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PSA gründet Sparte für Elektromobilität

Der französische Hersteller springt spät auf den Zug in Richtung E-Mobility auf, will die Entwicklung jetzt aber mit einem eigenständigen Geschäftsbereich bündeln. Ab 2019 sollen erste Modelle auf den Markt kommen, bis 2025 E-Varianten aller Modelle verfügbar sein.

Löwe schwach auf der Brust: Auch wenn Peugeot auf dem Genfer Salon ein dynamischeres Wappentier und den 508 als "First Edition" präsentierte, in Sachen E-Mobilität war der Auftritt mau. | Foto: J. Reichel
Löwe schwach auf der Brust: Auch wenn Peugeot auf dem Genfer Salon ein dynamischeres Wappentier und den 508 als "First Edition" präsentierte, in Sachen E-Mobilität war der Auftritt mau. | Foto: J. Reichel
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Johannes Reichel

Auch der PSA-Konzern springt auf den Zug in Richtung E-Mobility auf. Der Konzern hat dafür einen neuen Geschäftsbereich für Elektrofahrzeuge zum 1. April 2018 gegründet. Man wolle damit "den mit der Energiewende verbundenen Herausforderungen begegnen und ein effizientes sowie konsistentes Angebot an Lösungen im Bereich der Elektromobilität bieten", formuliert die Groupe PSA in einer Pressemitteilung. Die neue Sparte solle global agieren und die "optimalen Bedingungen schaffen, um die Produktion von Modellen sicherzustellen, die den Kundenerwartungen entsprechen und höchste Servicestandards erfüllen", verspricht der Anbieter. Der Bereich werde für die Festlegung und Umsetzung der Konzernstrategie für Elektrofahrzeuge sowie die Einführung der entsprechenden Produkte und Dienstleistungen zuständig sein. Kaum verholen, macht der Konzern für den neuen Bereich „Low Emission Vehicles“ dabei ambitionierte Vorgaben: Er muss profitables Wachstum erzielen und an der Umsetzung der CO2-Ziele der Groupe PSA mitwirken. Ziel sei es, bis 2025 Elektroversionen aller Modelle anzubieten, wobei die Umsetzung ab 2019 in Angriff genommen wird, wie der Konzern mitteilt.

Trend verschlafen? E-Fahrzeuge zu "optimalen wirtschaftlichen Bedindungen"

Die Groupe PSA will nach eigener Aussage ein differenziertes Kundenerlebnis bieten, das für die Kunden mit einem Mehrwert verbunden ist und die Bindung an den Konzern und seine fünf Automobilmarken (Peugeot, Citroën, DS Automobiles und Opel/Vauxhall) sowie seine Mobilitätsmarke Free2Move fördert. Chef des neuen Bereichs wurde Alexandre Guignard als Senior Vice President. Er soll für die profitable Entwicklung in allen Regionen sorgen und die Leitung von Initiativen zur Erreichung der CO2-Ziele des Konzerns im Einklang mit den europäischen Standards für CO2-Emissionen bis 2020 und darüber hinaus übernehmen.

„Wir haben die Chance, die die Energiewende darstellt, ergriffen und eine beispiellose Technologieoffensive gestartet, die durch unsere Multi-Energie-Plattformen möglich wurde", kommentierte Linda Jackson, Generaldirektorin Citroën, an die der Geschäftsbereich berichtet. Die Herausforderung bestehe darin, die besten Fahrzeuge zum optimalen Zeitpunkt anzubieten. Die Elektrofahrzeuge der Groupe PSA sollten nach ihrer Ansicht unter optimalen wirtschaftlichen Bedingungen auf den Markt kommen. Dabei werde der neue Geschäftsbereich von den Erfahrungen profitieren, die der Konzern im Laufe der Jahre gesammelt hat, versicherte Jackson.

Opel als Speerspitze der E-Mobilität im Konzern

Nach dem Wunsch von PSA-Chef Carlos Tavares könne vor allem der jüngst akquirierten Tochter Opel bei der Elektrifizierung eine zentrale Rolle zukommen. Opel könnte zur reinen Elektromarke werden, sofern sich das rentiere, hatte Tavares unlängst angekündigt. Bis 2024 sollen hier alle europäischen Pkw-Baureihen elektrifiziert sein – entweder mit reinem Batterieantrieb oder als Plug-in-Hybrid. Bereits 2020 wird Opel/Vauxhall vier elektrifizierte Modellreihen auf dem Markt haben, dazu zählen der Grandland X PHEV sowie die nächste Corsa-Generation mit einer rein batteriegetriebenen Variante.

Was bedeutet das?

Spät kommt er, doch er kommt - der Einstieg der PSA-Gruppe in die Elektromobilität. Was bisher nur Stückwerk in Form des City-Vans Berlingo Electric oder Einzelmodelle in Kooperationen etwa mit Mitsubishi beim i-MIEV war, soll jetzt endlich Struktur bekommen. Im Gegensatz zu den Landsleuten von Renault, die seit knapp zehn Jahren mit Elektroautos in Serie sind, hat Peugeot-Citroen dieses Feld weitgehend unbestellt gelassen. Das Argument, man wolle zu optimalen wirtschaftlichen Bedingungen damit auf den Markt kommen, ist für einen einstigen Technologie-Pionier ein etwas schwaches Bild, wird aber auch von anderen verspäteten Herstellern wie Ford, Daimler oder Volkswagen immer wieder angeführt. Umgekehrt wird ein Schuh draus: Attraktive Elektromodelle finden auch eine Nachfrage, wie der weitgehend "ausverkaufte" E-Bestseller Renault Zoe beweist. Man darf gespannt sein, ob PSA die riesige Lücke zu den Landsleuten, aber auch zu der direkten Konkurrenz Massensegment aus Asien noch zufährt, zumal in so schneller Spanne, wie es die ambitionierten Tavares-Vorgaben vorsehen. Eigentlich ginge das nur mit beherzten Kooperationen. Umso unverständlicher ist, dass man 2012 aus der hoffnungsvollen Hybrid-Zusammenarbeit mit BMW ausgestiegen war. Und geradezu verheerend, dass man auf die Technologie des vielversprechenden Opel Ampera nach dem Verkauf durch GM keinen Zugriff mehr hat. Da mögen die Bemühungen des Konzerns um Transparenz in Sachen Verbrauch und Abgasemissionen bei den konventionellen Antrieben noch so lobenswert sein, den Trend zur E-Mobilität hat PSA verschlafen.     

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