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Porsche: Neue Modelle drücken Gewinn - E-Offensive unter Vorbehalt

(dpa/jr) Porsche setzt auf Vorsicht: Unter anderem wegen mehrerer Modellwechsel schraubt der Sportwagenbauer seine Gewinnerwartung zurück. Ab 2025 will das Unternehmen dann wieder auf die finanzielle Überholspur. Bei der E-Mobilität deutet man einen Plan B mit flexibler Produktion an, hält offiziell aber am 2030er-Ziel 80 Prozent BEV fest.

Beispiellose Produktoffensive: Oliver Blume wirbt für den Neuheitenreigen bei der Bilanz-Pressekonferenz in Leipzig. | Foto: dpa/Jan Woitas
Beispiellose Produktoffensive: Oliver Blume wirbt für den Neuheitenreigen bei der Bilanz-Pressekonferenz in Leipzig. | Foto: dpa/Jan Woitas
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Johannes Reichel

Der Sport- und Geländewagenbauer Porsche ist im vergangenen Jahr weiter gewachsen - rechnet für 2024 jedoch unter anderem wegen mehrerer neuer Modelle mit weniger Gewinn. Langfristig will man mit der Verjüngung aber punkten: «Mit diesen Fahrzeugen legen wir das Fundament unseres Erfolgs in den kommenden Jahren», sagte Porsche-Chef Oliver Blume in Leipzig, wo er am Dienstag zusammen mit Finanzchef Lutz Meschke die Unternehmensbilanz für das vergangene Jahr präsentierte. 

Porsche hatte bereits angedeutet, dass die zeitversetzten und gestaffelten Produktanläufe herausfordernd sein würden. In diesem Jahr bringen die Zuffenhausener neue Versionen des Panameras und des Elektrosportwagens Taycan sowie den lange erwarteten vollelektrischen Macan auf den Markt. Der Klassiker 911 wird im Frühsommer aufgefrischt. Außerdem startete bereits spät im Jahr 2023 der neue Cayenne, das meistverkaufte Modell des Unternehmens.

Elektro-Pläne: Der Macan muss ziehen

Vor allem auf dem nur noch elektrisch angebotenen Macan, dessen aktuelles Verbrenner-Modell die Anforderungen an die Cybersicherheit nicht mehr erfüllt, ruhen die großen Hoffnungen, aber auch das große Risiko. Schließlich verzögerten die Software-Probleme im Mutterkonzern VW die Einführung des in Leipzig gebauten Kompakt-E-SUV bereits um zwei Jahre. Immerhin stimme die hohe Nachfrage im Vorfeld positiv, es gebe bereits 10.000 Bestellungen, so Blume. Nichtsdestotrotz wird auch Porsche in den derzeitigen globalen Abwärtsstrudel bei der E-Mobilität gezogen: Der E-Auto-Markt schwächelt, wozu auch unsichere politische Rahmenbedingungen beitragen.

Das Ziel bestehe allerdings weiter, unterstreicht Blume, bis 2030 zu 80 Prozent elektrisch unterwegs zu sein. Im Hintergrund kursiert jedoch ein Plan B, sollten Verbrenner weiterhin so beliebt bleiben. "Falls sich das Verbrenner-Aus in Europa nach hinten verschieben sollte, sind wird flexibel aufgestellt, im Entwicklungsbereich nachzusteuern", betont Finanzchef Meschke. Das hatte zuletzt Konkurrenz Mercedes-Benz getan und war in Sachen Elektro-Quote zurückgerudert: Bis 2030 will man bei den Stuttgarter Nachbarn nur noch auf 50 Prozent Stromeranteil kommen.

Neue Modelle drücken auf den Gewinn

Blume zufolge handelt es sich um die bislang größte Modelloffensive in der Geschichte des Unternehmens. Verbunden ist die Ballung, die unter anderem mit Software-Problemen beim E-Macan zusammenhängt, aber mit zusätzlichen Kosten. Die Übergangszeit zwischen den Modellreihen führt dazu, dass weniger Autos verkauft werden. Außerdem fallen zum Beispiel Marketingkosten an, um für die neuen Modelle zu werben. All das wird nach Erwartung des Managements zumindest zeitweise auf den Gewinn des Sportwagenbauers drücken. 

Deutlich wird das an einer Kennzahl - der operativen Umsatzrendite. Das ist der Anteil des Gewinns im Tagesgeschäft, der vom Umsatz übrigbleibt. 2023 lag der Wert wie bereits im Vorjahr bei 18,0 Prozent. Bei einer Umsatzprognose von 40 bis 42 Milliarden Euro rechnet Finanzchef Meschke für das laufende Jahr nun mit einer niedrigeren Rendite zwischen 15 und 17 Prozent. Verantwortlich machte er dafür neben den Modellwechseln unter anderem auch die weltweit schwierigen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen sowie Investitionen.

Vorstandschef Blume und Vize Meschke gaben sich jedoch optimistisch. Mit dem nahezu komplett neuen Produktportfolio bringe man Porsche in eine ideale Ausgangsposition für die kommenden Jahre, sagte Blume. Damit wolle man neue und jüngere Kundengruppen sowie mehr Frauen ansprechen. 2024 werde aus finanzieller Sicht zwar ein Übergangsjahr. «Aber dann haben wir die Grundlage geschaffen, um 2025 richtig durchzustarten», sagte Meschke. Denn grundsätzlich hält Porsche aber an seinen Ambitionen fest: In der mittleren Frist visiert die VW-Sportwagentochter 17 bis 19 Prozent Marge an, langfristig soll sie sogar auf mehr als 20 Prozent getrieben werden.

Wann erholt sich das China-Geschäft?

Trotz weiterer Lieferkettenstörungen, starker Inflation und hohen Investitionen erreichte die Porsche AG vergangenes Jahr die selbst gesetzten Finanzziele: 2023 erwirtschaftete das Unternehmen auch dank eines Auslieferungsanstiegs um gut drei Prozent 40,5 Milliarden Euro Umsatz - und damit fast acht Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Der operative Gewinn stieg auf knapp 7,3 Milliarden Euro. Nach Steuern blieben davon 5,16 Milliarden Euro übrig - knapp 3,8 Prozent mehr als im Vorjahr. 

Probleme gab es hingegen bei den Verkäufen im wichtigen Markt China - sie brachen 2023 wie bereits bekannt um rund 15 Prozent ein. Eine Entwicklung, die auch den Aktienkurs von Porsche zuletzt belastete. Meschke führte den Rückgang unter anderem auf die finanziellen Verluste vieler Menschen durch die Immobilienkrise in China zurück. Der Luxusbereich habe daher 2023 nicht so funktioniert wie in den Jahren zuvor. «Wir gehen allerdings davon aus, dass sich die gesamtwirtschaftliche Lage in China wieder deutlich erholen wird.» Das soll laut Meschke spätestens zu Jahresbeginn 2025 der Fall sein. Man wolle in China nicht in den Preiskampf einsteigen und nehme besusst in Kauf, weniger Fahrzeuge zu verkaufen, erklärte Blume bei der Konferenz.

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