

Das gemeinsam entwickelte Mehrzweck-Energiesystem besteht aus ein bis vier 2,3-kWh-Einheiten (betterPacks), die eine maximale Kapazität von 9,2 kWh erreichen. Das entspricht in etwa dem durchschnittlichen Tagesverbrauch eines Haushalts. Da das System emissionsfrei und geräuschlos arbeitet, eignet es sich als transportabler Stromerzeuger für viele Einsatzmöglichkeiten, wo ein Anschluss an das Stromnetz nicht möglich ist: Baustellen, Food Trucks, Solarenergiespeicher, Filmdrehs und Events oder auch auf kleinen Elektrobooten. Die Fertigung dieses innovativen Speichersystems wird im September 2021 in der Re-Factory der Renault Group in Flins beginnen.

Die Shared-Mobility-Fahrzeuge:

Mit DUO, BENTO und HIPPO präsentiert die Marke drei vollelektrische Shared-Mobility-Fahrzeuge für den Transport von Personen und Gütern. Die neu entwickelten Fahrzeuge lassen sich nicht kaufen, Nutzer zahlen lediglich für den Gebrauch entsprechend der genutzten Zeit oder den zurückgelegten Kilometern.

Der zweisitzige, kompakte und vernetzte  DUO wurde mit Blick auf Carsharing-Dienste entwickelt und entsprechend an die Bedürfnisse von Städten und Betreibern angepasst. Der DUO greift das Prinzip der Kreislaufwirtschaft auf und soll zu 50 Prozent aus recycelten Materialien bestehen. Dank der Renault Group Re-Factory in Flins soll er am Ende seines Lebenszyklus zu 95 Prozent recycelbar sein.

Der BENTO ist für den Lieferverkehr oder den Transport von kleinen Gütern vorgesehen. Das Design des vollelektrischen Fahrzeugs basiert auf dem DUO. Der Stauraum ist auf den Transport von Kleingütern ausgelegt und bietet ein Gesamtvolumen von bis zu einem Kubikmeter. Durch sein kompaktes Design ist der BENTO einfach zu parken, was ihn besonders praktisch für Handwerker und Kuriere im urbanen Raum macht.

Der HIPPO ist ein modulares Fahrzeug, das für die Zustellung auf der letzten Meile konzipiert wurde. Das leichte, vollelektrische Nutzfahrzeug soll damit zu emissionsfreien Städten beitragen. Durch sein modulares Design verfügt der HIPPO über mehrere austauschbare Frachtmodule, etwa für Kühltransporte und die Paketzustellung, und wird so den Bedürfnissen unterschiedlichster Nutzer gerecht. Das Ladevolumen beträgt bis zu drei Kubikmeter bei einer Traglast von bis zu 200 Kilogramm.

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