Primobius nimmt Anlage für Batterie-Recycling in Betrieb

Wichtiger Schritt zu mehr Nachhaltigkeit in der E-Mobilität: Im Siegerland startet eine wegweisende Anlage, in der Akkus geschreddert, die Rohstoffe recycelt werden. Probeläufe mit einer Tonne täglich.

Ab in den Schredder, aber auch wieder heraus: Die Rohstoffe aus alten Autobatterien sollen sich mit dem zweistufigen Verfahren abtrennen und recyceln lassen. | Foto: Primobius
Ab in den Schredder, aber auch wieder heraus: Die Rohstoffe aus alten Autobatterien sollen sich mit dem zweistufigen Verfahren abtrennen und recyceln lassen. | Foto: Primobius
Johannes Reichel

Das Joint-Venture zwischen dem deutschen Anlagenbauer SMS group und dem australischen Spezialisten Neometals Ltd namens Primobius GmbH hat mit der Inbetriebnahme der hydro­metallurgischen Prozessanlagen für die am SMS group-Standort Hilchenbach errichtete Demonstrationsanlage für ein neuartiges Verfahren zum Recycling von Lithium-Ionen-Batterien (LIB) begonnen. Das auf Batterierecycling spezialisierte Gemeinschaftsunternehmen will mit einem effizienten und umweltschonenden Verfahren alle Bestandteile von Lithium-Ionen-Batterien recyceln und wiederverwenden, etwa Beispiel in Form von hochreinem Kathodenmaterial.

Das soll anschließend wieder in die Lieferkette der Batterie­herstellung zurückgeführt werden. Die errichtete Demonstrationsanlage besteht aus einer bereits fertiggestellten Schredder- und Aufbereitungsanlage und der hydrometallurgischen Prozessanlage. Für letztere wurden mittlerweile bereits folgende Inbetriebnahmeaktivitäten ab­geschlossen: Wassertests der gesamten Auslauge- und Lösungs­mittelextraktionskreisläufe, das Auslaugen des aktiven Zwischen­materials aus Stufe 1, der sogenannten „Black Mass“, sowie das Ausfiltern von restlichem Kohlenstoffanodenmaterial, wie der Anbieter präzisiert. Auch die Inbetriebnahme der ersten Phase der Lösungsmittelextraktion (Kupfer) sei bereits angelaufen. Die Inbetriebnahme der weiteren Stufen der Lösungsmittelextraktion (Rückgewinnung von Kobalt, Lithium, Nickel und Mangan) stehe kurz bevor.

Leistungsfähigkeit demonstrieren

Das Unternehmen werde die neue Anlage, an der bereits umfangreiche Pilot­versuche durchgeführt wurden, dazu nutzen, die Leistungsfähigkeit der integrierten Recyclinglösung zu demonstrieren. Dies erfolge in Kooperation mit Partnern aus den Bereichen E-Mobilität und stationärer Energiespeichertechnik, die ihr LIB-Material für das Recycling auf der Primobius-Anlage zur Verfügung stellen. Die dabei zurückgewonnenen Bestandteile und Stoffe sollen potentiellen Kunden und Abnehmern zur Begutachtung zur Verfügung gestellt werden.

„Die Versuche auf der Demonstrationsanlage ermöglichen es Unternehmen aus der Automobilindustrie sowie Elektronikgeräte- und Batterieherstellern, sich von der Sicherheit und Nachhaltigkeit des Primobius-Verfahrens zu überzeugen, mit dem gesundheits- und umweltschädliches LIB-Material auf ethisch verantwortungsvolle Weise und unter Einhaltung aller gesetzlichen Vorschriften entsorgt werden kann,“ wirbt Horst Krenn, CEO von Primobius, für das Verfahren.

Doch vor allem soll die Anlage Unternehmen die Möglichkeit bieten, den gesamten Recyclingvorgang unmittelbar zu verfolgen. Sie könnten direkt beob­achten, welche Produkte sich aus ihrem eingesetzten Altbatteriematerial gewinnen ließen und welche Einsatzmöglichkeiten sich hierfür in den Lieferketten böten, wirbt der Anbieter. Die integrierten Versuche sollen im Oktober und November 2021 stattfinden. Danach will man die Demonstrationsanlage modifizieren und an die Kapazität der Schredderanlage (10 Tonnen pro Tag) anpassen, die ab dem ersten Quartal 2022 für kommerzielles LIB-Recycling zur Verfügung stehen soll.

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