Meinungsbeitrag

Privatanteil bei E-Autos: Wie sich die Schweizer selbst ins Knie schiessen

Das Klima hat ein Problem. Eine der wichtigsten Massnahmen wäre, den Wechsel auf E-Mobilität voranzutreiben. Aber in Bern sorgt man seit Jahren dafür, dass E-Fahrer finanziell bestraft werden.

Christoph Erni ist CEO der Lade-Infrastrukturproduzentin Juice Technology AG und Schweizer Staatsbürger. Deshalb steht es ihm zu, mit seinem Land ordentlich ins Gericht zu gehen. | Foto: Juice Technology
Christoph Erni ist CEO der Lade-Infrastrukturproduzentin Juice Technology AG und Schweizer Staatsbürger. Deshalb steht es ihm zu, mit seinem Land ordentlich ins Gericht zu gehen. | Foto: Juice Technology
Redaktion (allg.)

Sinn des Privatanteils

Wer einen Geschäftswagen privat nutzt, dem wird ein Privatanteil als geldwerte Leistung auf seinen Lohn aufgerechnet. Damit sollen Amortisation und vor allem Unterhalt anteilmässig abgegolten werden. Gerade diese Kosten aber tendieren bei E-Autos gegen Null, weil es fast keine Verschleissteile gibt an einem Elektroauto. Das führt zudem zu einer um Faktor 5–10 längeren Lebensdauer der E-Fahrzeuge. Zählt man alles zusammen, betragen die langfristigen Kosten keine 25% von denen eines Verbrenners.

Deutschland macht alles richtig

Die Deutschen haben das erkannt und folgerichtig den Privatanteil-Satz für E-Autos auf ein Viertel heruntergekürzt. Nur noch 0,25% statt 1,0% des Neupreises werden nun als geldwerter Vorteil auf den Lohn aufgerechnet. Das ist eine gute, faire Lösung – und dass sie bei Autos mit einem Neupreis von über 60.000 Euro auf 0,5% steigt, ist zwar nicht ganz gerecht, aber eine Neid-Progression ist wohl heute nicht mehr vermeidbar.

Und die Schweiz vergeigt’s total

Und was machen die Schweizer? Einfach nichts. Denn wendet man die momentane Regelung (0.8% pro Monat ungeachtet der Antriebsart) auf ein beliebiges E-Auto an, zahlt der Mitarbeiter also einen um rund 75% zu hohen Privatanteil im Vergleich zu einem Verbrennerfahrzeug. Dem Elektroautofahrer wird also aktuell ein Benziner-Äquivalent von geschätzt über 3% pro Monat verrechnet, was zweifellos nicht gerecht und vermutlich auch nicht so gewollt ist.

Zur Veranschaulichung: Auf zehn Jahre realistische Nutzungsdauer eines E-Autos hochgerechnet führte der Mitarbeiter theoretisch Steuern und Sozialversicherung auf 380 (!) Prozent des Kaufpreises ab. Das ist absurd.

Die trägen Schweizer Behörden lassen alle Vorstösse im Sand verlaufen, die wegweisende deutsche Lösung wird nicht einmal zur Kenntnis genommen. So kommt es, dass die Schweiz aktiv dafür sorgt, dass Fahrer von E-Geschäftsautos nicht nur nicht gefördert werden – im Gegenteil, sie werden aktiv bestraft.

Eine solche Regelung ist eine Schande für ein zivilisiertes Land. Und die Schweizer schiessen sich ordentlich ins Knie, denn mit so einer Ungerechtigkeit werden sich viele Unternehmen und Arbeitnehmer zwei Mal überlegen, ob sie auf ein klimafreundliches Auto umsteigen und sich als Dank für ihren visionären Schritt vom eigenen Staat abzocken lassen sollen.

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