Prämien-Missbrauch: Wo sind all die Teslas hin?

Massiv und systematisch getrickst wurde und wird bei der E-Auto-Prämie in Deutschland. Am Beispiel von Tesla hat das Institut Schmidt Automotiv Research analysiert, dass jedes vierte Fahrzeug mit Prämie günstig gekauft und dann zeitnah mit Gewinn in die Nachbarländer verkauft wurde - zu Lasten der Steuerzahler. 

Wo sind sie geblieben: Vor allem die Marke Tesla ist offenbar beliebt bei Zulassungstricksern und wird gerne mit deutscher Prämie preiswert gekauft und dann teuer nach Dänemark verkauft, wo es eine Luxussteuer auf Premium-Neuwagen gibt. | Foto: Tesla
Wo sind sie geblieben: Vor allem die Marke Tesla ist offenbar beliebt bei Zulassungstricksern und wird gerne mit deutscher Prämie preiswert gekauft und dann teuer nach Dänemark verkauft, wo es eine Luxussteuer auf Premium-Neuwagen gibt. | Foto: Tesla
Johannes Reichel

Wie eine Studie des Instituts Schmidt Automotive Research jetzt nachweist, wird die deutsche E-Autoprämie noch immer für Verkaufstricks genutzt. Am Beispiel des Herstellers Tesla stellt das Institut laut einem Bericht von Spiegel Online fest, dass jeder vierte der von deutschen Steuergeldern mit bis zu 9.000 Euro incentivierten E-Fahrzeuge wenig später mit Gewinn ins Ausland verkauft worden ist. Aktuell müssen die Fahrzeuge lediglich sechs Monate selbst gefahren werden, was zu fortgesetztem Missbrauch einlade. Indirekt würde damit die saubere Luft und die Mobilitätswende in anderen Ländern von deutschen Steuerzahlern subentioniert. Als Basis verwendet der Marktanalyst die Daten des Kraftfahrt-Bundesamts (KBA) und errechnet die Differenz der zwischen Januar 2012 und Juli 2022 zugelassenen 890.000 BEV-Modellen zu den am 1. Juli 2022 zugelassenen 756.517 Fahrzeugen im Bestand. Demnach müssten über 100.000 Fahrzeuge das Land wieder verlassen haben. Das KBA sieht das als Mutmaßung und verweist darauf, dass die Modelle auch außer Betrieb oder verunfallt sein könnten. 

Besonders lukrativ ist offenbar der Weiterverkauf nach Dänemark, weil dort Premiummodelle wie etwa von Tesla extrem teuer seien aufgrund einer Luxussteuer, die sogar höher liegen kann als der Listenneupreis. Gebrauchte Tesla aus Deutschland seien speziell begehrt. Nach Berechnungen von Schmidt hätte danach jeder vierte der insgesamt 98.000 Tesla, der in Deutschland zugelassen wurde, das Land wieder verlassen, weil der Bestand nur 76.690 Fahrzeuge ausweist. Auch Porsche sei von den Tricksereien betroffen. Schmidt schlägt als Lösung eine Mindesthaltedauer von fünf Jahren vor, der Verkehrsclub Deutschland VCD zumindest eine Verdoppelung. Dann sei laut VCD der Restwert so weit gesunken, dass es sich nicht mehr so gut rentiere, die Fahrzeuge ins Ausland abzustoßen. Eine vom Bund angekündigte Regelung in dieser Richtung ist aber noch immer nicht umgesetzt. Mit dem Absinken der E-Auto-Prämie könnte es immerhin etwas weniger lukrativ sein, die Fahrzeuge weiterzuvermarkten. Genau diese Erhöhung von sechs auf zwölf Monate ist laut zuständigem Bundeswirtschaftsministerium auch Inhalt der genaueren Neugestaltung der Förderrichtlinien. Dann sei der Wertverlust so groß, argumentiert auch das Habeck-Haus.

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