PwC-Umfrage: Deutsche wollen CO2 sparen - und fahren doch mehr Auto

Die Berater ermitteln im Digital Auto Report I, dass 70 Prozent der der Deutschen bereit wären, ihr Mobilitätsverhalten zu ändern, um CO2 einzusparen. Aber zum Handeln ist es noch ein Schritt. Und viele bevorzugen das Auto vor dem ÖPNV, weil es doppelt so schnell ist.

Verbale Bereitschaft, bei gleichzeitiger Verhaltensstarre: Eigentlich wollen die Deutschen CO2 im Verkehr einsparen, aber mit den Öffis fahren wollen sie nicht. Stattdessen liegt das Auto wieder voll im Trend. | Grafik: PwC
Verbale Bereitschaft, bei gleichzeitiger Verhaltensstarre: Eigentlich wollen die Deutschen CO2 im Verkehr einsparen, aber mit den Öffis fahren wollen sie nicht. Stattdessen liegt das Auto wieder voll im Trend. | Grafik: PwC
Johannes Reichel

Die Strategietochter der Beratungsgesellschaft PricewaterhouseCoopers (PwC) hat in ihrem ersten diesjährigen Digital Auto Report per Umfrage ermittelt, dass 70 Prozent aller Deutschen bereit wären, ihr Mobilitätsverhalten zu ändern, um die CO2-Emissionen zu reduzieren. Doch trotz der hohen Bereitschaft, den eigenen CO2-Fußabdruck zu reduzieren, signalisierten die Deutschen auch für die Zeit nach Abklingen der Corona-Pandemie eine ausgeprägte Affinität zum Individualverkehr, wie Strategy& ermittelte. Zudem geben 30 Prozent der Befragten an, überhaupt nichts ändern zu wollen. In China sind es sogar 97 Prozent, in den USA dagegen nur 52 Prozent, die überhaupt bereit sind, ihr verhalten zu ändern. In Deutschland will knapp die Hälfte in Zukunft kürzere Distanzen vermehrt zu Fuß oder mit dem Fahrrad zurücklegen, 26 Prozent nehmen sich einen Komplettverzicht auf Kurzstreckenflüge vor und 18 Prozent geben an, der Umwelt zuliebe vom Verbrenner auf ein E-Auto zu wechseln (China: 61%, USA: 30%).

Widersprüchlich: Doppelte Zahl will sich Neuwagen kaufen

Die Anzahl der Deutschen, die in den kommenden zwei Jahren einen Neuwagen kaufen wollen, hat sich im Vergleich zum Vorjahr verdoppelt (2021: 44%; 2020: 21%). Trotz der hohen Relevanz integrierter multimodaler Verkehrskonzepte wollen auch nach Überwinden der Covid-19-Pandemie nur 7 Prozent verstärkt auf öffentliche Verkehrsmittel umsteigen. Größtes Hindernis bei der Nutzung nachhaltiger Mobilitätskonzepte wie Bike-/ Carsharing oder ÖPNV sind für 55 Prozent zu hohe Preise, 23 Prozent wünschen sich eine bessere Verfügbarkeit bzw. mehr Angebote.

„Um den gesteigerten Mobilitätsansprüchen der Nutzerinnen und Nutzer auch in Zukunft gerecht zu werden, müssen für integrierte Verkehrskonzepte große Datenmengen erhoben und miteinander vernetzt werden“, kommentiert Jonas Seyfferth, Co-Autor der Studie und Director bei Strategy& Deutschland.

CASE: Aktuell Priorität auf Elektrifizierung

Die wachsende Bedeutung nachhaltiger Mobilität verschiebt die Priorisierung der „CASE“-Dimension (Connected-Car-Dienste, Automatisiertes Fahren, Smart Mobility und die Elektrifizierung) für Automobilhersteller – aktuell vor allem mit einem Fokus auf Elektrifizierung, aber mittel- und langfristig auch in den anderen Dimensionen.

Autonomes Fahren: Volatiles Vertrauen

Beim autonomen Fahren ist der technologische Fortschritt ungebremst, das Zusammenspiel von Hardware, Software, Infrastruktur und regulatorischen Vorgaben bleibt jedoch komplex. Deutschland habe in den vergangenen Monaten durch die Verabschiedung eines Gesetzes zum autonomen Fahren eine wichtige Basisvoraussetzung geschaffen. In Europa ist für Neufahrzeuge der Level-3-/Level-4-Technologie ein relevanter Marktanteil von mehr als 20 Prozent dennoch erst ab 2030 zu erwarten. Das Vertrauen der Verbraucher in autonomes Fahren zeige sich auch mit Blick auf das subjektive Sicherheitsgefühl volatil. Im Vergleich zum Vorjahr würden sich nur noch 38 Prozent der Befragten selbst für ein vollautomatisch fahrendes Auto entscheiden (Vergleich zu 2020: 64%). Von den Befürwortern des automatischen Fahrens zeigt eine große Mehrheit (84%) die Bereitschaft, für autonome Modelle auch einen Aufpreis zu bezahlen.

Konnektivität: Zwei Drittel finden Aufpreis berechtigt

Bei den Connected-Car-Services halten 69 Prozent der interessierten Deutschen einen Aufpreis für gerechtfertigt. Größten Wert legen deutsche Verbraucher weiterhin auf ergänzende Sicherheitsanwendungen (69%) und Navigationsdienste (71%). Ihre Zahlungsbereitschaft für ein Komplettpaket vernetzter Dienste liegt durchschnittlich bei bis zu 150 Euro pro Jahr. Für Functions-on-Demand wie das flexible Zuschalten zusätzlicher Batteriereichweite zeigen sich die deutschen Verbraucher noch spendabler. Hier seien 60 Prozent der Befragten bereit, im Schnitt bis zu 570 Euro mehr pro Jahr auszugeben. Die Quote an Neufahrzeugen mit einer Basiskonnektivität erreichte 2020 durch regulatorische Vorgaben mehr als 85 Prozent. Eine Komplettvernetzung wird in Europa im Jahr 2025 für die Hälfte des Fahrzeugbestands erwartet.

„Vernetzte Fahrzeugdienste erleben in den kommenden Jahren einen zweiten Frühling, nachdem sich die Umsatzhoffnungen der OEMs in den letzten Jahren nicht erfüllt haben. Sie werden ein erfolgskritischer Faktor für das Fahrerlebnis und somit differenzierender Faktor für die Wahl eines Autos“, prognostiziert Jörg Krings, Co-Autor der Studie und Partner bei Strategy& Deutschland.

Zuverlässige Over-the-Air-Updates und die kontinuierliche Weiterentwicklung fahrzeugnaher Dienste würden immer stärker nachgefragt. Zukünftig könnten kollaborative Anwendungen ein nachhaltigeres Fahr- und Nutzungsverhalten fördern, glaubt Krings.

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