Power2Drive 2022: Eine Messe am Puls der Zeit und unter Strom

Einmal mehr koppelt die Vierfachmesse The Smarter E die Sektoren Energie, Mobilität und Speichertechnologie und schafft damit eine Plattform für die Energie- und Verkehrswende, die vor dem Hintergrund des Ukraine-Kriegs dringlicher denn je ist.

Gut was geboten: Schon in der Früh drängten sich die Zuschauer am Eingang der Messe, um in die zwölf Hallen zu strömen. | Foto: Solar Promotion
Gut was geboten: Schon in der Früh drängten sich die Zuschauer am Eingang der Messe, um in die zwölf Hallen zu strömen. | Foto: Solar Promotion
Johannes Reichel

In München ist die Neuauflage der Messe Power2Drive im Rahmen der Vierfachmesse The Smarter E gestartet. Die parallelen Veranstaltungen bündeln Lösungen für eine erneuerbare, dezentrale, digitale und verlässliche Energieversorgung sowie für die Kopplung der Sektoren Strom, Wärme und Verkehr. Die laut Veranstalter in Europa größte energiewirtschaftliche Plattform mit den vier parallel stattfindenden Fachmessen Intersolar Europe, ees Europe, Power2Drive Europe und EM-Power Europe findet vom 11. bis 13. Mai 2022 auf der Messe in der bayerischen Landeshauptstadt statt in zwölf Messehallen, auf 132.000 Quadratmetern Ausstellungsfläche und mit insgesamt 1.356 Aussteller bei 50.000 erwarteten Besuchern.

EU-Programm setzt den Rahmen - mit ambitionierten Zielen

Die Klimaschutzvorgaben der Europäischen Union im Rahmen des Maßnahmenpakets „Fit for 55“ zur Umsetzung des Green Deals sowie die der deutschen Bundesregierung seien ambitioniert, schildert der Veranstalter den Hintergrund. Bis 2030 sollen in der EU die CO2-Emissionen um 55 Prozent gegenüber 1990 sinken. Die Bundesregierung hat dieses Ziel Mitte 2021 für Deutschland auf 65 Prozent gegenüber 1990 erhöht.

"Um dieses Ziel zu erreichen, muss die Energiewirtschaft umdenken. Fest steht: Die Strom- und Wärmeerzeugung durch erneuerbare Energien ist die Voraussetzung für den Erfolg der Energiewende – gepaart mit flächendeckenden Speicherinfrastrukturen und der intelligenten Kopplung der Sektoren Strom, Wärme und Verkehr", plädieren die Veranstalter.

Die Aussichten für den Wandel seien vielversprechend: Die Photovoltaik (PV) ist seit Jahren auf Wachstumskurs, die Speicherbranche seit einem Jahrzehnt im Aufwind, Elektromobilität und Ladeinfrastrukturlösungen boomen. Und das Spektrum der Lösungsansätze für die Energiewende ist breit. Dieses darzustellen ist Zweck der Innovationsplattform The smarter E Europe. Man stehe für branchen- und sektorübergreifende Produkte, Lösungen und Geschäftsmodelle. Von Konzepten und Lösungen für eine erneuerbare, dezentrale und digitale Energiewirtschaft, über intelligente und vernetzte Energiesysteme bis hin zu E-Mobilität, intelligenten Ladesystemen und grünem Wasserstoff – die neue Energiewelt muss integriert und sektorübergreifend gedacht werden. Mit dem Fokus auf der neuen Energiewelt steht The smarter E Europe für die Beschleunigung der Transformation der Energie- und Mobilitätswelt.

E-Mobilität und Vehicle-to-Grid für intelligentes Lastmanagement
Auch batterieelektrische Autos als mobile Powerbank können künftig für das lokale Energiemanagement und die übergeordnete Netzstabilität sorgen. Zum Beispiel E-Fahrzeuge, die durch intelligentes Lademanagement grünen Strom beziehen, etwa von PV-Anlagen – wann immer Überschüsse verfügbar sind. Das zusätzliche große Plus von E-Fahrzeugen: Das bidirektionale Laden. Dadurch könnten sie nicht nur elektrische Energie aufnehmen, sondern diese bei Bedarf zurück ins Netz einspeisen (Vehicle-to-Grid). So ermöglicht diese Technologie eine intelligente Sektorkopplung und trägt dazu bei, den Wärme-, Strom- und Verkehrssektor zu dekarbonisieren. Damit erschließen Energieversorgungsunternehmen und Autobesitzer zusätzliche Einnahmequellen. 

Jeder dritte Stromer in Europa auf deutschen Straßen

Mit dem stark steigenden Bestand an E-Fahrzeugen und dem flächendeckenden Ausbau intelligenter Ladeinfrastruktur verbessern sich die Aussichten auf die Netzstabilität mithilfe von E-Fahrzeugen – in Europa und besonders in Deutschland. Laut einer Marktstudie aus dem Jahr 2021 des E-Auto-Datenspezialisten Schmidt Automotive Research ist jeder dritte in Europa neu zugelassene Stromer auf deutschen Straßen unterwegs. Von den 338.191 Ladepunkten (Stand: 2021) in der Europäischen Union befinden sich fast 30 Prozent in den Niederlanden, jeweils 20 Prozent in Deutschland und in Frankreich, so EAFO (European Alternative Fuels Observatory). Orientierung in diesem dynamisch wachsenden Markt und die Möglichkeit zum Austausch bietet die internationale Fachmesse Power2Drive Europe 2022 mit Messeforum und der begleitenden Power2Drive Europe Conference.

Steigende Energiepreise beflügeln Speichermarkt
Damit Strom und Wärme aus erneuerbaren Energiequellen in Zukunft zu jeder Jahreszeit und rund um die Uhr zur Verfügung stehen, ist die Kopplung mit effizienten Stromspeichersystemen unerlässlich. Besonders im Bereich Solarenergie wächst derzeit der Speichermarkt: Nach Angaben des BSW sind 2021 mehr als 140.000 Batteriesysteme in Kombination mit PV-Anlagen in Deutschland installiert worden. Ein weiteres Marktwachstum ist 2022 zu erwarten – nicht zuletzt aufgrund der steigenden Energiepreise. Die Weiterentwicklung von leistungsstarken Speichersystemen läuft in den unterschiedlichsten Bereichen auf Hochtouren. Das zeigen auch die Finalisten des diesjährigen ees AWARD, der am 10. Mai als einer von drei renommierten Preisen für die Energiewirtschaft im Rahmen von The smarter E Europe vergeben wurde. 

Wasserstoff vor dem Durchbruch

Eine andere Technologie, die kurz vor dem Marktdurchbruch steht, ist grüner Wasserstoff. Die Vorteile: Grüner Wasserstoff hilft dabei, die Sektoren Strom, Wärme und Verkehr über regenerative Energien enger aneinander zu koppeln und Anwendungen in der Industrie, bei Schiffs-, Schwer- und Flugverkehr zu dekarbonisieren. Branchenexperten sehen die grüne Wasserstoffwirtschaft als wesentlichen Teil der Lösung, damit sich Europa in Zukunft fossilfrei und unabhängiger versorgen kann. Es müsse künftig in alle Teile der Wertschöpfungskette gleichzeitig investiert werden, damit die grüne Produktion, die Speicherung und der Verbrauch gemeinsam kontinuierlich wachsen. The smarter E Europe widmet dem Thema „Grüner Wasserstoff“ ein eigenes Forum und einen eigenen Ausstellungsbereich: Das „Green Hydrogen Forum & Expo“ bildet drei Tage ein Schaufenster für Branchenvertreter aus allen Wertschöpfungsbereichen.

 

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