Porsche vereint Bugatti und Rimac

Powerplay der besonderen Art: Porsche und Rimac gründen das Joint Venture "Bugatti-Rimac" unter Einbindung von Bugatti, wobei Rimac 55 und Porsche 45 Prozent hält.

 

Unter Porsche werden Bugatti und Rimac zu einem neuen Hypercarhersteller zusammengelegt. | Foto: Porsche
Unter Porsche werden Bugatti und Rimac zu einem neuen Hypercarhersteller zusammengelegt. | Foto: Porsche
Gregor Soller

Die Spatzen pfiffen es schon längst von den Dächern, jetzt ist es offiziell: Oliver Blume und Mate Rimac unterzeichneten jetzt die Verträge zur Gründung einer neuen Hypercar-Company mit dem Namen Bugatti-Rimac. Die Gründung des Gemeinschaftsunternehmens mit Hauptsitz in Zagreb (Kroatien) ist laut Porsche für das vierte Quartal 2021 vorgesehen. Zuvor müssen noch Kartellbehörden in mehreren Ländern zustimmen.

An dem Joint Venture Bugatti-Rimac werden Rimac 55 Prozent und Porsche 45 Prozent der Anteile halten. Außerdem ist Porsche mit 24 Prozent direkt an Rimac beteiligt. Bugatti wird über den aktuellen Eigentümer Volkswagen in das Joint Venture eingebracht. Die Anteile werden dann an Porsche übertragen. Mate Rimac, Gründer und CEO von Rimac, erklärt dazu:

 

„Dies ist ein wirklich spannender Moment. Rimac Automobili ist sehr schnell gewachsen und das Joint Venture hebt das Unternehmen auf ein völlig neues Niveau. Bugatti und Rimac passen perfekt zusammen und beide bringen wesentliche Werte ein: Wir haben uns als Branchenpionier für elektrische Technologien etabliert, Bugatti verfügt mit mehr als einem Jahrhundert Erfahrung in der Entwicklung von Spitzenfahrzeugen über eine der außergewöhnlichsten Traditionen in der Geschichte der Automobilindustrie. Gemeinsam vereinen wir unser Wissen, unsere Technologien und unsere Werte mit dem Ziel, in Zukunft ganz besondere Projekte zu erschaffen."
 

Oliver Blume, Vorstandsvorsitzender der Porsche AG, ergänzt:

„Wir bündeln die starke Expertise von Bugatti im Hypercar-Geschäft mit der großen Innovationskraft von Rimac auf dem zukunftsträchtigen Gebiet der Elektromobilität. Bugatti bringt eine traditionsreiche Marke, ikonische Produkte, eine treue Kundenbasis und ein weltweites Händlernetz in das Joint Venture ein. Rimac steuert neben der Technologie neue Denkansätze für die Entwicklung und Organisation bei.“



Unter dem Dach des neuen Unternehmens werden die Marken Bugatti und Rimac zunächst zwei Hypercar-Modelle produzieren: Den Bugatti Chiron und den rein elektrischen Rimac Nevera. Bugatti bleibt französisch: Denn die Bugatti Automobiles S.A.S. bleibt unter dem neuen Joint Venture weiter bestehen. Im französischen Molsheim werden auch künftig alle Bugatti-Modelle in der eigenen Manufaktur hergestellt. Für die weitere Zukunft sind dann allerdings gemeinsam entwickelte Bugatti-Modelle angedacht, die eher elektrisch als mit V16-Verbrenner angetrieben werden könnten.

 

Porsche ist bereits vor drei Jahren eine erfolgreiche Partnerschaft mit Rimac eingegangen. „Dieses Joint Venture ist der vorläufige Höhepunkt einer strategischen Investitionskette“, sagt Finanzvorstand Lutz Meschke und führt aus:

„Wir haben bereits im Jahr 2018 die ersten Anteile an Rimac gekauft und diese seitdem sukzessive erhöht. Zu Mate und seinem höchst innovativen Team haben wir frühzeitig eine enge Beziehung aufgebaut. Davon profitieren wir jetzt. Nun hilft uns Rimac mit seinem Know-how, eine emotionale und wichtige Marke erfolgreich in die Zukunft zu führen. Ich bin sehr stolz und glücklich, dass wir dieses Joint-Venture trotz zahlreicher Herausforderungen ins Ziel gebracht haben. Heute ist ein guter Tag für Bugatti und Rimac, Porsche und auch den Volkswagen Konzern.“



Porsche wird in dem Joint Venture eine starke Rolle als strategischer Gesellschafter einnehmen. Oliver Blume und Lutz Meschke (stellvertretender Vorstandsvorsitzender und Vorstand für Finanzen und IT der Porsche AG) werden Mitglieder des Aufsichtsrats von Bugatti-Rimac. CEO wird Mate Rimac sein. Das Joint Venture wird bei der Gründung etwa 430 Mitarbeiter haben – rund 300 am Firmensitz in Zagreb und 130 am Bugatti-Standort in Molsheim.

Was bedeutet das?

Die Bugatti-Modelle mit ihren aufwändigsten V16-Motoren passten immer weniger in den VW-Konzern. Es wurden nie große Gewinnangaben gemacht, sofern überhaupt je welche erzielt wurden, noch passen die CO2-Werte in den VW-Konzern. Deshalb „verschiebt“ der Konzern seine teuerste Hypercar-Tochter nun über Porsche zu Rimac, wo aus Bugatti-Rimac eines Tages durchaus doch noch ein gewinnbringender CO2-neutraler Hypercarhersteller werden könnte. In diesem Sinne: Hyper, Hyper!

 

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