Renault: Kahlschlag durch Sparprogramm?

Renault plant mehreren Medienberichten zufolge ein milliardenschweres Sparprogramm „ohne Tabus“. Das könnte zu einem Kahlschlag bei Modellpalette und den französischen Werken führen.

Erst 2017 feierte man das 18 Millionste Auto aus Flins. 20 Millionen werden es nach aktuellen Plänen wohl nicht mehr werden. | Foto: Renault
Erst 2017 feierte man das 18 Millionste Auto aus Flins. 20 Millionen werden es nach aktuellen Plänen wohl nicht mehr werden. | Foto: Renault
Gregor Soller

Wie mehrere Plattformen berichten plant Renault offenbar einen massiven Umbau der Modellpalette und Werke. Demnach könnten die Vans Scenic und Espace ebenso ohne Nachfolger bleiben wie die Mittelklasse-Modelle Talisman. Auch die Alpine könnte samt dem Werk in Dieppe schon wieder auf der Kippe stehen. Das Problem dabei: Alle Modelle gehören zu den größeren, margenstärkeren Renault-Fahrzeugen, die vor allem Image und Rendite bringen, aber kaum noch Stückzahlen, da Minivans, Limousinen und Sportwagen gegenüber SUC und Crossover immer weiter an Boden verlieren.

Außerdem möchte Renault laut der Plattform „Automobilwoche“ mehrere Werke in Frankreich für immer schließen. Besonders bitter: Dazu gehört auch das heute älteste und einst größte Montagewerk in Flins bei Paris, das verkleinert und umgewidmet werden könnte. Laut Automobilwoche könnte die Fahrzeugmontage in Flins 2022 auslaufen, wenn die aktuelle Version Zoé am ihres Lebenszyklus steht. Schon mit der Umstellung der Clio-Generationen auf die aktuelle Version wurde Flins erheblich verkleinert: Die Produktion des Volumenmodells wurde mit der aktuellen Version nach Slowenien und in die Türkei verlagert. Ebenfalls bitter: Laut Automobilwoche soll auch das einstige Alpine-Werk Dieppe geschlossen werden, in der man die aktuellen Alpine-Modelle fertigt, allerdings in kleinen Stückzahlen wie einst im Manufakturstil. Das Werk beschäftigt rund 400 Mitarbeiter. Damit steht laut Automobilwoche auch ein Fragezeichen hinter der gerade erst inhaltlich erfolgreich wiederbelebten Marke Alpine. Außerdem sollen laut Automobilwoche die Komponentenwerke in Choisy-le-Roi bei Paris mit 250 Mitarbeitern und die Gießerei in Morbihan in der Bretagne mit rund 400 Mitarbeitern geschlossen werden. Ein Unternehmenssprecher sagte der Automobilwoche allerdings, die Berichte seien Spekulationen und würden vom Unternehmen nicht kommentiert.

Das Werk Flins wurde 1952 eingeweiht. Im Rekordjahr 1979 wurden gut 412.000 Autos dort montiert und das Werk beschäftigte mehr als 22.000 Mitarbeiter. Zuletzt montierten rund 2.600 Mitarbeiter noch knapp 160.000 Fahrzeuge pro Jahr, wobei das Hauptvolumen jetzt auf den Zoé entfällt. Genaueres wird man am 29.Mai 2020 wissen. Dann will Renault einen Restrukturierungsplan mit Kosteneinsparungen von jährlich rund zwei Milliarden Euro vorlegen, am 28.5.2020 plant auch Allianzpartner Nissan eine solche Bekanntgabe.

Schwierig an der Gesamtsituation: Der französisische Staat hält immer noch 15 Prozent an der Renault-Gruppe und dürfte bei einer Schließung von Flins erhebliche Zugeständnisse von der Unternehmensführung fordern. Erst Mitte Mai hatte die Regierung einer staatlichen Garantie für einen fünf Milliarden-Euro-Kredit für Renault zugestimmt. Die Oppositionspolitikerin und Rechtspopulistin Marine Le Pen kritisierte, dass die Milliardenhilfe keine Verpflichtung beinhalte, die Beschäftigung im Inland zu sichern. Renaults Interims-Chefin Clotilde Delbos gab dabei gleich eine harte Gangart vor:

„Wir haben keine Tabus und schließen nichts aus."

Bei der Vorlage der Bilanz 2019 Ende April hatte sie bereits betont, dass staatliche Hilfen keine Kapazitätsanpassungen verhindern würden. Renault musste sich allerdings bereiterklären, für 2019 auf eine Dividende für die Aktionäre zu verzichten. Der Chef der Gewerkschaft CGT, Philippe Martinez forderte eine andere Strategie für Renault. Auch Regierungssprecherin Sibeth Ndiaye erklärte, dass die Corona-Krise habe Probleme der Branche noch verstärkt habe:

„Die Lage des Automobilsektors in Frankreich und weltweit ist äußerst besorgniserregend.“

Auch der französische Wirtschafts- und Finanzminister Bruno Le Maire will einen Plan für die Branche vorlegen.

Was bedeutet das?

Die Corona-Krise hat die Automobilwirtschaft weltweit hart getroffen. Doch während die Premiumhersteller mit hohen Margen im schlechtesten Fall mit einer Minimalmarge und -rendite  rechnen, stehen andere Hersteller, die auch stärker vom Privatgeschäft abhängen, mit den Rücken zur Wand. Heißt im Falle Renault: Man schrumpft Modellpalette und Produktion noch weiter Richtung Klein- und Kompaktwagen, was langfristig wiederum Marge und Image weiter unter Druck bringt. Auch Alpine passt dann nicht mehr ins Konzept – auch, weil die Wiederbelebung der Marke einst eher halbherzig betrieben wurde. Womit Renault auch noch Imagepunkte verliert. Heißt am Ende: Renault muss auch die Fertigung der margenschwachen Modelle immer weiter aus Frankreich an günstigere Standorte wegverlagern, was die Marke auch auf dem Heimatmarkt zusätzlich schwächt. Womit eine Spirale in Gang gesetzt wird, die aktuell nur eine Richtung kennt: Nach unten. Insofern darf man gespannt sein, wie Luca di Meo den Karren der Franzosen aus dem Dreck ziehen möchte, um diese Abwärtsspirale umzukehren.  

 

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