Polestar arbeitet an alternativen Materialien

Wie unser Messerundgang auf der ISPO schon zeigte: Materialien und Verarbeitungsmethoden der Sport- und Bekleidungsbranche könnten bald auch in den Pkw einziehen.

Polestar will verstärkt Recyclingmaterial nutzen, um nachhaltiger zu werden. | Foto: Polestar
Polestar will verstärkt Recyclingmaterial nutzen, um nachhaltiger zu werden. | Foto: Polestar
Gregor Soller

In Kooperation mit Fachleuten auf dem Gebiet der Nachhaltigkeit arbeitet Polestar verstärkt daran, das Gewicht der Fahrzeuge zu reduzieren, den Einsatz von Kunststoff zu verringern und Abfallmaterial durch innovative natürliche und recycelte Ausgangsmaterialien zu ersetzen.

Für seine Marke hat Thomas Ingenlath, CEO von Polestar große Ziele:

„Um wirklich nachhaltig zu sein, müssen wir jedes Element in unseren Autos bewerten. Für Polestar geht es bei Nachhaltigkeit um weit mehr als nur den elektrischen Antriebsstrang. Mit der Entwicklung dieser innovativen neuen Lösungen, die wir in unseren Autos zukünftig einsetzen werden, setzen wir ein klares Statement und verdeutlichen unsere Absichten.“

Ein neuer Verbundwerkstoff verwendet Flachs, der sich von vielen biologischen Materialien unterscheidet, da er sowohl ideal für Fruchtfolgeprogramme ist als auch nicht direkt mit Nahrungspflanzen in Konkurrenz steht. Im Vergleich zu herkömmlichen Innenverkleidungen ermöglicht das Bcomp genannte Produkt laut Polestar eine erhebliche Gewichtsersparnis. Da es nicht nur fester, sondern auch leichter als herkömmliche Kunststoffe ist, die bisher im Fahrzeuginnenraum verwendet werden, sollen eine Gewichtsreduzierung von bis zu 50Prozent und eine Kunststoffreduzierung um 80 Prozent erreicht werden. Eine 3D-Stricktechnik, die in der Mode- und Aktivschuhindustrie bereits bekannt ist, kann zudem angewandt werden, um Sitzflächen zu erstellen. Abfall wird hierbei reduziert und zugleich recycelte Materialquellen gefördert. Aus einem einzigen Faden wird ein dreidimensionales Einzelbauteil in seiner Gesamtheit hergestellt. Das Grundmaterial besteht dabei zu 100 Prozent aus recyceltem Garn, das aus PET-Flaschen gewonnen wird. Abfälle entfallen im Produktionsprozess, da das Material ohne Verschnitt passgenau hergestellt wird.Das wird man auch im Interieur sehen und fühlen. So könnten die „powerRibs“ und „ampliTex“ Technologien von Bcomp Naturfasern in leichte und sichere Innenverkleidungen für zukünftige Produktionsmodelle von Polestar umwandeln.

Außerdem will Polestar auch die Wein- und Fischereiindustrie für nachhaltige Produkte gewinnen, indem Kork und Fischernetze recycelt und in die Fahrzeuginnenausstattung wiederverwendet werden. Abfälle aus der Korkherstellung und sogar ganze Flaschenverschlüsse können in die PVC-Innenausstattung einfließen. Recyceltes Nylon 6, das aus weggeworfenen Fischernetzen gewonnen wird, kann zu gewebten Teppichen verarbeitet werden und wird über ein internationales Sammelnetzwerk gesammelt, um dieses Material theoretisch unendlich zu regenerieren.

Maximilian Missoni, Head of Design bei Polestar duldet jedoch keine Einschränkungen bei der Qualität:

„Wichtig ist, dass wir durch die Verwendung dieser neuartigen Materialien keine Kompromisse bei Design und Luxus eingehen. Ganz im Gegenteil. Sie bieten weitere, hochwertige, moderne und stilvolle Möglichkeiten bei der Ausführung, die unsere designorientierten Produkte aufwerten. Für uns eine positive Herausforderung, die dem Innendesign eine neue Bedeutung verleiht. Denn wir sind so in der Lage, aus neuen Zusammenhängen und Technologien eine völlig neue Ästhetik herzuleiten, und leisten so einen Beitrag zur Gesellschaft.“

Diese Fortschritte in der Innenraumtechnologie bauen auf der Nachhaltigkeitsbotschaft der Marke auf, die bereits im veganen Standard-Interieur von Polestar 2 zum Ausdruck kam. Sie bekräftigen auch das Bekenntnis der Marke hin zu einer sinnvollen Nachhaltigkeit in allen Bereichen, einschließlich der erwarteten Gold-LEED-Bewertung der Produktionsstätte in Chengdu.

Was bedeutet das?

Auch in Sachen Nachhaltigkeit, Sauberkeit und Recyclierbarkeit schwindet der Vorsprung der Industrie in Europa, wie Polestar in China demonstriert. Neue Autointerieurs werden nachhaltigen denn je entstehen, Frage ist nur, ob sich das recycelte Material am Ende eines Autolebens nochmal recyceln lässt. Hier endet nämlich in der Sport- und Modebranche so mancher Materialkreislauf abrupt.

 

 

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