Polestar will für mehr Transparenz bei der Klimabilanz sorgen

Mit einer Transparenzoffensive setzt die Geely-Tochter die Konkurrenz unter Druck und veröffentlicht alle Daten im Bezug auf die Klimawirkung ihrer Autos. Polestar 2 mit 26 Tonnen CO2-Rucksack.

Spricht Klartext und fordert Klarheit: Fredrika Klarén, Leiterin des Bereichs Nachhaltigkeit bei Polestar sieht "eine Menge Fehler in der Industrie". | Foto: Polestar
Spricht Klartext und fordert Klarheit: Fredrika Klarén, Leiterin des Bereichs Nachhaltigkeit bei Polestar sieht "eine Menge Fehler in der Industrie". | Foto: Polestar
Johannes Reichel

Der schwedisch-chinesische Elektroautohersteller Polestar hat jetzt ausgiebige Daten über die Klimaauswirkungen ihrer Elektrofahrzeuge veröffentlicht. Man strebe damit größtmögliche Transparenz in der Automobilindustrie an, heißt es vom Hersteller. Das schwedische Unternehmen, das eng mit Volvo verwoben ist, will mit einer Zusammenfassung die Klimaauswirkungen der Produktion seiner Elektrofahrzeuge aufzeigen. In der vollständigen Ökobilanz gehe man  noch einen Schritt weiter und offenbare die gesamte Umweltauswirkungen des Fahrzeugs während seines gesamten Lebenszyklus. In diesem Schritt sieht man eine "bedeutende Veränderung für eine Branche dar, die sich in den letzten Jahren vergeblich darum bemüht hat, die Verbraucher von ihren Nachhaltigkeitsbestrebungen zu überzeugen", wie der Anbieter meint. Man setze damit neue Standards, denen andere Autohersteller folgen sollen.

„Die Autohersteller waren in der Vergangenheit gegenüber ihren Konsumenten nicht transparent genug, um über die Umweltauswirkungen ihrer Produkte aufzuklären. Die Bemühungen sind nicht ausreichend. Wir müssen absolut ehrlich sein, so unangenehm es sein mag“, kommentiert Thomas Ingenlath, CEO von Polestar den Schritt.

Mit einem 26-Tonnen-Rucksack aus der Fabrik

Anhand einer eigenen Analyse stellte Polestar fest, dass der neue Polestar 2 die Fabrik mit einer CO2-Bilanz von 26 Tonnen verlässt. Im Vergleich zu einem Volvo XC40 mit einem Verbrennungsmotor hat der Polestar 2 in der Herstellungsphase einen größeren Fußabdruck, was hauptsächlich auf den energieintensiven Batterieproduktionsprozess zurückzuführen sei, so die Analyse. Sobald das Fahrzeug beim Kunden eintrifft, seien weitere CO2e*-Emissionen jedoch unerheblich, wenn es mit grüner Energie aufgeladen wird. Kohlendioxid-Äquivalent (CO2e) „Kohlendioxid-Äquivalent“ oder „CO2e“ ist ein Begriff zur Beschreibung verschiedener Treibhausgase in einer gemeinsamen Einheit. Bereits nach einer Fahrleistung von 50.000 km erzeuge das mit fossilen Brennstoffen betriebene Fahrzeug insgesamt mehr Treibhausgas-Emissionen als ein Elektrofahrzeug.

„Die Botschaft ist klar: Elektrofahrzeuge ebnen einen Weg zur Klimaneutralität, und wir werden die Erkenntnisse aus den Berichten nutzen, um dieses Ziel zu erreichen“, so Thomas Ingenlath weiter.

Man weise auf den beunruhigenden Mangel an Transparenz in der gesamten Branche hin, da es für einen Verbraucher heute unmöglich sei, die Klimaauswirkungen verschiedener Fahrzeuge zu vergleichen. Ein wesentliches Problem sieht man auch darin, dass es eine Reihe von unterschiedlichen Berechnungsmethoden gibt, die von verschiedenen Autoherstellern für Ökobilanzen verwendet werden. Die Schweden stellen ihre gesamte Methodik daher frei zur Verfügung und fordern auch andere Fahrzeughersteller auf, sich anzuschließen und für mehr Transparenz zu sorgen.

„Fragmentierung führt nur zu Verwirrung. Die Autohersteller müssen sich zusammenschließen und transparenter werden“, ergänzt Fredrika Klarén, Leiterin des Bereichs Nachhaltigkeit bei Polestar.

Man habe eine Menge Fehler in der Industrie gesehen, erklärte sie gegenüber der Süddeutschen Zeitung weiter. Sie spielte auf "Dieselgate und auch irreführende Angaben, die die Käufer verwirrt haben" an und meint:

"Ich glaube, dass viele Kunden inzwischen der Meinung sind, dass sie der Industrie nicht mehr Vertrauen können".

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