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Power2Drive 2019: VM Think Tank setzt "alles auf eine Karte"

Beim VISION mobility Think Tank auf der Messe dreht sich alles um die heißen Themen Eichrecht, transparente Abrechnung und europaweites Laderoaming.

Perspektive beim Laden: Der VM Think Tank auf der Power2Drive diskutierte unter Moderation von VM-Ressortleiter Johannes Reichel (re.) Fragen rund um Roaming, Eichrecht und Abrechnung. | Foto: S. Mende
Perspektive beim Laden: Der VM Think Tank auf der Power2Drive diskutierte unter Moderation von VM-Ressortleiter Johannes Reichel (re.) Fragen rund um Roaming, Eichrecht und Abrechnung. | Foto: S. Mende
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Johannes Reichel

"Alles auf eine Karte", so lautete das Motto beim jüngsten VISION mobility Think Tank, der im Rahmen der Power2Drive in München stattfand. Dass es noch nicht ganz so weit ist, mit einer einzigen Karte komplett durch Europa stromern zu können, wurde allerdings auch schnell klar. Und doch drängen gerade Pioniere des Ladekartengeschäfts wie NewMotion, über deren Strategie NewMotion-Vertriebsleiter Andrew Han berichtete, ebenso in genau diese Richtung wie der österreichische Anbieter has.to.be, der jüngst mit einem europäischen Laderoaming startete, wie Gesellschafter Lukas Bauer vermeldete. Und auch der dritte Speaker, der Leiter des Produktmanagements Christopher Schäkermann vom Tankkarten- und Abrechnungsspezialisten DKV kennt sich im Business des europaweiten Bezugs von Energieträgern bestens aus und will mit der DKV-Karte genau das erreichen.

Warum gibt es das Roaming-Chaos?

Warum es überhaupt noch so ein "Roamingchaos" in dem Bereich gibt, obwohl das Thema schon lange diskutiert werde, erklärte Lukas Bauer auch damit, dass der Charge Point Operator CPO sich entscheiden müsse, auf welcher der drei Ladenetzwerkplattformen er sich andocken wolle. Außerdem seien in den letzten Jahren sehr viele Anbieter dazugekommen. Klar sei, Laderoaming verursacht Kosten, die letztlich auch der Nutzer an der Ladestation bezahlen müsse. Andrew Han ergänzt den Aspekt der unterschiedlichen Mehrwertsteuersätze, der das Handling enorm erschwere. Teils blockierten auch lokale Ladenetzbetreiber wie Energieversorger umfassendere Lösungen oder den Zugang mit Karten bestimmter Autohersteller, weil sie die Hoheit über die Kundendaten behalten wollten.

"Aber Mauerbau hilft uns bei der Entwicklung der Elektromobilität nicht weiter, wir sollten die Grabenkämpfe beenden", votierte Bauer für ein konzertiertes Vorgehen.

Auch Andrew Han plädierte für eine zeitnahe Regelung auf EU-Ebene ähnlich dem Roaming im Telefonbereich.

"Der Wettbewerb wird weiter zunehmen und härter werden. Die unsichtbare Hand des Marktes wird manches regeln, aber eben nicht alles. Wir brauchen auch einen regulatorischen Rahmen", befand Han.

Zugleich sprach sich Lukas Bauer aber gegen eine Vereinheitlichung der Tarife oder Abrechnungsmethodiken aus.

"Elektrisch tanken ist nicht wie fossil tanken, hier gibt es viel mehr Differenzierungsbedarf, allein durch die zeitliche Komponente", meinte Bauer.

Eine pure Abrechnung nur nach kWh greife zu kurz, wenn etwa in der Stadt dadurch ein Ladeplatz als Parkplatz ewig besetzt sei. Hier brauche es Flexibilität in der Tarifgestaltung je nach Anwendungsfall. Der Nutzer solle hier entscheiden, was am besten zu seinem Bedarf passt, findet Bauer.

Schlüsselfaktor: Transparenz

In einem waren sich alle drei Speaker aber einig: Ein Schlüssel für den Erfolg liegt in der Transparenz der Abrechnung. Und diese profitiert von der Klarheit in Sachen Eichrecht und Eichrechtskonformität, die sich derzeit einstellt. Vor allem die jetzt freigegebene Transparenzsoftware, an der unter anderem auch has.to.be im Rahmen der branchenweiten S.A.F.E.-Initiative federführend mitwirkte, bringe deutliche Verbesserungen, befand Lukas Bauer. Doch was Abrechnung generell betrifft, bieten sowohl die Shell-Tochter NewMotion als auch DKV, deren Stammgeschäft die Abrechnung von Tankprozessen ist, wie Schäkermann betonte, transparente und übersichtliche Abrechnungsstatistiken, die regelmäßig erstellt und dem Nutzer zugeleitet würden.

Karte ade? Strom tanken wird bald noch bequemer

Auch Differenzierungen zwischen privaten und dienstlichen Tankprozessen sei selbstverständlich möglich, erklärte der DKV-Manager. NewMotion-Mann Han wies auch noch auf die automatisierte Erstattung von am privaten Ladepunkt angefallenen Stromkosten durch den Arbeitgeber hin. Bei DKV hat man ein komplettes User Frontend für Flottenmanager programmiert, mit dem sich der Überblick bewahren lässt oder auch das Lastspitzenmanagement organisieren. Auch Spezialitäten für Plug-In-Hybrid-Fahrer, wie etwa die Vorgabe "Ladevorgänge pro Tankvorgang", damit der E-Anteil nicht zu niedrig ist, ließen sich implementieren, skizzierte Schäkermann.

Plug&Charge steckt noch in den Kinderschuhen

Und wie geht's perspektivisch weiter beim Thema Laden? Für Andrew Han ist klar, dass man die jüngst erreichten 100.000 Ladepunkte in 28 Ländern Europas im Netzwerk noch zügig ausdehnen will. Ansonsten glaubt er an die zeitnahe Identifizierung per Fahrzeug und auch das Induktive Laden werde mehr Verbreitung finden, wenn es speziell im Premium-Segment oder bei Taxis gängiger werde, prognostiziert Han. Lukas Bauer glaubt, das Plug&Charge noch in den Kinderschuhen stecke, sieht hier aber ebenfalls großes Potenzial. Dass "alles auf eine Karte hinausläuft", sprich, ein Monopol eines alles dominierenden Anbieters, das glauben alle drei Speaker beim Think Tank nicht. Dafür sei das Differenzierungspotenzial zu groß, die Materie zu komplex.

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