Renault macht mobil: Marke Mobilize bündelt Zukunftsthemen

Von Energie bis Batterie: Die Franzosen tragen dem Trend zu Sektorkoppelung und geteilter Mobilität Rechnung und skizzieren ihre Roadmap auf der Messe VivaTech. Kooperation mit Inselgemeinde, betteries und Line-up an Sharing-Mobilen.

Renault mobilisiert: Die Submarke wird zum Dreh- und Angelpunkt für elektrische und geteilte Mobiltiät sowie Energie- und Flottendienstleistungen. | Foto: Renault
Renault mobilisiert: Die Submarke wird zum Dreh- und Angelpunkt für elektrische und geteilte Mobiltiät sowie Energie- und Flottendienstleistungen. | Foto: Renault
Johannes Reichel

Die Mobilitätsmarke Mobilize des französichen Autoherstellers Renault will die Entwicklung nachhaltigen Verkehrs beschleunigen und präsentiert auf der jährlichen Konferenz VivaTech seine Projekte für die nächsten Jahre.Mit Duo, Bento und Hippo stellt die Renault-Marke allem voran drei vollelektrische Shared-Mobility-Fahrzeuge für den Transport von Personen und Gütern, die nicht zu kaufen sind. Nutzer zahlen für den Gebrauch nach Zeit oder zurückgelegten Kilometern. Der zweisitzige, kompakte und vernetzte Duo wurde mit Blick auf Carsharing-Dienste entwickelt und entsprechend an die Bedürfnisse von Städten und Betreibern angepasst. Das Mikromobil greift Prinzip der Kreislaufwirtschaft auf, soll zu 50 Prozent aus recycelten Materialien bestehen und in der Re-Factory in Flins am Ende seines Lebenszyklus sogar zu 95 Prozent recycelbar sein.

Elektrisch geliefert: Mini-Frachter oder Modul-Van

Der Bento auf Basis des Duo peilt auf den Lieferverkehr oder den Transport von kleinen Gütern. Der Stauraum ist auf den Transport von Kleingütern ausgelegt und bietet ein Gesamtvolumen von bis zu einem Kubikmeter. Das kompakte Konzept soll leicht zu parken sein und damit ideal für urbanes Gewerbe. Der Hippo wiederum soll als modulares Fahrzeug für die Zustellung auf der letzten Meile gestaltet sein. Die tauschbaren Frachtmodule erlauben etwa Kühltransporte oder die Paketzustellung. Das Ladevolumen beträgt bis zu drei Kubikmeter bei einer Traglast von bis zu 200 Kilogramm.
 

Kooperation mit betteries: Akkus mit Doppelleben

Die Renault-Submarke kooperiert zudem mit dem deutschen Start-up betteries AMPS GmbH in einer Industriepartnerschaft. Ziel sei die Herstellung von mobilen, modularen und vielseitig einsetzbaren Energiespeichersystemen auf Basis ausgedienter E-Auto-Batterien und noch vor dem Recycling. Das gemeinsam entworfene Mehrzweck-Energiesystem besteht aus ein bis vier 2,3-kWh-Einheiten (betterPacks), die eine maximale Kapazität von 9,2 kWh erreichen, etwa der durchschnittliche Tagesverbrauch eines Haushalts. Da das System emissionsfrei und geräuschlos arbeite, eigne es sich als transportabler Stromerzeuger, wo ein Anschluss an das Stromnetz nicht möglich ist: Baustellen, Food Trucks, Solarenergiespeicher, Filmdrehs und Events oder auch auf kleinen Elektrobooten. Die Fertigung des Speichersystems soll im September 2021 in der Re-Factory der Renault Group in Flins beginnen.

Dienstleistungen unter der Marke

Darüber hinaus hat man unter dem Dach der Marke mehrere Initiativen und Start-ups zusammengeführt, die im Mobilitäts- und Energiesektor tätig sind. Aus Zity, dem Free-Floating-Carsharing-Dienst wird daher Zity by Mobilize. Das Carsharing-Joint Venture der Renault Group und Ferrovial ist bereits seit 2017 in Madrid sowie seit 2020 in Paris und der Region Greater Paris aktiv, mit über 1.250 Elektrofahrzeugen (750 in Madrid und 500 in Paris) und mehr als 430.000 Kunden. Im Laufe dieses Jahres soll das Angebot auf weitere Städte ausgeweitet werden.

Flexible Vermietung von Fahrzeugen

Renault Mobility, der Vermittlungs- und Selbstbedienungs-Mietservice wird zu Mobilize Share. Der Service bietet eine breite Palette an Renault Mietfahrzeugen (Stadtfahrzeuge, Limousinen sowie Familien- und Nutzfahrzeuge usw.), darunter auch eine Auswahl an Elektrofahrzeugen, die den Bedürfnissen von Privatpersonen und gewerblichen Nutzern entsprechen. Die Vermietdauer reicht von einem Tag bis zu einem Monat. Auch 24/7-Stundenvermietungen für Selbstbedienungsfahrzeuge sind verfügbar. Die Flotte verfügt in Europa über 15.000 Fahrzeuge (davon 4.000 Elektrofahrzeuge), die mehr als eine Million Kunden nutzen. Darüber hinaus soll demnächst das erste vollelektrische Carsharing-Angebot von Mobilize Share im italienischen Bergamo und vier Nachbargemeinden starten.

Ökonomisch und ökologisch: Beratung für bessere Flotten

Aus Elexent Lösungen für das Laden von EV-Flotten wird Mobilize Power Solutions und soll von der Beratung über das Design bis hin zur Installation und dem Betrieb von Ladestationen Lösungen anbieten, mit Fokus auf Betriebskostenoptimierung, Energieoptimierung und Strategien für erneuerbare Energien. Der Dienst ist inzwischen in elf Ländern in Europa tätig. Zudem setzt man auf Kooperationen: Mit BlaBlaCar, MOBILIZE, der RATP Gruppe und Uber bringe ein neues Projekt wichtige Mobilitätsakteure zusammen. In Kooperation will man ergänzendes Know-how nutzen, um einfachere, umweltfreundlichere und nachhaltige Shared-Mobility-Lösungen für Städte und Bürger anzubieten, wie es aus dem Konzern heißt.

Reif für die Insel: Energiewende auf dem Eiland

Zusammen mit den Unternehmen Enedis und Qovoltis hat man eine Partnerschaft mit der Gemeinde Île d’Yeu auf der gleichnamigen Insel vor der französischen Westküste geschlossen. Ziel ist es, die Insel auf ihrem Weg zur Energiewende zu unterstützen. So will man in Kooperation mit den lokalen Akteuren die Umstellung auf Elektrofahrzeuge auf der Insel beschleunigen, einschließlich Ladeinfrastruktur als zentraler Punkt bei der Energiewende der Insel. Dazu sieht das Projekt die optimale Nutzung von Solarenergie und die Einbindung von Elektrofahrzeugen in das lokale Energienetz vor (Vehicle to Grid). Die Renault Group hatte bereits 2018 eine Initiative gestartet, um die zu Portugal gehörende Insel Porto Santo kohlenstoffneutral zu machen.

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