PTV Group: Strategische Neuausrichtung zielt in die Cloud

Die PTV Group, Weltmarktführer für Mobilitäts- und Transportsoftware, hat seine Zahlen für das Geschäftsjahr 2020 vorgelegt und einen Ausblick auf die kommende strategische Neuentwicklung gegeben.

Das Verkehrsbild der Zukunft wird stark von den Bedürfnissen und Wünschen der Bürger:innen geprägt, davon ist man bei der PTV Group überzeugt. | Foto: PTV Group
Das Verkehrsbild der Zukunft wird stark von den Bedürfnissen und Wünschen der Bürger:innen geprägt, davon ist man bei der PTV Group überzeugt. | Foto: PTV Group

2020 verlieft auch für die PTV Group nicht wie vorgesehen, aber der Karlsruher Software-Anbieter konnte trotzdem von einem Gesamtumsatz von 108 Millionen Euro für das vergangene Geschäftsjahr profitieren und ein operatives Ergebnis über Vorjahresniveau erzielen. Vor allem konnte man den wiederkehrenden Umsatz, laut Unternehmen die wichtigste Kennziffer im B2B-Softwarebusiness, um fünf Prozent steigern.

„2020 war von Covid und der strategischen Neuausrichtung in Richtung Cloud-Offerings geprägt. Das positive operative Ergebnis von 5,3 Millionen Euro in diesem herausfordernden Umfeld ist ein großer Erfolg für uns“, so Christian U. Haas, CEO der PTV Group.

Im ersten Quartal 2021 konnte dieser Wert bereits auf 61 Prozent des Gesamtumsatzes erhöht werden. Damit sei man den geplanten Entwicklungen weit voraus und nahe dem Ziel, dass man sich erst für 2025 gesteckte habe, so PTV-Chef Haas. Auch die Software-Verkäufe haben im Vergleich zu 2020 um sieben Prozent zugelegt, obwohl der Zeitraum im vergangenen Jahr noch nicht durch die Pandemie beeinflusst wurde. Haas stimmt das optimistisch, bei dem langfristigen Ziel, eine „Double-Digit Growth Company“ zu werden.

Neues Verkehrssystem für Florida

Neben dem Hauptgeschäftsmarkt Zentraleuropa ist man auch international gut aufgestellt. So wird die PTV das neue zentrale Verkehrsmodell für den US-Bundesstaat Florida verantworten, auf dessen Basis ein fortschrittliches Verkehrssystem aufgebaut werden und diverse Verkehrsarten vereinen soll. Neben privatem und öffentlichem Angebot setzt man hier auch verstärkt auf Sharing-Modelle und autonomes Fahren. Die Entwicklungen im US-amerikanischen Mobilitätssektor nehmen im Zuge des verabschiedeten Konjunkturprogramms von Präsidenten Biden verstärkt Fahrt auf. Ein weiteres Projekt betrifft Rom. Die italienische Hauptstadt ächzt unter der Verkehrslast. Nun soll eine neue Verkehrszentrale, ausgestattet mit PTV-Technologie, die Überwachung und das Management des Verkehrsaufkommens besser regulieren.

Allgemein sprechen die Entwicklungen für die Unternehmensstrategie: Durch die Umstellung der Vertriebsstruktur und der internen Prozesse in Hinblick auf das zukünftige Cloud-Angebot will sich die PTV Group neu fokussieren. Das Produktportfolio soll ausgebaut und als Cloud-Anwendungen zugänglich gemacht werden. In ersten Schritten, gibt das Unternehmen an, wurde hier bereits die Funktionalität der Logistik Software-Suite PTV xServer auf die neue Plattform überführt. Das System ist schon seit letztem Jahr für Anwender wie etwa dem Logistikdienstleister DB Schenker im Einsatz.

Auf Radwegen in die Zukunft

Als Softwareanbieter für intelligente Lösungen im Bereich Transportlogistik, Verkehrsplanung und Verkehrsmanagement kommt auch die PTV an einem Thema nicht mehr vorbei: Nachhaltigkeit.

„Die Unternehmensstrategie wurde zu Beginn 2020 neu ausgerichtet und neben der Umstellung des Geschäftsmodells bzw. des Produktportfolios haben wir insbesondere das Thema Nachhaltigkeit in den Vordergrund des Unternehmens gestellt“, erklärt Haas. „Im letzten Jahr ist im Bereich Mobilität vieles in Bewegung geraten. Das Fahrradfahren boomt, überall sind neue Pop-up-Radwege entstanden und mit unserer neu gewonnenen Flexibilität können wir als PTV schneller auf solche Markttrends eingehen. So ist unser neues Produkt „Bicycle-Planer“ entstanden. Die Diskussion darüber, was eine Stadt eigentlich lebenswert macht und wie der Platz neu verteilt werden muss, hat sich in den letzten Monaten stark intensiviert.“

Durch die Corona-Pandemie massiv verstärkt, verlangen Bürgerinnen und Bürger nach fortschrittlicheren Mobilitätsoptionen, allen voran einer besseren Radinfrastruktur und einem Mobilitäts-Mix. Für kommende Anforderungen an flexible Infrastrukturplanungen sieht man sich in Karlsruhe gerüstet. Unter anderem das neue, datenbasiertes Tool, der Bicycle-Planer, bietet Städten eine „intuitive und schnelle Planung“ an, indem es demographische und geographische Stadt-Daten in den Prozess miteinbezieht. Das Interesse sei groß und man wäre im Austausch mit einigen deutschen Städten bezüglich der Möglichkeiten, proaktiv eine neue Fahrradinfrastruktur auszubauen. Welche Städte das seien, verrät Haas nicht. Nur so viel: Berlin gehört nicht dazu.

Weiter wolle man bei der PTV Group künftig verstärkt auf Partnerschaften und Kooperationen setzen, wie etwa am Beispiel des Urban Air Mobility Business Pioniers Volocopter und auch Bosch. Mit letzteren ging man ein weitrechendes Bündnis ein, um die Luftqualität in deutschen Städten zu verbessern und verkehrsnahe Emissionen zu minimieren. Beim privaten Sektor alleine aber bleibt es nicht.

Smart City Karlsruhe

Im Sommer 2021 will die PTV Group ihren ersten Mobilitätsgipfel veranstalten, am Firmen-Hauptsitz Karlsruhe. Der Shaping Mobility Summit soll Vertreter aus Wirtschaft, Forschung, Region und öffentlichem Sektor zusammenführen, um „Visionen und Strategien zu teilen und damit gemeinsam ein Konzept zur Smart City Karlsruhe 2030 zu entwerfen“, so PTV.

„Mit dem Shaping Mobility Summit bringen wir die verschiedenen Player im urbanen Mobilitätsumfeld zusammen. Wir wollen damit die Kräfte in unserem Netzwerk aus Wirtschaft, Wissenschaft und über 2500 Städten weltweit bündeln. Nur durch Kooperation lassen sich die Städte der Zukunft lebenswert und nachhaltig gestalten“, erläutert Christian U. Haas.

Die PTV Group plant, das Event weltweit in verschiedenen Städten fortzuführen.

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