Renault goes Retro: Dem elektrischen R5 folgt ein R4-Stromer

Von einer "Nouvelle Vague" spricht Renault-CEO Luca de Meo und gibt neben dem ersten Blick auf den elektrifizierten R5 einen Ausblick auf eine elektrische R4-Neuauflage. Außerdem soll das Mittel- und Oberklasse-Segment gestärkt werden - mit Fokus auf elektrisch.

Augenblick, mal! Wer sich hier an den Renault 4 erinnert fühlt, könnte richtig liegen. Offenbar plant Renault ein Remake des Klassikers für das Elektrozeitalter. | Foto: Screenshot
Augenblick, mal! Wer sich hier an den Renault 4 erinnert fühlt, könnte richtig liegen. Offenbar plant Renault ein Remake des Klassikers für das Elektrozeitalter. | Foto: Screenshot
Johannes Reichel

Der französische Automobilhersteller Renault hat im Rahmen der Vorstellung seiner Unternehmensstrategie auch einen ersten Ausblick auf die weitere Modellpalette gegeben. Dabei greift man insbesondere "ikonische" Modelle der Marke wieder auf und transferiert das Design ins Zeitalter der Elektromobilität. Neben dem bereits gezeigten Remake des Kleinwagens R5 stach bei der Präsentation vor allem der Plan heraus, auch den R4 als Elektrovariante wiederauflegen zu wollen. Die Silhouette zeigte den typischen R4-Grill mit den prägnanten zwei runden Scheinwerfern, allerdings auch ein Modell mit Kastenaufbau. Ob es sich bei dem mit dem Arbeitstitel "4ever" bezeichneten Fahrzeug um einen vollelektrischen Transporter unterhalb des gerade neu gelaunchten Kangoo oder mehr ein lifestyligen Großraumkleinwagen im Stile des Renault Modus handelt, wurde allerdings noch nicht klar. Man wolle den elektrischen Modellen den "Renault-touch" geben, erklärte Renault-CEO Luca de Meo bei der Webpräsentation.

"Nouvelle Vague": Die Welle selbst machen

Er sprach zudem von einer "Nouvelle Vague", der man nicht folgen, sondern die man selbst anstoßen wolle, über die gesamte Bandbreite der neuen Mobilität. Man wolle innovative und zeitgemäße Maßstäbe in der Automobilindustrie setzen. Ziel sei es, die Führungsrolle bei der Energiewende durch Elektro- und Wasserstofflösungen zu stärken und bis 2025 den grünsten Antriebsmix aller Hersteller in Europa anzubieten.

Dazu kündigte der Hersteller 14 neue Modelle, davon sieben vollelektrisch, wobei in einer weiteren Meldung sogar von zehn rein elektrischen Fahrzeugen bis 2025 die Rede war. Von allen Neuheiten werde es eine Elektro- oder Hybridversion geben, so der Hersteller. Zudem wolle man das Produktportfolio zu Gunsten des C-Segments verschieben: Sieben der 14 neuen Modelle werden im C/D-Segment angesiedelt sein, so die Ankündigung. Das generelle Ziel für 2025: 45 Prozent des Verkaufsanteils will der Hersteller in den oberen Segmenten absetzen und dabei gleichzeitig die Führung im B-Segment festigen.

Historie verknüpft mit Zukunft

Der für 2024 avisierte elektrische Renault 5 Prototype verkörpere dabei die "Nouvelle Vague": Das Modell sei zum einen stark mit der Historie von Renault verbunden, stehe aber gleichzeitig für die Zukunft der Marke und werde Elektroautos populär machen, ist sich de Meo sicher. Dabei dürfte das Fahrzeug deutlich breiter geeignet sein als nur als Stadtauto: Schließlich nannte der Hersteller eine Reichweite von 400 Kilometern für den Kleinwagen.

"Wir werden uns zu einer Marke entwickeln, die für saubere Energien steht, indem wir unsere Führungsposition bei Elektrofahrzeugen mit dem ,Electro Pole Projekt’ stärken und in Wasserstoff investieren, um bis 2025 den grünsten Mix in Europa zu erreichen", kündigte de Meo an.

Viele der innovativen Lösungen entstehen in der sogenannten Software Factory, wo mehr als 1.000 Ingenieure arbeiten, die sich auf Software, Daten und Cloud-Services spezialisiert haben. Auch die Re-Factory am Industriestandort Flins verkörpert den zeitgemäß nachhaltigen Ansatz von Renault. Dort betreibt die französische Marke als erster Mobilitätsanbieter Europas eine Produktionsstätte mit Kreislaufwirtschaft.

Die Marke Renault werde sich durch die Neuausrichtung der Strategie auf drei Feldern weiterentwickeln: Man wolle zur Technologiemarke mit dem Ansatz eines umfassenden Ökosystems, das darauf abzielt, weltweit führende Mobilitäts-OEMs und Zulieferer der nächsten Generation hervorzubringen. Dieses Ökosystem mit dem Namen „Software République” werde es Renault sowie auch anderen Gründungsmitgliedern und zukünftigen Partnern ermöglichen, gemeinsam Kompetenzen zu entwickeln, europäisches Know-how aufzubauen und die Unabhängigkeit in Schlüsseltechnologien von Big Data bis Elektronik zu verteidigen. Damit sollen die Fahrzeuge mit führenden Systemen für künstliche Intelligenz und Cybersicherheit ausgestattet werden.

Zweitens werde der Hersteller eine Servicemarke, die in seinen Fahrzeugen die beste Konnektivität und die besten High-Tech-Services anbieten will. Für 2022 kündigte man My Link an, ein neues Infotainment-System mit Google-Integration, nach eigener Ansicht als erster Großserienhersteller.

"Konsumzyklus durchbrechen": Renault bläst zur Auto-Revolution

Zudem will man der Nachhaltigkeit auch über ein längeres Autoleben Rechnung tragen. Die sogenannte Re-Factory in Flins (Frankreich) soll den Versuch unternehmen, den "Konsumzyklus zu durchbrechen und einen dauerhaften Mehrwert bis zum endgültigen Ende der Lebensdauer der Fahrzeuge zu schaffen", wie es heißt. Das Werk will zukünftig mehr als 100.000 Gebrauchtwagen pro Jahr aufbereiten sowie Diesel-Lkw auf Biogas und reine E-Antriebe umrüsten. Darüber hinaus verfolgt man eine Strategie für die Wiederverwendung und das Ende der Lebensdauer von Batterien, wodurch ganz neue Geschäftsfelder und Werte entstehen sollen.

Kein Greenwashing: Marke für saubere Energie

Als dritten großen Punkt will der Hersteller eine Marke für saubere Energie werden, die auch eine führende Rolle in der eng verquickten Energiewende einnimmt. Auch die verwendete Energie müsse aus regenerativen Quellen stammen, bekräftigte de Meo. Man dürfe kein "Greenwashing" betreiben, das falle nur auf den Hersteller zurück, ist de Meo sicher - und bezog dies auch auf die kommende Euro-7-Norm für Verbrenner.

Man fordere mit der E-Tech-Technologie derzeit die Marktführer auf dem Hybridmarkt heraus und werde seine Führungsposition auf dem Elektromarkt mit neuen Produktfamilien auf Basis der beiden speziellen Elektroplattformen CMF-EV und CMF-B EV behaupten. Um den grünsten Mix auf dem europäischen Markt zu erreichen, werde man darüber hinaus marktreife, durchgängige Wasserstofflösungen für leichte Nutzfahrzeuge anbieten. Jüngst war hier bereits für dieses Jahr der Transporter Master als Hydrogen-Variante mit über 500 Kilometer Reichweite angekündigt worden.

 

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