Plug-in-Hybride: Grüne wollen Prämie nur bei Elektro-Nutzung

Grünen-Politiker Cem Özdemir schlägt eine Koppelung der Prämie an die tatsächliche Nutzung des Elektro-Modus vor und mahnt schnelle Erhöhung der Reichweiten an. VDA will mehr Zeit für Datenanalyse.

Zu selten am Strom: PHEV-Modelle erfreuen sich inbesondere als SUV bei Herstellern wie Daimler großer Beliebtheit, werden aber in der Praxis zu selten geladen. | Foto: Daimler
Zu selten am Strom: PHEV-Modelle erfreuen sich inbesondere als SUV bei Herstellern wie Daimler großer Beliebtheit, werden aber in der Praxis zu selten geladen. | Foto: Daimler
Johannes Reichel

Der Grünen-Politiker und Vorsitzende des Verkehrsausschusses im Bundestag Cem Özdemir hat in der Debatte um den Klimaschutzbeitrag von Plug-in-Hybrid-Fahrzeugen vor einer Fehlentwicklung gewarnt und angeregt, einen Teil der Prämie erst bei der ersten Hauptuntersuchung auszuzahlen. Dann könne über den Bordcomputer ausgelesen werden, wie häufig die Fahrzeuge tatsächlich im Elektromodus genutzt würden und nur wenn das größtenteils der Fall sei, soll weiteres Geld fließen. Özdemir sieht grundsätzlich eine doppelte Chance im Plug-in-Hybrid-Antrieb, zum einen für die Umwelt zum anderen für die Industrie, aufgrund der höhereren Komplexität der Fahrzeuge.

Allerdings brauche man dafür sehr rasch "vernünftige Hybride mit mindestens 80 Kilometer Reichweite", schränkte der Grünen-Politiker ein. Nach dem jüngsten Autogipfel will man die Förderung einschränken, aber erst ab 2022 mindestens 60 Kilometer, ab 2025 dann 80 Kilometer Reichweite vorschreiben. Die 80 Kilometer schaffen zur Zeit gerade einmal 2,5 Prozent der zugelassenen PHEVs, wie eine Antwort auf eine Anfrage von Özdemir an das Bundesverkehrsministerium ergab. Zwischen Januar und September diesen Jahres wurden demnach 105.882 Stecker-Hybride zugelassen, eine drastische Steigerung zu den 45.348 im gesamten Vorjahr.

"Wenn ich mir die Zahlen so anschaue, habe ich das Gefühl, wir hätten den Autos genauso gut ein paar Batterien ins Handschuhfach legen könnte", kritisierte der Politiker.

Aus seiner Sicht erlebe man eine erschreckende Wiederholung der "falschen Freundschaft" zwischen Bundesregierung und den Bremsern in der Automobilindustrie, die uns schon den Abgasskandal eingebrockt haben", wurde Özdemir noch deutlicher. Gegenüber der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung sprach er im Hinblick auf die Tatsache, dass viele PHEVs auch SUV sind, von "staatlich subentioniertem Klimabetrug". Allerdings warnt auch die kleinere Oppositionspartei FDP vor einem "Etikettenschwindel" bei den PHEVs.

VDA: Brauchen mehr Zeit für Analyse

Vom Verband der Automobilindustrie kam keine generelle Absage an Özdemirs Idee. Man erbat sich aber mehr Zeit für die Erarbeitung belastbarer Zahlen zur Nutzung von PHEV-Fahrzeugen. Auch Einfahrbeschränkungen sieht man kritisch, weist zudem auf die mangelhafte Ladeinfrastruktursituation hin. VDA-Präsidentin Hildegard Müller sieht generell in den PHEVs "das Beste aus beiden Welten" vereint und äußerte jüngst, die Fahrzeuge könnten "einen wichtigen Beitrag zu effektivem Klimaschutz leisten". Daher müsse die Incentivierung auch fortgesetzt werden.

Erste Studien: Erschreckend niedriger E-Anteil

Allerdings weisen jüngste Studien darauf hin, dass die Ladeoption sowohl bei privaten wie auch bei gewerblichen PHEV-Fahrern zu selten genutzt wird. Laut Auswertung des Fraunhofer Instituts und des International Council on Clean Transportation" würden private PHEV-Nutzer nur an drei von vier Tagen Strom ziehen und kämen nur auf 43 Prozent elektrischer Fahrleistung. Das resultiert in einem zu den Papierwerten doppelt so hohen CO2-Ausstoß. Bei Dienstwagen sieht es danach noch schlechter aus: Sie emittieren im Alltag die vierfache CO2-Menge zu den Werksangaben, weil sie nur 18 Prozent der Strecken elektrisch bewegt würden. Die "Nationale Plattform Zukunft der Mobilität" hatte in einem fundierten Bericht Empfehlungen zum Nutzungsgrad von Plug-in-Hybriden erarbeitet und sieht für einen Beitrag zur CO2-Minderung einen Elektrofahranteil von mindestens 50 Prozent elektrisch für notwendig.

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