Porsche Taycan: Zügig zwischen den Welten wandeln

Das Basismodell des Porsche Taycan startet bei 83.520 Euro brutto (das sind gut 70.200 Euro netto) vor Abzug der Förderungen und wird damit zum erschwingliche(re)n Dienstwagen, der uns mehrfach überrascht hat.

Schon das Basismodell des Taycan bringt jede Menge Spaß - zu bezahlbaren Tarifen. | Foto: Frank Ratering
Schon das Basismodell des Taycan bringt jede Menge Spaß - zu bezahlbaren Tarifen. | Foto: Frank Ratering
Gregor Soller

Die Fahrpräsentation des „Basis“-Taycan ließ uns zwischen Welten wandeln: Zwischen Dienst- und Traumwagen, zwischen Baden und Württemberg, denn die Teststrecke führte über zahlreiche Serpentinen von Zuffenhausen in den nördlichen Schwarzwald bis fast nach Baden-Baden. Was für Fahrzeug und Bundesland galt, traf übrigens auch aufs Wetter zu: Von verschneiten Abschnitten auf den Höhen bis zu trockenen Abschnitten bei zehn Grad plus Nahe Zuffenhausen war alles dabei.

Also, eingestiegen und gestartet und: Kaum Unterschiede zu den stärkeren Brüdern festgestellt: Auch der Basis-Taycan lässt sich mit vielen Goodies sehr fein einrichten – so hatte unser Testwagen, der in der Präsentationsfarbe „Frozen Berry“ vorfuhr, eine farblich passende Innenausstattung in „Brombeer-Schiefergrau“. Den mit dem Basis-Taycan führt Porsche auch gleich Detailverbesserungen und weitere, teils mutige Farbkombinationen ein, die sich wohltuend und gelungen vom üblichen weiß-grau-schwarz abheben. Danke dafür – das werden morgen die gesuchten Sonderfarben sein! Zumal jeder Porsche durchaus Farbe veträgt und kann.     

Womit wir vor dem Betätigen des Startknopfes schon mitten im Konfigurator umherscrollen, was man tunlichst vermeiden sollte, wenn am Ende noch eine dreistellige Brutto-Leasingrate stehen soll. Dafür gibt es gerade noch freie Farbwahl, Leder und ein paar nette Räder. Für gut 1000 Euro wäre sogar noch der große Akku drin. Wer also etwas Maß halten kann, bleibt unter 1000 Euro Brutto-Leasingrate respektive unter 100.000 Euro Brutto-Gesamtpreis vor allen Abzügen.

Jetzt aber endlich gestartet und ab Richtung Schwarzwald, was gleich mit einer langen Geschwindigkeitsbegrenzung vor dem Engelbergtunnel beginnt. Eher dezente 318 Kilometer Reichweite zeigt der Taycan an – sollte für die exakt 177 Kilometer lange Tour aber locker ausreichen, oder? Der Stromkonsum fällt anfangs nämlich nur in Zeitlupe von gut 45 kWh/100 km auf 38 kWh/100 km. Trotz Trödelei liegen bei der Abfahrt nach Renningen immer noch gut 33 kWh/100 km an. Für den Aufstieg in den Schwarzwald befürchten wir Schlimmes, doch der Taycan kommt uns weiter entgegen: Akku und E-Maschine sind jetzt auf Betriebstemperatur und jede Ortsdurchfahrt und jedes Fahrpedallupfen lässt den Stromdurst weiter abbröckeln, bis wir uns bei Werten zwischen 26 und 28 kWh/100 km eingrooven. Das geht für einen im Boost bis zu 476 PS starken viertürigen Sportwagen in Ordnung, ist aber im Vergleich zu Teslas Model S immer noch viel.

Außerdem ist ein Porsche ja zum Spaß haben da, weshalb wir jetzt mit dem etwas spaßbefreiten Getrödele enden und immer wieder mal am „Dampfrad“ drehen! Im schärfsten Modus „Sport+“ schaltet sich der Raumschiffsound zu und man kann sich auch in der Basisversion wunderbar durch die Serpentinen des Schwarzwaldes zoomen. Und weil wir jetzt mehr mit Anbremspunkten beschäftigt sind und dem idealen Zeitpunkt, wieder voll auf den Pinsel zu treten, um freudig aus Kurven herauszuschwanzeln, beachten wir den Verbrauch erstmal nicht mehr. Der bleibt trotz unökologischer Fahrweise bei den eingangs erwähnten 26 (bergab) bis 28 kWh/100 km (bergauf) – und liegt damit auch im Rahmen dessen, was ein freudig bewegtes Tesla Model S zieht.

Der Pass macht auch in der Basis Spaß

Schaltet man das ESP nicht ganz weg, lässt der Taycan in engen Kurven dezent und wohl dosiert das Heck heraushängen, bevor die Fahrassistenten es gekonnt einfangen und das ganze Auto sich wieder effizientem Vorwärtsdrang widmet – hier in reiner Porsche-Lehre nur über die Hinterhufe. Macht Spaß, aber im direkten Vergleich fehlt dem Basismodell zu seinen allradgetriebenen Geschwistern das letzte Quäntchen Biss, mit dem er aus den Biegungen schnellt und auch die katapultartige Beschleunigung der Turbos ist ihm fremd: Bei Bedarf sprintet er in 5,4 Sekunden auf 100 km/h, wo dem Turbo S deren 2,8 genügen. Außerdem muss er sich in der Launch Control mit 345 respektive 357 Nm Drehmoment bescheiden, wo beim Turbo 850 Nm und beim Turbo S gar 1.050 Nm anliegen – im direkten Vergleich merkt man das, in der Praxis kann man es ohnehin fast nie erleben. Und: Das muss einem 70.000 respektive 103.000 Euro extra für Turbo respektive Turbo S Wert sein – unserer Meinung nach zu viel für den Alltag, wo man selten so mit sich und dem Taycan allein ist, um das wahre Potenzial der Turbos oft genug auskosten zu können.

Spürbare Vorteile vor allem beim Gewicht

Zumal der Basis-Taycan dank fehlender E-Maschine vorn deutlich weniger wiegt als die Allrad-Brüder: In Basisausstattung mit kleinem Akku startet er laut Porsche bei 2.050 Kilogramm, die Performance-Batterie Plus hebt das Gewicht auf 2.130 Kilogramm, womit er immer noch gut 165 Kilogramm unter Turbo und Turbo S liegt, die beide um die 2,3 Tonnen pendeln – auch das ein fühlbarer Unterschied, diesmal zugunsten der Basis. Denn trotz aller Power: In engem Geläuf bleiben 2,3 Tonnen einfach physikalisch spürbar.

Und sonst? Taycan-typisches porschiges Sitzgefühl, saubere Verarbeitung und dezente Praxiskompetenz für vier: Tatsächlich gelang den Zuffenhausenern ein formidabler Dienstwagen, der genau zwischen 911 und Panamera parkt. Und wem der kleine Kofferraumdeckel mit den 407 Liter Volumen zu klein ist, der kann auf den „Kombi“ Cross Turismo warten, der dann auch mit großer Heckklappe kommt, optisch aber eben weiter weg ist vom 911 als es beim Panamera der Fall ist – aber auch der ist optisch sehr gut gelungen und gäbe als Zweitürer einen wunderbaren Shooting-Brake.

So carven wir über Hirsau und Bad Wilbad über Weisenbach und Gernsbach durch den Schwarzwald, bevor wir am westlichsten Punkt unserer Route scharf rechts abbiegen und nach Loffenau hochfliegen. Weiter nach Bad Herrenalb und Höfen an der Enz, bevor sich die Route Richtung Bad Liebenzell und Württemberg wieder begradigt und verflacht. Gleiches gilt für den Verbrauch, er jetzt von 26,0 kWh beständig nach unten wandert: Auch denk dem Getrödel durch den Engelbergtunnel, den wir jetzt bergab durchrollen, landen wir am Ende auf dem Porsche Platz 1 in Zuffenhausen bei 24,5 kWh/100 km – wofür wir verdammt viel Spaß hatten! Und die obere Verbrauchsangabe von Porsche mit 25,4 kWh/100 gut unterschritten. Am Ende wären wir gut 350 Kilometer weit gekommen! Ob man bei sparsamer Fahrweise vielleicht unter 20 kWh/100 km und in die Nähe der von Porsche kolportieren 484 Kilometer Maximalreichweite kommt, wird in einem Test zu klären sein.

Was bedeutet das?

Mit dem Basis-Taycan hat Porsche einen gelungenen und verdammt scharfen elektrischen Pfeil im Köcher, der haarscharf positioniert zwischen den Welten des Dienst- und Sportwagens surft, ebenso wie er das zwischen Spaß- und Nullemissionsfahrzeug sowie zwischen Baden und Württemberg tat.

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