Renault: Mégane e-Vision und Dacia Spring sorgen für starke Herbstbrise

Der neue Renault CEO Luca de Meo gab einen starken Einstand: Auf der von Renault veranstalteten „Eways“-Konferenz im Hangar Y in Meudon nahe Paris gab man konkrete Ausblicke auf neue elektrifizierte Modelle.

Die seriennahe Studie Mégane e Vision entspricht zu 95 Prozent der Serie. | Foto: Renault
Die seriennahe Studie Mégane e Vision entspricht zu 95 Prozent der Serie. | Foto: Renault
Gregor Soller

Lange schon kursierten Gerüchte, ob und in welcher Form der elektrische Dacia Spring bei der rumäischen Submarke die Elektromobilität einläuten würde. Jetzt wurde er offiziell vorgestellt. Noch spannender war aber der konkrete Ausblick auf ein neues elektrisches Renault-Kompaktmodell, das kein SUV ist, sondern als seriennahe Studie des Renault Mégane vorgestellt wurde. Damit ist der Kompakte das erste Renault-Modell auf der CMF-EV-Plattform, die auch Nissan nutzt. Die Studie soll laut de Meo bereits zu 95 Prozent dem Serienstand entsprechen und sie schlägt wieder ein neues Kapitel in der Renault-Historie auf. Das Renault-Logo an der Front ist illuminiert, und auch vorn gibt es ein durchgehendes Leuchtenband das Design. Mit den Lichtsegmenten möchte man außerdem das Renault-Logo von 1972 zitieren. Die LEDs sind wichtig, denn laut de Meo soll das neue Modell „aus 100 Metern Entfernung als Renault erkennbar sein“.

Mutiger und sinnvoller Ansatz: Endlich werden die Autos wieder kleiner

Und da de Meo Italiener ist, fuhr er natürlich in bildreicher Sprache fort: Er erklärte, dass der neue Mégane „mit einem goldenen E“, geschrieben werde, das zeigen soll, wie wichtig E-Tech für Renault sei. Im Gesamtprogramm macht man jetzt Druck: Bis 2022 soll von jedem neuen Modell eine elektrische oder elektrifizierte Version angeboten werden und in fünf Jahren sollen laut de Meo 50 Prozent aller verkauften Fahrzeuge elektrisch oder ein Hybrid sein. Deshalb soll dem Mégane eine ganze Modellfamilie auf Basis der CMF-EV folgen. Der Kompakte, der Ende 2021 in Serie gehen soll, soll einen brutto 60 kWh leistenden Akku haben, der eine WLTP-Reichweite von bis zu 450 ermögliche – andere Modelle auf Basis der Plattform sollen noch höhere Reichweiten erzielen. Das Akkupaket baue nur nur elf Zentimeter hoch und soll so zur guten gute Aerodynamik beitragen.

In Sachen Leistung steigt man oben ein und hätte so eher einen „Hot Hatch“: Denn die vorn verbaute E-Maschine soll 160 kW leisten, was für starke Fahrleistungen sorgen dürfte. Die Daten des Mégane RS könnte man dann erreichen, wenn man den zweiten E-Motor im Heck dazupackt. Zur Ladeleistung machte de Meo noch keine genauen Angaben, man solle aber in 30 Minuten Strom für 200 Kilometer nachladen können – was eher Durchschnitt ist und sich eher nach 50- als nach 100 kW-Schnelllader anhört.

Auch Renault schöpft die Vorteile der E-Plattform aus, aber umgekehrt wie VW beim MEB respektive ID.3: Der baut so groß wie Golf und Co, bietet aber innen etwas mehr Platz. Der Renault ist mit 4,21 Metern jedoch rund 15 Zentimeter kürzer als das aktuelle Verbrenner-Modell und immerhin noch sieben Zentimeter kürzer als ein VW Golf 8 und soll auf dem kompakteren Raum aber das bekannte Platzangebot bieten.

Dacia Spring soll auch als Cargo-Version kommen

Zweite Neuheit war der lange erwartete Dacia Spring, der als modifizierter Ableger des in China verkauften Renault City K-ZE kommen soll und einst als Renault Kwid in Indien startete – als Verbrenner. Der Spring soll einen 33 kW-Antrieb und einen 26,8 kWh bietenden Akku haben. Die Batterie erlaubt laut Dacia eine Reichweite im praxisnahen WLTP-Testzyklus von bis zu 225 Kilometern. Die WLTP-Reichweite im City-Zyklus beträgt 295 Kilometer. Die Reichweite lässt sich zusätzlich per Knopfdruck verlängern: Im ECO-Modus wird die Leistung auf 23 kW begrenzt und die maximale Höchstgeschwindigkeit sinkt zugunsten der Reichweite auf 100 km/h.

Die Neuwagengarantie beträgt drei Jahre oder 100.000 Kilometer, die Batteriegarantie besteht für acht Jahre oder 120.000 Kilometer Laufleistung. Der Spring ist 3,73 Meter lang, 1,62 Meter breit und 1,49 Meter hoch. Der Radstand von 2,42 Metern soll auch größeren Mitfahrern genügend Platz bieten, der Kofferraum fasst bis zu 300 Liter (bis zu 600 Liter bei umgeklappten Rücksitzlehnen), außerdem soll es eine Nutzfahrzeugversion mit 800 Litern Laderaum geben, die später folgen soll. Am Wechselstrom soll der Spring mit bis zu 6,6 kW laden können. An einer Wallbox mit 3,7 kW liegt die Ladezeit bei weniger als acht Stunden, mit 7,4 kW oder mehr sind es fünf Stunden. Optional soll auch ein 30-kW-DC-Lader verfügbar sein, die Ladeleistung wird angesichts der Akkugröße aber nicht über den gesamten Ladevorgang verfügbar sein, immerhin soll der Spring in weniger als einer Stunde auf 80 Prozent geladen werden können.

Wer dachte, jetzt gibt es Pläne zum Verkaufsstart, wurde enttäuscht: Denn der Dacia Spring soll zwar ab Anfang 2021 auf den Markt kommen – aber nur in einer Version für das Renault-eigene Carsharing „Zity“. Interessierte Privatkunden müssen sich gedulden: Sie sollen den Spring zwar noch „vor dem Sommer 2021“ bestellen können, die Auslieferungen sollen aber erst im Herbst 2021 starten. Preise nannte man noch nicht, aber kündigte ein unschlagbares Preis-Wert-Verhältnis an.

Für die Zukunft wurden diesmal nur dezente Ziele genannt

Mit den CO2-Zielen ist Renault aber im Reinen und dürfte sie nicht reißen: Renault kündigte gegenüber der EU-Kommission die Absicht an, seinen CO2-Pool zu öffnen. Laut einer Auswertung von Transport&Environment (T&E) war Renault im ersten Halbjahr nur zwei Gramm von seinem CO2-Ziel entfernt. Die Verkäufe des Zoe sollen laut der T&E-Rechnung in den ersten sechs Monaten des Jahres den Flottenausstoß von Renault um üppige 15 Gramm gesenkt haben. Und zumindest in Deutschland wird Zoe weiter gepusht: Aktuell für 99 Euro Leasingrate aber inklusive Akku! Entsprechend hgehört der Stromer mittlerweile zu den bestverkauften Renault-Modellen, E-Topseller ist er in Europa ohnehin seit Jahren. Bis 2050 will Renault laut de Meo wenigstens in Europa CO2-neutral sein. Als Zwischenziel bis 2030 will der Konzern mit den neuen Stromern seine CO2-Emissionen gegenüber 2010 um 50 Prozent senken.

CO2-Pooling: Neue Allianzen

Wenn Renault seinen CO2-Pool öffnet, gäbe es viele mögliche Partner: So gehört laut der T&E-Auswertung Daimler zu den Schlusslichtern, da noch neun Gramm zum CO2-Ziel fehlen. Aber auch Ford bringt wegen der technischen Probleme beim Kuga PHEV und dessen Rückruf nicht mehr genügend Plug-in-Hybride auf die Straße, so dass die Amerikaner ihre CO2-Flottenziele aus eigener Kraft nicht mehr erreichen können. Entsprechend könnte sich auch hier eine Allianz ergeben. Bei den Nutzfahrzeugen kommt Ford jedoch hin und tut sich mit VW zusammen. Die Wolfsburger ihrerseits poolen mit SAIC und in Europa ausgerechnet mit MG, da die chinesisch-britische Marke mittlerweile viele reine Stromer verkauft.  

Was bedeutet das?

Renault geht mit der Präsentation jedoch erste Schritte Richtung neuer Strategie: Und die bevorzugt „Elektrofahrzeuge, leichte Nutzfahrzeuge, Kreislaufwirtschaft und Innovationen mit hoher Wertschöpfung“. Man darf gespannt sein, wie CEO Luca de Meo die Zukunft trotz Sparprogramm gestalten wird. Die ersten beiden Schritte sind jedenfalls getan – doch viele weitere müssen folgen.

 

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